Franz Kofler hat sich Grosses vorgenommen: Innerhalb von 10 Jahren will er 1000 Judoclubs in Österreich, Deutschland und der Schweiz besuchen und ist dafür nur mit dem Velo oder der Bahn unterwegs. Am Dienstagabend machte der 62-jährige Österreicher beim Judoclub Arashi-Kulm in der Turnhalle der Schürmatt in Zetzwil Halt. 22 Vereinsmitglieder, rund die Hälfte davon Kinder, wollten sich ein Training mit dem Schwarzgurtträger (5. Dan) nicht entgehen lassen. «Er unterrichtet uns unentgeltlich», sagte Dominic Sigrist, Präsident von Judo Arashi-Kulm. «Es ist für unseren kleinen Verein eine seltene Gelegenheit, von jemandem mit einem derartigen Wissen und Können profitieren zu können.»

Vom Trainer zum Freund

Doch Kofler lehrt nicht nur Judotechnik, ebenso wichtig sind ihm die Werte, welche diese Sportart vermittelt. «Judo ist mehr als Kämpfen», erklärte er. «Es beinhaltet auch Selbstdisziplin, Geduld, Ehrlichkeit und Demut. Wenn man diese Werte übernimmt, kann man nichts falsch machen.» Seit 35 Jahren engagiert sich Franz Kofler als ehrenamtlicher Judotrainer und sagt: «Ich komme jeweils als Trainer und gehe als Freund.»

Den Judokas von Arashi-Kulm gefiel die Lektion mit dem österreichischen Trainer. «Die Technik am Boden war für mich neu», sagte Kevin Maurer (29), technischer Leiter des Clubs. Er hat schon in England und den USA Judotrainings besucht und fand es toll, von einem Trainer profitieren zu können, der extra mit dem Velo von weit her ins Wynental geradelt ist. Auch Sina Baumann (12) schwärmte: «Das ist ein cooles Projekt, er sieht bei vielen Judovereinen, was die so machen.» Und was könnte dem Österreicher am Unterkulmer Club speziell aufgefallen sein? «Vielleicht, dass wir es hier mit den Regeln sehr streng nehmen», sagt Sina.

Endstation Japan

Neben dem Judo ist das Velofahren Koflers zweite Leidenschaft. «Dabei kann ich von der Judo-Fallschule profitieren», sagt er lachend.

Während seines 10-jährigen Projekts mit 1000 Judotrainings sammelt der Schwarzgurtträger zwischen März 2019 und Oktober 2020 in den von ihm besuchten Vereinen auf Sticker geschriebene Botschaften zum Thema «Natur und Frieden». Diese klebt er in ein Buch, das er nach Japan, dem Geburtsland des Judo, bringen will – per Velo selbstverständlich.

12'000 Kilometer werden das für den «Peacebiker», den Friedensradler, sein. Ursi Kölliker, die seit 48 Jahren Judo betreibt, bewundert dieses Projekt. «Der Weg ist das Ziel, und wenn alle Menschen so wären wie Franz Kofler, wäre es schöner auf unserer Welt. Trotz Kampfsport sind Judokas nämlich friedliche Leute.»