Dass an der Grenzstrasse zwischen Burg und Menziken einst Kies abgebaut wurde, darauf weist nur noch der Name im Baugesuch hin: «Arealüberbauung Hamburggrube» heisst es da. Auf dem 9300 Quadratmeter grossen Land, das jetzt als Abstellplatz dient, sollen vier Wohnblöcke mit insgesamt 87 Wohnungen entstehen. Noch ist die Einwohnergemeinde Menziken die Grundeigentümerin. Das Areal ist grösstenteils seit 1865 in Gemeindebesitz.

Sobald aber die Baubewilligung vorliegt, wird der Boden für 3,3 Millionen an die Bauherrin Zima Projektentwicklung AG verkauft. Geld, das die Gemeinde Menziken angesichts der angeschlagenen Finanzen gut gebrauchen kann. Dem Verkauf hat die Gemeindeversammlung im Mai 2013 zugestimmt. Das Baugesuch liegt noch bis zum 20. November auf. Die Gebäude sind mit je fünf Geschossen, Attika und Flachdach geplant.

Zur Tiefgarage mit 107 Parkplätzen sollen die künftigen Bewohner via Grenzstrasse gelangen. Hinzu kommen 74 oberirdische und 229 unterirdische Veloparkplätze mit Steckdosen für E-Bikes. Herzstück der projektierten Überbauung ist ein grosser Spiel- und Begegnungsplatz mit Teichanlage in der Mitte der Siedlung. Die Wohnungen haben zwischen 2½ und 5½ Zimmer. «Wir planen 50 Prozent Miet- und 50 Prozent Eigentumswohnungen», sagt Phillipp Feurstein von der Zima Projektentwicklung AG.

An Naturschutzgebiet orientiert

Auf dem Areal der ehemaligen Kiesgrube befindet sich heute eine ausgeschiedene, geschützte Naturschutzzone mit einem Biotop. Diese Zone wurde abparzelliert und zählt nicht zur Arealfläche. Im Grenzbereich der Parzelle steht ausserdem eine geschützte Baumhecke. Die Abteilung Bau der Gemeinde bittet daher in ihrem Bericht die Naturschutzkommission, das Gesuch einzusehen und allenfalls Stellung dazu zu nehmen. Die Arealgestaltung hat wegen der Naturschutzzone einen besonders hohen Stellenwert: So werden im Zuge der Bauten auf dem ganzen Areal verteilt Föhrengruppen gepflanzt.

Für die Menziker, die dereinst auf dem Hamburg-Areal wohnen werden, ist ein Gemeinschaftsraum mit WC und kleiner Küche geplant. Das Projekt wurde von der Züst Gübeli Gambetti AG aus Zürich verfasst. Thomas Meier von den Marti Partner Architekten und Planer lobt in dem von ihm erstellten Fachbericht die architektonische Gestaltung der Überbauung. Durch die Proportionierung wirke sie «nicht wuchtig». Das Projekt erfülle die erhöhten Anforderungen für eine Arealüberbauung «vorbildhaft».

25,5 Millionen kostet der Neubau voraussichtlich. Laut Erläuterungsbericht verfügt die geplante Überbauung über Alleinstellungsqualität innerhalb des Dorfes und «soll ein Beispiel für zeitgemässen, attraktiven und zugleich erschwinglichen Lebens- und Naturraum sein.»
Wohnungsnotstand herrscht im Wynental zurzeit nicht. In Menziken stehen über 220 Wohnungen leer (Stand August). Die Leerwohnungsziffer beträgt 7,52 und ist die vierthöchste in der Region Aargau West.