In den letzten 10 Jahren sank die Verkaufsmenge an Birnendicksaft dramatisch. Die Winterhilfe Schweiz, welche seit über 50 Jahren Gemeinden und kleine Lebensmittelgeschäfte in der ganzen Schweiz beliefert, verkauft im Vergleich zu vor 10 Jahren kaum mehr die Hälfte. Seit einem Jahr zeichnet sich jedoch vor allem bei den lokalen Verkäufern eine Trendwende ab.

Der «Arme-Leute-Honig»

Birnel oder auch Birnendicksaft ist vor allem bei der älteren Generation als günstige Alternative zu Honig bekannt. Wie Honig kann man Birnel zum Backen, Kochen und Süssen verwenden. Gerade in der Nachkriegszeit war Birnel der Süssstoff der armen Leute, der «Arme-Leute-Honig».

Der Absatz war enorm. Auch, weil der Bund in den Fünfzigern dem Alkoholismus den Kampf ansagte und die «brennlose Obstverwertung» staatlich förderte. Die Winterhilfe Schweiz bekam damals das exklusive Vertriebsrecht für Birnel. Seither beliefert sie die Gemeinden und kleinen Lebensmittelläden in der gesamten Schweiz. Den Erlös verwendet die Winterhilfe für wohltätige Zwecke.

Dörfer verkaufen aus Tradition

«Wir bieten bereits seit Jahrzehnten Birnel an», sagt der Gemeindeschreiber von Schöftland, Rudolf Maurer. In erster Linie tue die Gemeinde dies zur Unterstützung der Winterhilfe. Im Schnitt bestelle man 120 Kilogramm pro Jahr. «Wir beobachten aber, dass der Verkauf in letzter Zeit zunimmt.»

Zusammen mit zwei weiteren Gemeinden bestellt auch Unterkulm alljährlich bei der Winterhilfe Schweiz Birnel. Dies, um die Mindestbestellmenge von 80 Kilogramm zu erreichen. 2011 nahm der Verkauf in Unterkulm noch um 40 Prozent von 205 auf 124 Kilogramm ab.

Ein Jahr später dann die Wende: Der Verkauf stieg zum ersten Mal seit Jahren leicht an. Die Gemeinde verkaufte 149 Kilogramm. Schöftland und Zetzwil können den Aufwärtstrend ebenfalls bestätigen.

Birnel: Das Lifestyle-Produkt?

«Ob das nur ein einmaliger Ausreisser war, kann ich nicht sagen», relativiert Beat Baumann, Gemeindeschreiber von Unterkulm. «Tatsache ist jedoch, dass mit dem seit einiger Zeit erhältlichen Bio-Birnel auch jüngere Leute vermehrt Birnendicksaft einkaufen.»Ursula Stadelmann von der Winterhilfe Schweiz bestätigt:«Birnel wird zunehmend auch bei jungen Leuten beliebt.»

Gerade Menschen, die sich sehr bewusst ernähren würden, greifen laut Stadelmann auf Birnel zurück. «Es ist für Vegetarier und Veganer geeignet, enthält keine Konservierungsstoffe und ist gesünder als Kristallzucker.»

Mit dem Bio-Label und vermehrter Öffentlichkeitsarbeit wolle man nun den Verkauf weiter ankurbeln. «Im Moment sind die Zahlen noch rückläufig, aber wir sind zuversichtlich, dass wir den Birnel-Verkauf künftig steigern können.» Speziell der Bio-Verkauf werde zurzeit stark ausgebaut.

Die Verkaufszahlen für das Geschäftsjahr 12/13 der Winterhilfe sind noch nicht bekannt. Von 2011 auf 2012 nahm die Liefermenge gesamtschweizerisch um zwei Tonnen auf 49 Tonnen ab.