Worte als Abfallprodukt? Pfarrer Peter Müllers Provokation mit seiner Deutung eines Schopenhauer-Wortes wirkte wunderbar. Die Gäste seines 5. Pavillongesprächs, Sylvia Egli von Matt, Direktorin des MAZ, der Schweizer Journalistenschule in Luzern, und der Unterkulmer Autor Klaus Merz, liessen sich herausfordern. Zwei Menschen des Wortes also, vorab des geschriebenen. Sie stiegen ein auf das Thema des Abends: «Worte sind nicht Schall und Rauch.»

«Worte ermöglichen, klare Gedanken zu formulieren», sagte Egli von Matt. Und Klaus Merz gibt ihr Recht: «Das Benamsen ist etwas Wichtiges. Worte sind unterwegs auf andere zu.» Nein, Abfall seien Worte nicht, weder im Journalismus noch in der Literatur. Unterschiedlich ist jedoch das Tempo, mit dem Worte zu Texten werden. «Unter Druck kann Schreiben zum schreibenden Reden werden», meint Journalistin Egli von Matt. Klaus Merz hingegen hat Zeit, Texte «gut abhangen» zu lassen.

Das Schreiben habe ihm, der sich in der Welt fremd vorgekommen sei, geholfen, «mir die Welt mit Formulieren anzueignen und sie mir freundlich zu machen», sagte Klaus Merz. Sein Ziel war schon früh, fürs (nicht vom) Schreiben leben zu können. Sylvia Egli von Matt hat von ihrer politisierenden Mutter gelernt: «Argumente können verändern.» Sprache als Mittel zum Zweck also.

Klaus Merz sieht die Demokratie in Gefahr durch die Sprache des Geldes, wenn Milliardäre alles kaufen könnten und damit Wahlkampf betrieben. Die Personalisierung sei mit Grund für den Zulauf, den die Vereinfacher haben. «Da müsste die Analyse der Medien ansetzen», meinte er. «Eine Zeitung, die nur Analysen bringt, überlebt nicht», konterte Egli von Matt und wies darauf hin, dass «nicht Hintergrund und Analyse Aufmerksamkeit erwecken».

Wachsendes Ungleichgewicht

«Journalisten könnten nur Angebote machen, aufklären, um mündige Entscheidungen zu ermöglichen», sagte die Journalistin. Merz sähe die Medien gerne als vierte Gewalt, welche die drei Staatsgewalten ausleuchtet und nicht deren und der Lobbyisten Sprachrohr ist. Die Realität sehe, so Egli von Matt, anders aus: «Während die Medien personell ausgedünnt werden, gibt es im PR-Bereich mehr Stellen: ein wachsendes Ungleichgewicht, das gefährlich ist.»

Klaus Merz bedauert den Gebrauch von Schlagworten («Wirtschaftskrieg»): «Hier ist das Wort nicht mehr auf Dialog ausgerichtet.» Und die Rolle des Schriftstellers? Moralische Instanz? Er stehe eher auf der Seite des Wildes als auf derjenigen des Jägers: «Literaten sollen ihre Narrenfreiheit bewahren.»

«Was ist Ihnen heilig?» Das ist des Pfarrers traditionelle Schlussfrage. «Fairness, alle Seiten mit ihren stärksten Argumenten zeigen», sagt Sylvia Egli von Matt. Klaus Merz siehts ähnlich: «Redlichkeit; Sprache soll in guten Treuen auf ein Gegenüber bezogen sein.»