Bezirksgericht Kulm
Aussage gegen Aussage: Fälschte die Krankenkasse-Beraterin Unterschriften?

Ein Mann beharrt vor Bezirksgericht auf seiner Aussage, dass seine Versicherungsberaterin Unterschriften gefälscht hat. Diese wiederum wies alle Schuld von sich. Es stand Aussage gegen Aussage.

Rahel Plüss
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Eine Versicherungsberaterin soll auf Dokumenten eines Mannes Unterschriften gefälscht haben, um Provision zu ergattern. (Symbolbild)

Eine Versicherungsberaterin soll auf Dokumenten eines Mannes Unterschriften gefälscht haben, um Provision zu ergattern. (Symbolbild)

Keystone

Ohne sein Wissen, so Peter F., habe Frau M. (alle Namen geändert) die bestehende Krankenkasse seiner vierköpfigen Familie gekündigt und vier neue Versicherungsanträge bei einer anderen Kasse eingereicht. Die Frau habe auf allen Dokumenten seine Unterschrift gefälscht, um so Provision zu erwirken. Diese Aussage machte Peter F. auf dem Polizeiposten Reinach und erstattete Anzeige. Das war vor gut zwei Jahren.

Frau M. indes wies alle Schuld von sich. Eine Handschriftenuntersuchung stütze die Version der Versicherungsberaterin: Peter F. hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit alle Dokumente unterschrieben.

Damit stand für die Staatsanwaltschaft fest, Peter F. hatte wider besseren Wissens eine Nichtschuldige bei der Behörde eines Verbrechens beschuldigt, in der Absicht, eine Strafverfolgung herbeizuführen. Gegen Peter F. wurde ein Strafbefehl erlassen. Er wurde zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 90 Franken bedingt und einer Busse von 1500 Franken verurteilt.

Ohne mit der Wimper zu zucken oder das geringste Anzeichen von Unsicherheit wiederholte Peter F. diese Woche seine Aussage von damals vor dem Bezirksgericht Kulm. Er war zur Verhandlung gekommen, weil er gegen seinen Strafbefehl Einsprache erhoben hatte.

Nein, er habe nichts unterschrieben. Das beteuerte er immer wieder. Auch sei es ihm nicht darum gegangen, gegen Frau M. eine Strafverfolgung zu bewirken. Er habe sie ja gar nicht vorher gekannt.

Vielmehr habe man ihm bei der neuen Versicherung zu diesem Vorgehen geraten, als er mit den unterzeichneten Verträgen nichts anzufangen gewusst habe und Frau M. nicht mehr auffindbar gewesen sei.

Der Frau wurde offenbar gekündigt, wie der Verteidiger später in seinem Plädoyer einbrachte, doch trug diese Information nichts zu einer veränderten Sicht des Gerichts auf den Sachverhalt bei. «Es steht Aussage gegen Aussage», sagte der Richter und verlas eine Liste von Indizien, die für oder gegen die Glaubhaftigkeit der beiden Parteien sprechen.

Frau. M. habe konstante, folgerichtige und detaillierte Aussagen gemacht, derweil wirkten die Aussagen des Beschuldigten stereotyp. Es lasse sich aber nicht feststellen, dass sie klar unwahr wären, so der Richter. Es gelte der Grundsatz der Unschuldsvermutung. Es gebe keine erheblichen Zweifel, dass sich die Sachlage so ereignet habe, wie der Staatsanwalt sie beurteilt habe. Deshalb blieb der Richter dabei: Schuldspruch gemäss Anklage.