Bajram Mulaj, 52, der Bauernsohn aus Kosovo, hat seit seiner Einwanderung in die Schweiz vor 27 Jahren schon vieles gemacht: Arbeit bei Bauern im Luzernischen, bei einem Baugeschäft, bei einem Sargschreiner, Anlageführer bei der Alu Menziken. Und am ersten Burger Dorffest kürzlich schenkte er seinen Integrationsschnaps aus, ein Gemisch aus kosovarischem Schnaps und regionalem Bienenhonig. Von seinen eigenen Völkern.

Seit drei Jahren ist Bajram Mulaj nämlich auch Imker. «Wir hatten einen Bienenschwarm im Kirschbaum. Was für ein Glück, dachte ich. Das packe ich!», erinnert er sich an den Anfang seiner Imkerei.

Ein albanischer Kollege aus Neuenkirch habe ihm geholfen, den Schwarm einzufangen. Der Anfang war gemacht. «Nein, Bienen hatten wir nicht im Kosovo», erzählt er. Die Eltern hatten nur einen kleinen Hof, aber acht Kinder, vier Knaben und vier Mädchen.

Neue Heimat

Zweimal sei er im Gefängnis gewesen in den letzten Jahren des kommunistischen Regimes: «Ich habe für die Demokratie demonstriert.» Damit waren auch die Chancen für ein gutes Leben in der Heimat dahin. Er habe zwar gehofft, dass die politisch-ökonomische Situation sich verändere, doch dann kam der Krieg.

Da habe er sich entschieden, hier in der Schweiz zu bleiben, wo bereits sein Onkel lebte: «Ich fühlte mich wohl hier, und jetzt fühle ich mich als Burger.» In den Ferien besucht er mit seiner Familie, Mulajs haben vier erwachsene Kinder, die alle hier aufgewachsen sind, die Schulen und eine Lehre absolviert haben und in der Region arbeiten, Bajrams Mutter im Kosovo.

15 Bienenvölker

Die Arbeit des Imkerns brachte ihm der ehemalige Präsident des Bienenzüchtervereins Wynental und Umgebung, Kurt Gautschi, näher. Er hat Bajram Mulaj, dem einzigen Nicht-Schweizer im Verein, auch zwei Völker geschenkt. «Nun habe ich 15 Völker», sagt er stolz. Und diese leben in einem umgebauten Wohnwagen – ein Geschenk eines Imkers, dem die Arbeit zu viel wurde – auf der Höhe oberhalb von Burg, just an der Grenze zum Kanton Luzern. Das Weissklee-Feld neben dem Wagen blüht: eine Einladung für die Bienen, interkantonal aktiv zu sein.

Ohne Sprachkenntnisse keine Integration. Bajram hat auf der Arbeit Mundart gelernt. «Chuchichäschtli, Chuchigänterli», lacht er. Dank der Kinder machte auch seine Frau Fortschritte in der Sprachkompetenz.

Bald Burger Bürger?

Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Bajram Mulaj in der Schweiz verbracht. Ist die Einbürgerung kein Thema? «Wir haben ein Gesuch eingereicht und sind schon geprüft worden: Sprachkenntnisse, Geschichte», sagt er und hat ein gutes Gefühl, dass es klappen wird.

Klar ist für ihn, dass er aktiv am politischen Geschehen teilnehmen möchte. Die Kulturkommission Burg jedenfalls hat bereits Interesse bekundet, ihn als Mitglied zu gewinnen.