Er steht am Strassenrand wie Hunderte anderer, die den Jugend- und Dorffest-Umzug in Beinwil am See mitverfolgen: Hans-Rudolf Merz, ehemaliger Bundesrat und Bürger von Beinwil. «Ich bin Bürger von Beinwil geblieben, obwohl ich in Herisau aufgewachsen bin», sagt Merz. Der Grund: Früher war die Bürgergemeinde verpflichtet, bedürftige Bürger bei Armut oder im Alter zu versorgen. «Ich mag den See und die liebliche Landschaft», sagt er. Allerdings sei die Familie Merz auch in Beinwil zugewandert: Im 17. Jahrhundert, vielleicht knapp vor dem Dreissigjährigen Krieg (1618 bis 1648), aus Magdeburg, das von diesem Krieg stark betroffen war. «Ein guter Entscheid», meint Hans-Rudolf Merz.

Bauen und Krähenplage

Die Zuschauer kamen am Samstagvormittag in den Genuss eines Sinnenschmauses. Zum Motto «Bau(m)welten» gestalteten die rund 260 Schüler und die Dorfvereine einen fröhlichen Umzug. Nicht nur der Musikverein kann zum Marschieren musizieren; auch Jodler und Schulklassen singen live. Und die Turner spielen Volleyball.

«Schön henders gmacht», lobt ein Vater eine Schülergruppe. Das Thema übrigens hat tieferen Sinn, wie Gemeindeammann und OK-Präsident des Jugend- und Dorffestes Peter Lenzin erklärt. Einerseits spielt es auf die (zu?) rege Bautätigkeit im Dorf an. Darum haben sich viele Kinder in Baukleider samt Helm und aufgedruckten Werkzeugen gestürzt. Einige führen gar Schubkarren mit oder paradieren als Lego-Klötze. Umleitungsschilder, aber auch ketzerische Sprüche wie bei den Schildbürgern («Wir bauen unser Haus sogar doppelt») kommen auf die Umzugsstrecke. Der «Baumteil» des Mottos spielt auf die «Krähenplage» im Häxewäldli an, die dazu geführt habe, dass dort ein paar Bäume gefällt wurden.

Appenzeller in Zentiliter-Menge

Das Publikum ist guter Laune, und zwischendurch pfeift der Dampfzug und das Tanklöschfahrzeug lässt das Martinshorn ertönen. Dank durstigem Wetter fliesst das Bier in Strömen, aber auch feste Nahrung lockt. Schön für die Vereine und Gruppen, die sie anbieten. Die Chrischona-Gemeinde macht auf exotisch: afghanische, syrische und iranische Gerichte. Eine Kindergruppe stellt Popcorn her. Derweil setzt die Musikgesellschaft auf Fisch-Chnusperli, der FC auf Hacktätschli und der Turnverein auf den Fackelspiess. Zum Beispiel. Er hat auch Appenzeller in Zehnzentiliter-Mengen im Angebot. Etwas für den Beinwil-Appenzeller Hans-Rudolf Merz?

Dieser lässt sich derweil vom Elektrotaxi zum Steineggli-Hof führen, wo seine Vorfahren einst lebten, bevor sie vor einigen Generationen in die Ostschweiz zogen. Am Behörden- und Sponsorenapéro kommt es zum Wiedersehen mit Regierungsrat Urs Hofmann, einst ein Kollege in der Finanzdelegation des Departements. Mittelland oder Alpen? «Als Präsident der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden bin ich häufiger in den Bergen unterwegs», sagt Merz. Auch im Bündnerfleischland.