Eine Frau sitzt auf der Bassintreppe der Badi Menziken. Sie klagt über Atembeschwerden und Schmerzen im Nacken. Die Rettungssanitäter in Ausbildung vom Asana Spital sind im Anmarsch, samt Notfallrucksack und Sauerstofftasche.

«Geschwollene Zunge», stellt Matthias Wismer, 40, Rettungssanitäter in Ausbildung, fest. Er befragt die Patientin, nimmt Personalien auf, holt sie mit Hilfe aus dem Wasser.

Vier angehende Rettungssanitäter übten am Samstag in der Badi. Für Matthias Wismer ist es eine Art Hauptprobe: Am 6. August hat er in Zofingen an der Abschlussprüfung anzutreten. Ihm wird bald klar: Insektenstich mit allergischer Reaktion.

Nun heisst es handeln: Stachel entfernen, Sauerstoff zuführen, eine Adrenalinspritze in den Muskel. Die Schwellung kann im schlimmsten Fall zum Tod durch Ersticken führen.

«Gut gemacht, noch etwas ruhiger sein»

Es kommt keine Hektik auf; die beiden involvierten Rettungssanitäter in Ausbildung arbeiten Hand in Hand, wobei Wismer die Führung innehat. Er wird hier beübt vom Berufsbildner Rettungsdienst Ruedi Hecht.

Er spielt den Examinator, fragt nach, will Erklärungen über die Wirkung des Adrenalins, und der Kandidat kann zeigen, dass er das medizinische Fachwissen inklusive Fachjargon draufhat. Ruedi Hecht lobt ihn: «Gut gemacht, noch etwas ruhiger sein.» Experten könnten fies sein, sagt er. Die Handschuhe, den Eigenschutz nicht vergessen. Checkliste befolgen, um Fehler zu vermeiden.

Das Menziker Rettungssanitäter-Team von 18 Personen, ein Drittel davon Frauen, hat etwa 1700 Einsätze pro Jahr. Die Rettungssanitäter rücken bei medizinischen und traumatischen Notfällen sowie für Krankentransporte aus.

Am Samstag übten die vier Auszubildenden das Vorgehen in möglichen Situationen: Verletzung nach Sprung ins Kinderbecken, Oberschenkelhalsbruch, Chemieunfall mit Chlor, Hitzeschlag, Blitzschlag, Herzinfarkt.

«Der Anlass stärkt die Zusammenarbeit mit der Badi», sagt Ruedi Hecht; die Figuranten stellt die Lebensrettungsgesellschaft Beinwil am See. Und wie kommt Matthias Wismer zu seinem neuen Beruf? Der ehemalige Mechaniker arbeitet seit 2001 als Transportsanitäter und Fahrer.

In heiklen Situationen die richtigen Massnahmen ergreifen, Verantwortung übernehmen; das ist die Herausforderung, die er mag: «Ein abwechslungsreicher Beruf: Kein Einsatz ist wie der andere.»