Kölliken

Aus Platzmangel: Diese Schüler werden im Gang unterrichtet – das ist nicht ungefährlich

Karin Winistörfer-Haas, Stufenleiterin Kindergarten und Primarschule, in einem Gang, der auch als Schulzimmer dient.

Karin Winistörfer-Haas, Stufenleiterin Kindergarten und Primarschule, in einem Gang, der auch als Schulzimmer dient.

Im letzten Herbst wurde das Schulhaus am Farbweg eröffnet, die Lehrpersonen freuen sich über das neue Schulhaus. Lediglich das Platzproblem trübt diese, denn davon hat es nicht genug.

«Offene Arbeitsformen brauchen mehr Raum!», «im Winter selten 20 Grad», «Durchgangsverkehr im Gang stört die Konzentration», «Die Arbeitsplätze im Gang sind sehr dunkel». Das sind Zitate von Kölliker Schülerinnen und Schüler, die ihre Situation in der Schule beschreiben. Und der Gang ist nicht mehr nur der Gang, wo die Garderobenbänkli stehen und die Jacken aufgehängt werden, sondern er ist auch der Ort, wo Tische und Stühle stehen und gelernt wird.

Manchmal führt die Lehrerin mündliche Tests in den Gängen durch, manchmal braucht die Heilpädagogin einen Tisch im Gang, weil alle anderen Räume belegt sind, manchmal findet der Deutschzusatz im Gang statt, erzählt Karin Winistörfer-Haas. Sie ist Stufenleiterin Kindergarten und Primarschule an der Schule Kölliken.

«Der Unterricht hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert», sagt sie. So hätte früher ein Klassenzimmer für eine Klasse gereicht. Heute gäbe es viel mehr Angebote, die zusätzlichen Raum nötig machten. «Zudem ist der Unterricht viel individueller geworden, die Kinder werden individuell gefördert. Dadurch ist es nicht mehr möglich, alles in einem Zimmer durchzuführen», sagt sie. Deshalb werden die Gänge immer mehr auch zum Schulzimmer.

«Doch die Gänge sind nicht als Schulzimmer konzipiert worden», sagt Winistörfer. Denn im Winter ist es kalt und bisweilen durch die nassen Schuhe und Kleider an den Garderoben auch feucht, die Gänge haben keinen Schallschutz, ruhig ist es selten. «Die Schüler sind dadurch nicht konzentriert und die Arbeit im Gang wird für sie sehr anspruchsvoll», so Winistörfer. Mittlerweile wurden im Unterstufenschulhaus bereits die Pausenglocken abgestellt, damit die Schüler, welche eine Doppellektion haben, nicht gestört werden.
Und weil die Gänge vermehrt auch als Schulzimmer gebraucht werden, müssen in den kommenden Sommerferien in allen Gängen Brandschutztüren eingebaut werden

Neues Schulhaus entlastet, aber...

Für Karin Winistörfer ist klar, dass es an der Schule Kölliken mehr Raum braucht. Zwar wurde im letzten Herbst das neue Schulhaus am Farbweg mit Räumen für Textiles Werken, Hauswirtschaft und für die Verwaltung eingeweiht. Die zwei Mittelstufenklassen, welche bis anhin im Gemeindehaus unterrichtet wurden, konnten in das Mittelstufenschulhaus zügeln. «Das ist seit 20 Jahren das erste Mal, dass alle sechs Mittelstufenklassen unter einem Dach unterrichtet werden können. Für die Zusammenarbeit ist das sehr wichtig», sagt Karin Winistörfer.

Im Unterstufenschulhaus werden zudem die ehemaligen Hauswirtschaft-Räume zu Gruppen- und Unterrichtsräumen umgebaut. «Das neue Schulhaus entlastet uns sehr und wir haben grossen Freude daran», sagt sie. Doch das Platzproblem bleibe bestehen. «Alles, was wir nicht in den Klassenzimmern unterrichten können, findet in den Gängen statt», sagt sie.

Arbeitsgruppe für Projektplanung

Auch Petra Bitterli, Schulpflege-Präsidentin, ist sich des Platzproblems bewusst. «Am prekärsten ist die Situation im Unterstufenschulhaus. Seit Jahren setzt sich die Schulführung schon mit verschiedenen Lösungsvarianten auseinander. Dabei wird seit 2013 ein Anbau am Primarschulhaus favorisiert», sagt Bitterli. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.

Mittlerweile sei nun eine Schulraumentwicklungsplanung von der Firma Kohli & Partner Kommunalplan AG gemacht worden. «Dies war ein nötiger Schritt, um eine neutrale Grundlage für die Erstellung von neuem Schulraum zu schaffen», sagt sie. Eine neue Arbeitsgruppe sei nun gebildet worden, um mit der Projektplanung zu starten. «Der Gemeinderat schliesst weder eine Möglichkeit aus, noch hat er sich schon auf etwas festgelegt», sagt Vizeammann Steven Schneider, der für die Bildung zuständig ist. Das neue Schulhaus am Farbweg sieht Schneider keinesfalls als Tropfen auf den heissen Stein: «Sowohl im Unterstufen- wie auch im Mittelstufenschulhaus konnte die Raumnutzung optimiert werden.»

«Es ist für alle Beteiligten nun dringend nötig, dass sie wissen, wie es weitergeht», sagt Petra Bitterli. Dieser Aussage schliesst sich auch Schulleiter Urs Franzelli an. «Doch das neue Schulhaus war ein erster wichtiger Schritt, um unsere Platzprobleme zu beheben.» Er ist zuversichtlich, dass der nächste Schritt in naher Zukunft folgen wird.

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