Schöftland

Bank plant Neubau in Kirchleerau

Das Service-Personal macht Kilometer. An die GV kommt man nicht nur wegen des Geschäftsergebnisses.

Das Service-Personal macht Kilometer. An die GV kommt man nicht nur wegen des Geschäftsergebnisses.

Über 600 Genossenschafter besuchten die Generalversammlung der Bank Leerau

«Es gibt noch Leute auf den Abend», meint ein 85-jähriger Genossenschafter aus Rupperswil, Heimwehschöftler, wie er sagt. In der Tat: Es müssen noch zwei zusätzliche Tische aktiviert werden. Robert Vogel, Verwaltungsratspräsident, nimmts symbolisch: Zusammenrücken und etwas bewirken, könnte ein Motto sein für die Bank Leerau, die ihre 179. GV abhält.

Robert Vogel kritisiert in seiner Präsidialadresse die Regelungsdichte im Bankenwesen: Rechnungslegungsvorschriften, Offenlegungspflichten, Liquiditätsvorschriften, Geldwäschereibestimmungen, Vorbereitung des automatischen Informationsaustausches. «Wir sind eine Wohlfühlgesellschaft geworden, die mehr Therapeuten beschäftigt als Ingenieure. So berauben wir uns der Chance zu wachsen – und ich denke dabei vor allem an ein Wachstum neuer Ideen – denn Wachstum ist nur dort möglich, wo Freiheiten genutzt und neue Freiräume erschlossen werden», so Vogel. Als Kronzeugen zitiert er den Philosophen Ludwig Hasler: «Zu viel Sicherheit macht invalid. Freiheit ohne Risiko macht idiotisch.»

Eine Renovation käme zu teuer

Die Bank Leerau will– nach dem Bau des Leerau-Parks 2010 in Schöftland – nun auch am Hauptsitz in Kirchleerau eine neue Bank aufstellen. Eine Renovation des bestehenden Gebäudes käme zu teuer, sagte Vogel. Es muss weichen. 2018 soll die neue Bank bezugsbereit sein. Auf die Parzelle kommen gemäss Planung zwei kubische Einheiten zu stehen. Richtung Surentalstrasse sind die Bank im Erdgeschoss, eine Ärztegemeinschaft im ersten Stock sowie auf den obersten beiden Geschossen zusammen acht Wohnungen vorgesehen. Das zweite Gebäude, Richtung Dorf geplant, umfasst auf drei Stockwerken zwölf weitere Wohnungen.

Ruedi Müller aus Moosleerau ist für die einzige Wortmeldung verantwortlich: «Steigt die Bank jetzt in den Immobiliensektor ein?» Vogel weist darauf hin, dass es Sinn mache, Eigenkapital anzulegen. Zudem setze man ein starkes Zeichen zum Standort Kirchleerau, was auch der Gemeinde von Nutzen sei, vor allem, wenn es gelinge, Ärzte ins Dorf zu ziehen.

Die Wahlen werfen keine Wellen. Der Verwaltungsratspräsident wird für eine vierte Amtszeit gewählt. Pascal Segginger ersetzt den zurücktretenden Thomas Kyburz im Verwaltungsrat. Die Genossenschafter nehmen Kenntnis vom Geschäftsjahr 2015: Die Bilanzsumme stieg um 2,8 Prozent auf 612 Millionen Franken. Um Knapp 5 Prozent stieg der Netto-Ertrag aus dem Zinsengeschäft, das 78 Prozent des Gesamtertrags ausmacht. Nach Abzug der Steuern von gut 700000 Franken realisierte die Bank einen Gewinn von 1,49 Millionen Franken. Die Dividende beträgt wie im Vorjahr 17 Prozent.

Plaudern und geniessen

Die Bank lässt sich auch an der GV nicht lumpen. Auf jedem Platz steht der Sonntagszopf, und nach einem Mischsalat mundet das Menu: Kalbs- und Schweinsbraten, Kartoffelstock, Gemüse, zum Dessert Rahmkirschtorte, Kaffee und Likör. «Die Frauen machen Kilometer», sagt der Heimwehschöftler aus Rupperswil angesichts der emsigen Service-Brigaden. Und an den Tischen wird diskutiert über Gott und die Welt. Ein lokaler Verschwörungstheoretiker glaubt, die amerikanischen Freimaurer hätten es darauf angelegt, dass es zu einem Weltkrieg kommt. Derweil bedauert der Heimwehschöftler das Ausbleiben eines Nachschlags bei der Kirschtorte.

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