Oberwynental

Auszonungen: Vier Gemeinden wollen Flächen selber bestimmen

In Burg ist diese Fläche von der Auszonung betroffen.

In Burg ist diese Fläche von der Auszonung betroffen.

Die vier Oberwynentaler Gemeinden stemmen sich nicht grundsätzlich gegen die geplanten Auszonungen des Kantons. Sie wollen aber die Flächen selber bestimmen. Zudem kritisieren sie das Timing des Kantons: Bürger haben es aus der Zeitung erfahren.

Die Annahme des revidierten Raumplanungsgesetzes im März 2013 und dessen Umsetzung zeigt jetzt ganz konkrete Folgen. Raumplanung ist Sache des Bundes, des Kantons, der Gemeinde, trifft aber letztlich auch einzelne Bürger.

Dann nämlich, wenn der vom Kanton rote Kreis zum Auszonen von Bauland genau auf dem eigenen Besitz liegt. Plötzlich soll Bauland wieder in Landwirtschaftsland zurückgezont werden. Auch wenn es der Besitzer jahrelang gehütet, vielleicht gehortet oder einfach gepflegt hat – und notabene als Bauland versteuert hat.

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) des Kantons hat im Auftrag des Grossen Rates eine Gesamtlösung für das Siedlungsgebiet erarbeitet. Jetzt liegen die Vorschläge bei den Regionalplanungsverbänden und auf den Gemeinden zur Vernehmlassung und Mitwirkung bis zum 20. September auf.

Unterschiedliche Reaktionen

Die Reaktionen der vier Gemeinden, welche im Oberwynental Bauland auszonen sollen, sind unterschiedlich. «Wir wussten zwar, dass etwas kommt», sagt der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz, «wo genau, das haben wir am Tag, bevor es in der Zeitung stand, erfahren.» Ähnlich tönt es aus Gontenschwil. Gemeindeammann Renate Gautschy sagt: «Unsere Bürger haben es aus der Zeitung erfahren.»

Jürg Rubin, Vorstandsmitglied des Gemeindeverbandes aargauSüd impuls, erklärt gegenüber der az, es habe im Voraus eine vertrauliche Behördenvernehmlassung auf Repla-Stufe gegeben, «aber dann gelangte der Kanton direkt an die Presse.» Die Gemeinden hätten keine Vorlaufzeit mehr gehabt, die Grundeigentümer zu informieren. «Das war ein schlechtes Timing», sagt Rubin, selber Gemeinderat in Menziken.

Die auszuzonenden Flächen sind für die vier Gemeinden unterschiedlich gross. Ebenso unterschiedlich sind die Reaktionen. «Weshalb soll ausgerechnet Burg, die kleinste Gemeinde, den Löwenanteil erbringen?», ärgert sich Marcel Schuller, der Gemeindeammann von Burg. «Die bezeichneten 2,8 Hektaren sind für uns das Entwicklungsgebiet für Wohnen.» Seit zwei Jahren sei die Gemeinde mit den Eigentümern dieser Fläche im Gespräch und es sei bereits viel Geld in Vorprojekte investiert worden.

«Wir haben unsere Ideen vor einem halben Jahr dem Kanton vorgestellt.» Daher werde Burg sich gegen diesen Vorschlag wehren. Der Gemeinderat habe bereits mit anderen möglichen Grundeigentümern Kontakt gehabt, um eine mögliche Auszonung zu diskutieren, sagt Marcel Schuller.

Die Landreserve des Spitals

Menziken müsste gemäss Vorschlag 3,6 Hektaren auszonen. Einerseits ist es eine unerschlossene Fläche beim Beetschihof. Dies sei möglich, sagt Rubin, Menziken habe genügend Kapazitäten zum Wachsen. Andrerseits sind die 1,8 Hektaren nördlich des Spitals jedoch für Rubin nicht verhandelbar.

«Das ist ein Legat fürs Regionalspital und darf nur zweckgebunden überbaut werden.» Rubin meint, man könne dem grössten Arbeitgeber in der Gemeinde wohl nicht die einzige Landreserve auszonen. «Dieses Gebiet gehört in die Zone für öffentliche Bauten.» Rubin erinnert daran, dass auch Umzonungen auf regionaler Ebene möglich seien. «Wenn man sich einig wird, könnten auch zwei Gemeinden im Austausch handeln.»

Für den Reinacher Ammann ist die Auszonung von 1,8 ha zu verschmerzen. Er erinnert an 1991, «damals mussten wir 150 Hektaren auszonen.» Reinach verlange vom Kanton nur eines: «Wir wollen selber bestimmen, welche Flächen wir zurückzonen, da soll uns der Kanton nicht dreinreden.»

Renate Gautschy, Gontenschwil, sagt: «Wir verschliessen uns nicht gegen eine Auszonung, wir prüfen, was möglich ist.» Ihre Gemeinde habe Bauland, vor allem Lücken, die sich für verdichtetes Bauen eigneten. Gepusht habe man das Bauen in den letzten Jahren nicht. Auf die Einzonung zur Vergrösserung im Industriegebiet Mättenfeld angesprochen, sagt Gautschy, das seien zwei unterschiedliche Verfahren. «Man kann das Mättenfeld nicht mit dem Raumplanungsgesetz vermischen. Damals war in der Grossratsdebatte zur Richtplanänderung eine Kompensation für die einzuzonende Fläche verlangt worden.

Eines ist allen Gemeinden gemeinsam, sie wollen die geforderten Flächen selber bestimmen und sich nicht vom Kanton in den Gemeindebann hineinreden lassen. Und Renate Gautschy stellt noch «die ketzerische Frage» zum Thema, wie sie sagt: «Wer zahlt den betroffenen Eigentümern Entschädigungen für den Wertverlust? Sind es der Kanton oder am Schluss gar die Gemeinden?»

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