Schweizer Zander vom Bauernhof? Das hat im Aargau Seltenheitswert – wegen strenger Zonenvorschriften. Fisch gilt nicht als Nutztier und darf deshalb in der Landwirtschaftszone nicht gehalten werden. Zwar gibt es Zanderzucht-Anlagen auf Bauernhöfen schon in Erlinsbach, Dintikon, Klingnau und im Fricktal. Sie alle liegen aber in der Bauzone.

Google Maps: Fischzucht in Muhen

Nun hat Landwirt Alexander Räss aus Muhen ein Baugesuch eingereicht: Er möchte seine Geflügelaufzuchthalle in eine moderne Aquakultur umnutzen. Das Spezielle daran: Die Halle steht in der Landwirtschaftszone.

Novum im Kanton

Eine Bewilligung zur Fischzucht in der Landwirtschaftszone wäre im Kanton ein Novum. Deshalb möchte Alexander Räss während der Auflagefrist (bis zum 12. Juni) zum Baugesuch keine Stellung nehmen. Dafür sagt der Müheler Bauverwalter Andreas Schmucki: «Vonseiten der Gemeinde finden wir das eine sinnvolle Umnutzung. Wir unterstützen das Projekt grundsätzlich.» Die definitive Beurteilung sei aber Sache der kantonalen Fachstellen, nämlich der Abteilungen für Landwirtschaft und für Baubewilligungen.

Vorbild für Bauer Räss: Auf dem Berghof in Dintikon werden Zander gezüchtet – allerdings in der Bauzone. SaS/Archiv

Vorbild für Bauer Räss: Auf dem Berghof in Dintikon werden Zander gezüchtet – allerdings in der Bauzone. SaS/Archiv

Goldgräberstimmung bei Bauern

Der Markt für Schweizer Zuchtfisch ist theoretisch gross. Herr und Frau Schweizer essen immer mehr Fisch, doch über 95 Prozent werden aus dem Ausland importiert – aus teilweise zweifelhaften Zuchtbedingungen. Die Überfischung der Weltmeere ist ein globales Problem. Darauf sind die Schweizer Konsumenten sensibilisiert: Einheimischer Zuchtfisch aus nachhaltiger Produktion ist gefragt – und entsprechend teuer: Premium-Zander vom Schweizer Bauerhof kostet etwa 25 Franken pro Kilogramm (unverarbeitet). Im Laden erzielt das Kilogramm Zanderfilet gar einen Preis von 75 bis 80 Franken (Quelle: Gourmetfisch Schötz LU). Die Preise hätten zu einer wahren Goldgräberstimmung unter den Bauern geführt, sagt ein Verwaltungsrat eines grossen Schweizer Fischhändlers.

Alexander Räss verdiente früher sein Geld mit der Schweinemast. Doch die Preise für Schweinefleisch sind so tief gesunken, dass die Situation für ihn existenzbedrohlich wurde. Vor anderthalb Jahren sagte er gegenüber der az: «Um zu überleben, müssen wir in unserem Betrieb weitere Standbeine schaffen.» Das will Räss nun mit der Zanderzucht in die Tat umsetzen.

In der Geflügelaufzuchthalle auf 360 Quadratmetern plant er zwölf Becken mit 63 000 Liter Wasser. Darin sollen zehn Gramm schwere Setzlinge während zehn bis zwölf Monaten auf über ein Kilo gemästet werden. Räss plant, einen Teil seiner Zander direkt auf dem Hof zu verarbeiten und zu filetieren – womit er bessere Abnahmepreise als 25 Fr./kg erzielen kann.

Jährlich 6000 Fische

Laut Betriebskonzept will Räss rund 6000 Fische jährlich züchten. Ein wichtiges Element ist der Futterautomat. Abgestimmt auf den Entwicklungsstand der Fische gibt er ständig Futter in die Becken. Der Zander ist ein idealer Zuchtfisch, weil er für eine Gewichtszunahme von einem Kilogramm nur etwa 1,1 Kilo Futter braucht.

Das Indoor-Kreislaufsystem sorgt für gute hygienische Verhältnisse. Alle zwölf Becken haben einen Frischwasserzufluss und einen Abwasserabfluss. Ein Trommelfilter reinigt das Abwasser mechanisch von den Ausscheidungen der Fische. Zudem wird das Wasser durch eine UV-C-Anlage geschleust, wobei es durch Bestrahlung desinfiziert wird. Zum Schluss wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert, bevor es zurück in die Becken fliesst.