Bahn
Befreiungsschlag für «Hegmatte»? Jetzt möchte Teufenthal das WSB-Depot zu sich holen

Die Verzögerungen für die Bahn-Neubauten in Schöftland dauern dem Gemeinderat Teufenthal schon zu lang. Er fordert, dass die Bahn das Injecta-Areal als Standort-Alternative zu Schöftland prüft.

Flurina Dünki
Merken
Drucken
Teilen
Das Injecta-Areal in Teufenthal liegt direkt neben dem Bahnhof Teufenthal.

Das Injecta-Areal in Teufenthal liegt direkt neben dem Bahnhof Teufenthal.

Michael Küng /
Aargauer Zeitung

Die neuen Depot- und Werkstattbauten der Aargau Verkehr AG (AVA, ehemals WSB) am Standort Schöftland sind erneut in der Schwebe. Jetzt tritt überraschend ein neuer Akteur auf die Bühne. Der Gemeinderat Teufental bringt das Injecta-Areal ins Spiel.

Am Montag schickte er der AVA einen Brief mit diesem Vorschlag, doch wohlwollend aufgenommen wurde dieser nicht. Jetzt versucht Teufenthal mit einem zweiten Brief, der an den AVA-Verwaltungsrat adressiert ist, durchzusetzen, dass die Bahn den Standort ernsthaft in Betracht zieht.

Das Areal der ehemaligen Injecta-Industriegebäude war einer der 23 Standorte, die von Experten vor Jahren geprüft worden sind. Am Ende wurde Schöftland ausgewählt. Das Injecta-Areal liegt direkt an der Bahnlinie und gehört heute der Fribouger Investorin Foncière Commerciale Teufenthale SA. Sie vermietet das eine Gebäude an den Weichenheizungs-Hersteller Backer, im zweiten sind kleine Betriebe und Lagerräume. Es gilt als vollvermietet.

«In ihrem Antwortschreiben sagte uns die AVA, dass das Areal nicht genügend lang für die Gleisanlage, sei», sagt der Teufentaler Ammann Niklaus Boss (parteilos) der AZ.

«Das ist nicht nachvollziehbar, da die alte Injecta-Fabrik 200 Meter lang ist. Die neuen WSB-Züge, für die man neue Bahnanlagen braucht, sind bekanntlich 120 Meter lang, es sollte also aufgehen.»

In Teufenthal war man damals nicht beleidigt, als Schöftland als Bauplatz ausgewählt wurde. «Geld bringt ein AVA-Standort unserer Gemeinde kaum ein, es ist also einerlei, ob die Neubauten hier sind oder in Schöftland», so Boss. Nach drei Jahren des Seilziehens zwischen Landschaftsschützern auf der einen und dem Schöftler Gemeinderat, der AVA und dem Kanton auf der anderen Seite, findet er es jedoch an der Zeit, dass andere Standorte als die «Hegmatte» in Betracht gezogen werden.

Als Depot-Standort umstritten: Das Gebiet Hegmatte in Schöftland.

Als Depot-Standort umstritten: Das Gebiet Hegmatte in Schöftland.

Flurina Dünki / Aargauer Zeitung

Bahn-Standort könnte in neue BNO fliessen

Der Zeitpunkt wäre günstig: Denn die Gemeinde ist gerade dabei, den Planungsbericht vorgängig zum Mitwirkungsverfahren für die neue BNO zu überarbeiten. In diesem Zug könnte im Injecta-Areal (jetzt in der Industriezone) eine Fläche für die AVA vorgesehen werden. Einen Teil des Areals will der Gemeinderat zur Wohn- und Arbeitszone machen. Einer nachträglichen Zonenänderung würde Boss keine guten Chancen einräumen.

Den Brief an die AVA-Leitung sandte der Gemeinderat Teufenthal ab, nachdem kürzlich bekannt wurde, dass der Entscheid zur Überbauung der «Hegmatte» um mindestens ein weiteres Jahr verzögert wird (AZ vom 29.01.). Darin schreibt er: «Nach unserer Auffassung ist es Zeit, dass sich die AVA auch mit einem ‹Plan B› auseinandersetzt, der weder wertvolles Kulturland zerstört noch eine grosse Opposition hervorruft.»

«Gedanken zu realisierbaren Standort machen»

Die AVA zeigte in ihrem Antwort-Mail aber kaum Begeisterung. Daraufhin bekam der AVA-Verwaltungsrat von Teufenthal Post. Darin machte der Gemeinderat seiner Empörung Luft: «Wir erwarten, dass sich die AVA intensiv und ernsthaft mit dieser aus unserer Sicht durchaus valablen Alternative zum Standort Schöftland auseinandersetzt». Und weiter: «Wir sind der Meinung, dass die AVA sich jetzt Gedanken zu einem realisierbaren statt einem optimalen Standort machen müsste und sich das Injecta-Areal als Alternative zur ‹Hegmatte› geradezu aufdrängt.»

Aus AVA-Sicht hat die «Hegmatte» Vorteile. Bahnbetrieblich liegt sie ideal, da die Züge nach der letzten Fahrt gleich an der Endstation bleiben könnten. Und: Während mehrerer Jahren würde nur der Depot-Neubau benötigt und die bestehende, buchhalterisch noch nicht abgeschriebene Werkstatt in Schöftland könnte weiter genutzt werden.