Noch vor einem Jahr wurde das frisch renovierte «Höchweidhus» (ehemals Bürgerheim) im Rahmen eines Tages der offenen Tür stolz präsentiert (AZ vom 27. 8. 2018). Jetzt kam überraschend das Aus für die Institution, die neun hilfsbedürftigen Menschen ein Obdach bot. Der Kanton, konkret das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS), hat dem «Höchweidhus» die Betriebsbewilligung entzogen. Seit gut einer Woche ist es zu.

Der Gemeinderat Dürrenäsch wusste, dass etwas im Busch ist. Die Entwicklung habe sich in den letzten Monaten abgezeichnet, sagt Gemeindeammann Andrea Kuzma auf Anfrage. «Wir erhielten Kenntnis davon, dass im Heim nicht alles so läuft, wie es sollte.» Das rasche Aus per Ende Juli hingegen sei auch für den Gemeinderat etwas gar abrupt gekommen.

Über die Gründe, die zur Heimschliessung führten, kann sich Kuzma nicht detailliert äussern. «Es werden administrative Gründe geltend gemacht.» Kuzma betont jedoch, dass dem Gemeinderat keine Beanstandungen bezüglich Pflege und Betreuung der Bewohner des ehemaligen Bürgerheims bekannt gewesen seien. Im Gegenteil. «Die Menschen waren im ‹Höchweidhus› bestens aufgehoben.»

Andrea Kuzma, Gemeindeammann von Dürrenäsch.

Andrea Kuzma, Gemeindeammann von Dürrenäsch.

Kaum Klarheit über Betriebsschliessung

Was hat konkret zum Aus des Heimes für suchtkranke und psychisch erkrankte Menschen geführt? Der Kanton, welcher den Schritt verordnet hat, äussert sich nur knapp und verweist auf Gesetzgebung und Betreuungsverordnung. «Die Verlängerung der Bewilligung zur Führung der Einrichtung ‹Höchweidhus› konnte nicht gewährt werden, weil die Bewilligungsvoraussetzungen – gemäss Betreuungsgesetz § 5 und Betreuungsverordnung § 11 – nicht mehr erfüllt waren», heisst es auf Anfrage in der schriftlichen Stellungnahme des BKS.

Man habe dies der Einrichtung mitgeteilt, mit der Aufforderung, den Betrieb bis zum Ablauf einer Übergangsfrist von 60 Tagen, bis spätestens am 31. Juli 2019, einzustellen. Entsprechend seien auch die Klientinnen und Klienten beziehungsweise ihre Beistände informiert worden.

«Höchweidhus»-Geschäftsleiterin Iris Hintermann, welche die Institution seit Anfang 2017 führte, bestätigt zwar den Entscheid des BKS, will ihn jedoch nicht weiter kommentieren. Sie sagt nur, dass im Moment noch einige wenige Bewohner im Haus sind, und betont: «Wir stellen niemanden auf die Strasse.» Über die effektiven Gründe, die zum Ende des ‹Höchweidhus›-Betriebs führten, lässt sich also nur mutmassen.

Bei den vom BKS angeführten Gesetzes- und Verordnungsparagrafen geht es im Grundsatz um Folgendes: Laut Betreuungsgesetz beziehungsweise Betreuungsverordnung müssen eine fachkundige Leitung des Betriebes sichergestellt und eine fachlich angemessene, dem Zweck entsprechende Leistungserbringung gewährleistet sein sowie die baulichen und betrieblichen Verhältnisse dem vorgesehenen Verwendungszweck entsprechen.

Gemeinde will das Haus wieder vermieten

Erst im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Dürrenäsch als Besitzerin der Liegenschaft rund eine Million Franken in die Sanierung und den Umbau investiert. «Wir haben das Haus in Hinblick auf die Bedürfnisse des Heimbetriebs und gemäss den Anforderungen des Kantons umgebaut», sagt Gemeindeammann Kuzma.

Heimbetrieb und Landwirtschaft im einstigen Bürgerheim werden schon einige Jahre getrennt und mit separaten Pachtverträgen geführt. Die Landwirtschaft ist vom aktuellen Geschehen nicht tangiert. Der Pachtvertrag, welchen die Gemeinde mit der Bürgerheim Dürrenäsch GmbH abgeschlossen hat, läuft Ende 2019 aus. Was passiert mit der Liegenschaft anschliessend?

Steht das Haus leer, entgehen der Gemeinde Einnahmen. Andrea Kuzma hofft, dass dies nicht passiert und das «Höchweidhus» wieder vermietet werden kann. Offenbar gibt es bereits Interessenten, welche im früheren Bürgerheim, das vor Jahresfrist passend zum Flurnamen in «Höchweidhus» umbenannt worden ist, auch in Zukunft betreutes Wohnen anbieten möchten.