Wiliberg
Aus Rost wird Luxus: Familie verwandelt alten Frachter in schwimmendes Hotel

Familie Andres hat sich einen Traum erfüllt und aus einem rostigen Frachter ein Luxusschiff gebaut. Bis es so weit war, schuftete die Familie über drei Jahre lang. Mehrmals drohte das Projekt zu scheitern. Doch Ute, Rudolf und Philipp gaben nicht auf

Raphael Nadler
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Der alte Kahn wurde in zwei Teile geschnitten und auf einer Werft in Griechenland erneuert und um sechs Meter verlängert
14 Bilder
Hier ist noch wenig von einem Luxusschiff zu sehen
Tonnenschwere Stahlplatten werden an die Spanten geschweisst
Tonnenschwere Stahlplatten werden an die Spanten geschweisst
Hier ist noch wenig von einem Luxusschiff zu sehen
Ute und Rudolf Andres haben sich einen Traum verwirklicht
Sohn Philipp Andres leitete die Umbauarbeiten vor Ort in Griechenland
Die «Summerset» sticht in See
Auf dem schwimmenden Hotel wird auch kulinarisch viel geboten
Das Innere der «Summerset» ist mit viel Liebe zum Detail gebaut worden
Das Innere der «Summerset» ist mit viel Liebe zum Detail gebaut worden
Die «Summerset» auf der Fahrt durch den Kanal von Korinth
Die «Summerset» an Land.
Familie Andres aus Wiliberg baut rostigen Frachter in Luxusschiff um

Der alte Kahn wurde in zwei Teile geschnitten und auf einer Werft in Griechenland erneuert und um sechs Meter verlängert

Zur Verfügung gestellt

«Ich wollte kein Schiff und schon gar keines, das umgebaut werden muss», sagt Ute Andres aus Wiliberg. Mit ihrem Mann Rudolf und Sohn Philipp kaufte sie vor rund zehn Jahren in der Türkei trotzdem ein altes, 20 Meter langes Stahlschiff.

Mit diesem fuhren sie in den Ferien regelmässig der türkischen Küste entlang. Vor vier Jahren überführten sie es nach Kilada (Griechenland), um es nach ihren Vorstellungen umzubauen.

«Das Ziel war ein segelndes Fünfsternhotel, komfortabel und luxuriös», sagt Rudolf Andres. Dies sollte ein nicht ganz einfaches Unterfangen werden.

Weil die Familie das Schiff um sechs Meter verlängern wollte, gab es anfänglich viele Schweissarbeiten zu erledigen. Diese wurden alle von Sohn Philipp (29) erledigt, der seinen Arbeits- und Wohnsitz nach Griechenland verlegt hatte.

Der ehemalige Rennfahrer des VC Pfaffnau-Roggliswil schweisste fast Tag und Nacht. «Als das Schiff nach wochenlanger Arbeit in zwei Teile getrennt war, tauchte plötzlich die griechische Polizei auf und verbot uns, weiter zu schweissen», blickt Rudolf Andres zurück.

Das Projekt drohte zu scheitern. Durch Zufall fand das Trio eine Halle nahe des bisherigen Schiffsstandortes. Hallenbesitzer Vasili transportierte mit einem Spezialkran das getrennte Schiff an den neuen Platz und empfahl sich für die weiteren Stahlbauarbeiten. «Vasili arbeitete wie ein Schweizer, ist aber Grieche», lobt Rudolf Andres den Mann mit grosser Erfahrung rund um den Bootsbau.

Oft an Grenzen gestossen

Aus ganz Europa trug die Familie nun Baustoffe und Materialien für den Bootsumbau zusammen. Sohn Philipp baute zusammen, was Vater und Mutter zu Hause und vor Ort geplant, vermessen und bestellt hatten.

«Wir sind oft an unsere Grenzen gekommen», sagt Ute Andres. «Aufgeben war aber nie eine Option», schiebt Rudolf Andres nach, «dieses Wort existiert in unserem Wortschatz nicht.»

Das Projekt drohte einige Male zu scheitern, auch nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Einmal mehr half ein grosses Netzwerk, das Projekt war gerettet.

In der Zwischenzeit schuftete Philipp in Griechenland weiter und wurde immer mehr zum multifunktionalen Handwerker. Das Schiff nahm Form an, «auch wenn wir das Ganze zeitlich etwas unterschätzt hatten», gibt Rudolf Andres offen zu.

«Es ist nicht so einfach, wenn sich während dreieinhalb Jahren alles nur um das Thema Schiff dreht», gibt Ute Andres zu bedenken.

Sie selbst war für das Interieur des Schiffs verantwortlich. So hat sie rund zwei Tonnen Spachtelmasse verarbeitet, wochenlang Leder für die Wandverkleidungen verarbeitet, Vorhänge genäht und sich mit den verschiedensten Handwerkern herumgeschlagen. «Das Innenleben des Schiffs ist mein grosser Stolz», sagt sie berechtigt.

Made in Wiliberg

Rudolf und Philipp Andres sind Elektromonteure und haben sich in vielen Bereichen weitergebildet. Teile der «Summerset» haben sie gar in Wiliberg produziert. So entstanden in der Werkstatt von Landwirt Hans König Türen, Fenster, Relingstützen und vieles mehr, was aus Chromstahl geschaffen wurde.

Als etwas vom Verrücktesten bezeichnet Rudolf Andres den Bau der beiden 24 Meter hohen Masten. Diese bestehen aus über 1000 Einzelteilen und umfassen über 500 Meter Chromstahlseile.

«Die gesamte Planung lief mit Philipp über Skype und wir alle sind begeistert, dass unsere Berechnungen so gestimmt haben, dass wir kein einziges Teil abändern mussten», sagt der Schiffsbesitzer.

Seit Mai dieses Jahres ist die «Summerset» nun fertig, sie ist seitdem schon über 3500 Seemeilen gefahren und hat die Jungfernfahrt und den ersten «richtigen» Sturm problemlos überstanden.

Auf die Frage nach den Kosten des 120 Tonnen schweren, 32 Meter langen und mit ein einem 375-PS-Motor und 350 m2 Segelfläche ausgestatteten Luxusschiffs meint Rudolf Andres trocken: «Es hat nur etwa einen Viertel gekostet, weil wir so viel selber gemacht haben ...»

Seine Frau Ute empfand den Umbau des Schiffs zehnmal schlimmer als einen Hausbau. «Doch ich würde es wieder tun, denn es ist etwas ganz Tolles entstanden.»