Seit Juli umringen sie bereits die Linde neben der Rutsche des Schulhauses Berggasse: Die vier Profilstangen, die den Kindern signalisieren, dass ihr Baumhaus in greifbarer Nähe ist. Mehrere Jahre mussten sie darauf warten, bis das 2014 von ihnen initiierte Projekt realisiert wird. «Das Vorhaben brauchte eine längere Planungszeit, da viele verschiedene Richtlinien und Punkte berücksichtigt werden mussten», sagt Schulpflegerin Ursula Hassel. Nun liegt die Bewilligung für das 10'000 Franken teure Baumhaus vor – heute ist der erste Bautag.

Am Anfang stand die Beteiligung der Schule Kölliken am Projekt «Kinder Mit Wirkung», organisiert vom Verein Infoklick. In diesem Rahmen durften Primarschülerinnen und -schüler aus Kölliken im September 2014 an einer Kinderkonferenz ihre Ideen sprudeln lassen zum Thema: «Was will ich in Kölliken verändern.» Per Punkteverteilung entschieden sie dann, welche fünf Wünsche zu ernsthaften Projekten werden sollten. Die meisten Punkte erhielten damals ein Süssigkeitenladen, ein Skaterpark, ein Robinson-Spielplatz und eine Badi-Hüpfburg.

Einen Monat später waren die kleinen Herrschaften erneut gefordert. Im Rahmen des Kinder-Mitwirkungstags mussten sie Wege finden, ihre Ideen umzusetzen. Das ebenfalls in der engeren Wahl stehende Projekt «Kinder-Gefängnis» für unartige Schüler auf dem Schulhausplatz musste bei diesem Schritt wohl oder übel ausscheiden. Dass die Kinder selber erkennen, ob ihre Ideen realisierbar sind und ihnen nicht zu früh von Erwachsenen dreingeredet wird, gehört zum Lernprozess des Konzepts «Kinder Mit Wirkung».

Skizzen für das Baugesuch.

Skizzen für das Baugesuch.

Viel Einfallsreichtum bewiesen

Aus dem Robinson-Spielplatz entstand an diesem Tag das Baumhausprojekt. «Zusammen mit der Schulpflege und den Schülern und Eltern, die sich am Projekt beteiligten, wurden die Vorhaben weitergezogen», sagt Hassel. Dabei bewiesen Klein und Gross viel Einfallsreichtum. Zur Verwirklichung einer Badi-Hüpfburg etwa fehlten die Ressourcen, um die nötige Sicherheit zu garantieren. Damit wenigstens einen Tag im Sommer 2015 in der Badi gegumpt werden konnte, verkauften eine Gruppe Kinder einen Nachmittag lang Kuchen vor dem Coop.

Das achteckige Baumhaus, an dem seit heute genagelt wird, ist aber zur Beständigkeit gedacht. Dazu sammelten die kleinen Projektmanager Unterschriften von Klassenkameraden, Eltern und Nachbarn, um das so bestärkte Anliegen dem Gemeinderat zu übergeben. Forstwart-Vorarbeiter Tobias Bachmann, der auch Instruktor Fachbereich Spielplatz im Aargauischen Försterverband ist, und der Kölliker Architekt Willi Hochuli stiegen als Freiwillige ins Projekt ein.

Auf Sponsorensuche

Ebenfalls ins Zeug gelegt haben sich die Mamis und Papis. Sie mussten Sponsoren für die Finanzierung zusammenbekommen. So konnten etwa reformierte und katholische Kirche, der Gewerbeverein Kölliken-Uerkental, Pro Juventute und Möbel Pfister als Spender gewonnen werden. Der Werkstoffhändler Debrunner Acifer steuert sämtliche Schrauben bei. Zusätzlich stellen Kölliker Gewerbler ihre Lernenden zur Verfügung. «Die Lehrlinge werden dabei auch eigene Ideen zur Gestaltung einbringen», sagt Hassel. Hand anlegen werden auch die Oberstufenschüler im Rahmen ihres Werkunterrichts. Bereits am 25. November soll das neue Baumhaus feierlich eingeweiht werden. Der Apéro dafür wird – notabene – von den jungen Projektinitianten vorbereitet.