Einem doppelt ungewöhnlichen Ereignis konnte die Bevölkerung von Schmiedrued am Samstag beiwohnen. Zum einen: Ein neues Wasserreservoir wird nicht oft eingeweiht. «Es handelt sich um ein Jahrhundertwerk», erklärte Gemeindeammann Marliese Loosli an der Einweihungsfeier. Ein solches Bauwerk hält in der Regel 80 bis 100 Jahre. Doch was noch aussergewöhnlicher ist: Die Gemeinde musste dafür ihr Budget nicht belasten. Die Sebastian Müller AG, Rickenbach, hat das Reservoir auf ihre Kosten erstellen lassen und es der Gemeinde Schmiedrued-Walde geschenkt. Eine Tafel beim Eingang weist auf diese Geste hin.

Das alte Reservoir steht im Weg

Das ursprüngliche Wasserreservoir ist erst rund 40 Jahre alt, hätte also noch lange seinen Dienst tun können. Doch es steht in einer Kiesabbauzone auf Trienger Boden. Dort möchte die Rickenbacher Betonherstellerin Sebastian Müller AG den Abbau ausweiten – das Reservoir steht aber im Weg. «Es geht um die Rohstoffversorgung», sagte Erwin Müller, Bereichsleiter Kiesabbau bei der Sebastian Müller AG. «Betroffen ist nicht nur der direkte Untergrund, sondern ein weit grösseres, kegelförmiges Abbaugebiet rund um das Reservoir.» Für die Gemeinde Schmiedrued ein neues Reservoir zu bauen, war unter diesen Umständen eine durchaus lohnende Alternative. Über die Kosten will sich die Firma nicht äussern.

Bereits im Jahr 2010 kam die Sebastian Müller AG auf den Gemeinderat zu. Von mehreren möglichen Standorten bevorzugte die Gemeinde das Gebiet «Charre». «Die Zufahrt hier ist ideal, ebenso die Voraussetzungen für den Leitungsbau», begründete Gemeindeammann Marliese Loosli die Präferenz. «Auch mit dem Landbesitzer wurden wir schnell einig.» Doch das Bewilligungsverfahren lief anfangs nicht nach Wunsch. «Unser Traum von einem schnellen und reibungslosen Ablauf platzte», erzählte Loosli. Die Kantonsvertreter hielten den Standort für ungeeignet. Das Gebäude passe nicht in die Landschaft und verändere die Topografie. Doch bei einer Begehung vor Ort konnten alle Zweifel ausgeräumt werden. «Dies war auch auf das vehemente Auftreten des Gemeinderats zurückzuführen», erklärte Loosli in ihre Ansprache an der Einweihungsfeier. Im August 2013 lag die Bewilligung auf dem Tisch, der milde Winter begünstigte den raschen Fortschritt des Baus.

Auch an die Zukunft gedacht

Das alte Reservoir wurde nicht nur in gleicher Grösse ersetzt, das neue deckt mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 550 m auch den zukünftigen Bedarf der Gemeinde, der mit einem Wasserversorgungsplan errechnet wurde. 300 m sind für Löschwasser vorgesehen und werden nur in einem Brandfall freigegeben, 250 m können als Trink- und Brauchwasser verwendet werden und stehen täglich zur Verfügung. Zudem ist das neue Reservoir 15 Meter höher platziert als das alte.

Die Planung des Reservoirs führte die Firma Kost & Partner, Sursee, durch. Reto Zulauf gab Auskunft über das Bauwerk. «Die Wände der Wasserkammern bestehen aus rohem Beton. In Bezug auf Qualität und Dauerhaftigkeit ist dies das beste Material.» Das hörte natürlich auch Erwin Müller gerne, der zum gelungenen Geschenk meinte: «Wir haben auch guten Beton geliefert.»

Am Samstag konnten die Schmiedrueder das Reservoir besichtigten. Die Rohre, Hahnen und Räder glänzten noch jungfräulich. Eindrücklich waren die beiden beinahe fünf Meter hohen Wasserkammern, die betreten werden durften. Ein wahrhaft einmaliges Erlebnis. In den kahlen Räumen hallte es beinahe gespenstisch, die Vorstellung, dass sie bald voll Wasser sein werden, faszinierte. Jeder Raum fasst 275 m, die dicken Stahltüren müssen 0.5 bar Druck aushalten.

Die Kammern werden nun gereinigt, desinfiziert und mit Trinkwasser gefüllt. Ab nächster Woche erfolgt die Wasserversorgung von Schmiedrued vom Reservoir «Charre» aus.