«Wir haben von Anfang an gewusst, dass es eine Riesenkiste wird», sagt Meinrad Dörig (57), Stellenleiter der Regionalen Jugendarbeit Aargau Süd. Und er übertreibt nicht: Etwas wie das Freizeithaus «Onderwerch» hat es im Oberen Wynental noch nie gegeben. An der Unterwerkstrasse 15 im Reinacher Moos, direkt neben dem Fussballplatz, steht das gelbe Juwel – ein Ort, wo sich die Jungen nicht nur treffen, sondern auch selbst verwirklichen können.

Das meiste machten Lehrlinge

Das fing schon während der Bauzeit an. Von den über 100 Freiwilligen, die sich seit 2016 an den unterschiedlichsten Arbeiten beteiligt haben, waren drei Viertel Jugendliche. Nicht alles ging ohne Profis, aber auch da wurden Junge berücksichtigt: «Wir haben gezielt mit Firmen zusammengearbeitet, die Lehrlinge schicken konnten», erklärt Dörig, der als gelernter Schreiner und Zeichner selbst einen handwerklichen Hintergrund hat. In den Bereichen Elektrizität, Heizung und Sanitär kamen fast ausschliesslich Stifte zum Einsatz. Einen besonderen Moment erlebte Dörig, als ein junger Stromer zu ihm kam: «Er meinte, er habe hier so viel gelernt, dass er jetzt selbst einen Schopf aufstellen könnte.» Auch der Bauführer war noch in der Lehre: Marc Hunziker (23) hat den Maurer-Abschluss seit diesem Sommer im Sack.

Viertelmillion Franken gespart

Die Liegenschaft Unterwerk (ehemaliges AEW-Gebäude) gehört der Gemeinde Reinach. Als Eigentürmerin trägt sie den Grossteil der Ausbaukosten. Im Sommer 2017 genehmigte die Reinacher Gmeind einen Verpflichtungskredit über 700'000 Franken, hinzu kommt ein Nachtrag von 150'000 Franken. Auch der Kanton und der Swisslos-Fonds steuern einen noch nicht bekannten Betrag bei. «Ohne die Freiwilligenarbeit wäre es fast eine Viertelmillion Franken teurer geworden», hält Dörig fest. Seit April 2016 hat die Regionale Jugendarbeit die Liegenschaft gemietet. Vorher war das ehemalige AEW-Gebäude vom Schlittschuhclub Reinach für den Flohmarkt gebraucht worden.

Street Dance und Selbstverteidigung

Obwohl die letzten Arbeiten noch im Gange sind, ist das «Onderwerch» schon längst bewohnt: Drei Band-Proberäume sind seit anderthalb Jahren fix vermietet – für 220 bis 400 Franken monatlich, je nach Grösse. Und auch die Regionale Jugendarbeit hat ihr Büro längst bezogen. «Wer will, kann immer spontan vorbeikommen», sagt Meinrad Dörig. Das Angebot richtet sich vor allem an die 16- bis 25-Jährigen. Und das «Onderwerch» hat einiges zu bieten: Zwei Projekträume, einen grossen Veranstaltungsraum, einen Tanz- und Bewegungsraum und eine Kellerbar. Die Räume werden für einzelne Tage vermietet – etwa für Geburtstagspartys oder Vereinstreffen. Was sonst noch angeboten wird: «In Zusammenarbeit mit After Sun Dürrenäsch wird es zum Beispiel Barkurse geben, ein sehr beliebtes Angebot», sagt Dörig. Im Bewegungsraum wird ein Street-Tänzer Trainings anbieten, zudem ist ein Selbstverteidigungskurs geplant.

Möglichst viel Selbstorganisation

Das Konzept im «Onderwerch» ist auf den ländlichen Raum zugeschnitten: «Wir wollen möglichst viel Selbstorganisation», so Dörig. «Dafür ist es hier viel einfacher und günstiger, einen eigenen Anlass durchzuführen, als etwa im KIFF oder im Flössi in Aarau.» Ein weiterer Vorteil: Das «Onderwerch» liegt fernab der Wohnquartiere – es wird sich also bestimmt niemand an Party-Lärm oder lauter Musik stören. Das Jugendhaus ist nicht nur Treffpunkt, sondern auch Kreativzentrum. Es soll die Identifikation mit der Region fördern und die Jungen im Tal halten. Als Teil von «Impuls Zusammenleben Aargau Süd» wird das «Onderwerch» von den Gemeinden Menziken, Reinach, Burg, Zetzwil, Gontenschwil, Leimbach, Birrwil, Oberkulm, Unterkulm und Teufenthal getragen.

Morgen Samstag wird das Jugendhaus von Regierungsrat Urs Hofmann offiziell eröffnet. Doch der Aargauer Innenminister wird nicht ein fixfertig eingerichtetes Gebäude antreffen: «Noch sind erst wenige Installationen da. Es hat also durchaus noch Potenzial zur Gestaltung und Weiterentwicklung», so Dörig.

Auch wenn das Projekt den Stellenleiter der Jugendarbeit «in der letzten Zeit mehr als voll beansprucht hat», zieht Dörig eine positive Zwischenbilanz. «Endlich haben wir einen fixen Ort, der in Zukunft nicht gefährdet ist», erklärt er. «Das macht mich am meisten glücklich.»