Schulsozialarbeit
Bei einem zweiten Nein wirds kompliziert

Dass es die Schulsozialarbeit braucht, darüber sind sich alle einig. Beim benötigten Pensum dieser gehen die Meinungen auseinander. Wird das Referendum abgeschmettert, sind die Oberkulmer Schüler wohl im Nachteil.

Rahel Plüss
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Donnerstags ist die Schulsozialarbeit in Oberkulm - meist brennts bei der Oberstufe, die Primarschule hat das Nachsehen.

Donnerstags ist die Schulsozialarbeit in Oberkulm - meist brennts bei der Oberstufe, die Primarschule hat das Nachsehen.

Sandra Ardizzone

Es braucht eine Schulsozialarbeit im mittleren Wynental. Da sind sich Oberkulm, Unterkulm und Teufenthal einig. Alle drei Gemeinden hatten an der vergangenen Herbstgmeind der definitiven Einführung einer gemeinsamen Schulsozialarbeit zugestimmt. Gleichzeitig stand eine Pensenerweiterung von 80 auf 140 Prozent zur Debatte. Hier hörte die Einigkeit auf.

Während Unterkulm und Teufenthal der Aufstockung zustimmten, lehnte sie Oberkulm knapp ab. Das Resultat: Eine verzwickte Situation. Die Schulsozialarbeit ist nämlich für alle Schüler gedacht, für die Unter- wie für die Oberstufe. Während jede Gemeinde über eine eigene Primarschule verfügt, wird die Oberstufe, die Kreisschule Mittleres Wynental, an zwei Standorten geführt – in Oberkulm und Unterkulm.
An beiden Schulen werden Schüler aus allen drei Gemeinden unterrichtet. «Man hat es im Vorfeld versäumt, sich im Falle einer Uneinigkeit mögliche Szenarien zu überlegen und diese der Bevölkerung kundzutun», sagt Pierre Meier. Er ist Schulleiter Primarschule und Kindergarten in Oberkulm und macht sich – zusammen mit dem Referendumskomitee – für ein nachträgliches Ja zur Pensenerweiterung der Schulsozialarbeit stark. Nach der Gmeind wurden mehr als 250 gültige Unterschriften gesammelt und eine Referendumsabstimmung erwirkt. Diese findet am 3. April statt.

Primarschüler kommen zu kurz

Was aber passiert bei einem zweiten Nein? Die Tatsache ist auf den ersten Blick einfach: Oberkulm stockt nicht auf, es bleibt beim ursprünglichen Pensum von 80 Prozent für die gemeinsame Schulsozialarbeit. Bis anhin war es so geregelt, dass die Schulsozialarbeit an einem Tag pro Woche, jeweils donnerstags, am Standort Oberkulm tätig war. «Da es häufig an der Oberstufe brennt, hatte die Unterstufe vielfach das Nachsehen», sagt Pierre Meier. Das habe man mit der Pensenerhöhung ändern – der Primarschule mehr Möglichkeiten eröffnen wollen. Bleibt es bei 80 Prozent in Oberkulm, bleibe es bei diesem einen Tag und die Primarschule sei weiterhin benachteiligt.

Was heisst das Nein aber für die Oberstufenschüler, respektive für die anderen beiden Gemeinden? Hier wirds kompliziert. Müssen die Oberkulmer Schüler an der Kreisschule künftig separat behandelt werden oder wie Meier scherzhaft meint, «ein T-Shirt mit der Aufschrift ‹Ich bin ein Oberkulmer› tragen»? «Wohl kaum», sagt Meier.
Denn ein solches Szenario, bei dem die Leistungen individuell abgerechnet würden, wäre nicht nur kompliziert, sondern «vermutlich im Endeffekt auch teurer.» Die realistischste Variante sei, dass alle drei Gemeinden auf eine Pensenerhöhung an der Oberstufe verzichten, sprich Teufenthal und Unterkulm die Schulsozialarbeit lediglich an der Primarschule ausbauen. Aber, wollen die beiden Gemeinden das? «Nein», sagt Christine Hächler, Präsidentin der Kreisschulpflege Mittleres Wynental. «Auch die Kreisschule will von der Erweiterung profitieren.»

Prävention wäre nicht möglich

Zurück nach Oberkulm: «Wenn sich die Oberstufe und die Primarschule weiterhin einen einzigen Tag teilen müssen, kann man an der Unterstufe nichts aufbauen in Bezug auf Prävention und Sozialkompetenz», ist Meier überzeugt. «In dieser Beziehung wären unsere Schüler später in der Oberstufe gegenüber ihren Gspänli aus den anderen beiden Gemeinden klar benachteiligt.»

Dass die 80 Stellenprozente für die gemeinsame Schulsozialarbeit ausreichen respektive sich Oberkulm eine Pensenerhöhung nicht leisten kann, davon ist der Gemeinderat nach wie vor überzeugt. Roger Schmid, zuständiger Gemeinderat, sagt: «Unser Standpunkt ist noch der gleiche. Wir finden die Schulsozialarbeit richtig und wichtig. Deshalb wurde sie auch definitiv eingeführt.»

Man sei aber noch immer der Meinung, für eine Aufstockung fehle die Grundlage. In der Pilotphase habe die Konstanz gefehlt, um überblicken und eingrenzen zu können, welche Leistungen nötig und umsetzbar seien, so Schmid. Der Oberkulmer Gemeinderat plädiert deshalb weiterhin für ein Nein zur Pensenerhöhung. «Wenn die Bevölkerung die Aufstockung allerdings für nötig befindet, werden wir uns nicht dagegen wehren.»