Die 1. und 2. Klässler der beiden Lehrerinnen Maria Williams und Isabelle Zaugg hatten nur vage Vorstellungen von ihrer Schulreise. Bis dann oberhalb von Menziken mitten auf dem Uferweg der Wyna ein Zelt den Weg versperrte. Es wurde spannend. Aus dem Zelt trat eine blau gewandete Frau mit weisser Haube auf dem Kopf und stellte sich als Sophia vor. «Ich komme aus dem Mittelalter und entführe euch in meine Zeit.»

Zuerst durften die Buben, dann die Mädchen, in dieses geheimnisvolle Zelt eintreten. Jedes Kind bekam eine weisse Kopfbedeckung und ein langes, farbiges Kleid. Die Kids des 21. Jahrhunderts wurden zu Kindern aus dem 14. Jahrhundert. Alle stapften barfuss durchs nasse Gras, denn die Schuhe blieben im Zelt zurück. Wer hätte gedacht, was die Kinder auf der andern Seite der Zeitschleuse erwartet?

Eine spezielle Schulreise in Reinach mit einem grossen Zeitsprung

Eine spezielle Schulreise in Reinach mit einem grossen Zeitsprung

Sophia und ihre Magd Anna nahmen die Kinder mit auf ihren Arbeits- und Spielplatz. Auch die Lehrerin war jetzt verkleidet und wurde von den Kindern als «Sie, Katharina», angesprochen. Meistens wenigstens, denn wenn ein Malheur passierte, etwa ein Schnitt in den Finger beim Karottenschneiden, dann war Katharina schnell wieder Frau Williams.

Im Mittelalter mussten die Kinder viel in Haus und Hof mitarbeiten, erklärte Sophia. Und schnell waren die ersten Arbeiten verteilt. Eine Buben-Gruppe watete durch den Bach ans andere Ufer und sammelte Brennholz. Vier Kinder beschäftigten sich mit der Getreidemühle, während andere mit «echten antiken» Messern Gemüse schnitten für die Suppe. Sophia hatte viel vor: Brot auf dem Grillrost backen, eine Gemüsesuppe suppen kochen und fürs Dessert Marzipankugeln zubereiten. Mit Begeisterung packten die Kinder zu.

Arbeiten ist nicht alles. Auch die Tiere mussten versorgt werden. Sophia hatte ihre Ziegenmutter mit einem Zicklein dabei und zwei Hühner. Ganz unterschiedlich gingen die Kinder auf die Tiere zu. Und viele freuten sich, wenn sie ein Huhn auf den Schoss nehmen durften oder mit den Ziegen einen Rundgang machen konnten.

Kinder auf Zeitreise

Sophia, mit bürgerlichem Namen Silvia Aeschimann, ist Museumspädagogin aus Reinach. Sie bietet diesen «Zytsprung» im Rahmen von Kultur macht Schule des Departements Bildung, Kultur und Sport an. «Ich nehme die Kinder mit auf eine Zeitreise und lasse sie in ein anderes Zeitalter eintauchen», sagt sie. Sie sollen ein Stück früheres Leben erleben. Daher Kostüme und Tätigkeiten im Freien. Silvia Aeschimann ist es wichtig, dass das Geschichtsverständnis nebst Erzählungen und Texten aus Büchern in der freien Natur geweckt wird. Häufig werde ihr Angebot von Mittelstufen Klassen genutzt. Mit älteren Kindern könne man noch mehr ins Detail gehen, sagt sie, «bei Unterstufenkindern stehen das Tun und Erleben wie auf einem Abenteuerspielplatz im Vordergrund.»

Gegen Mittag waren Brot und Suppe fertig und die Klasse setzte sich in den Kreis zum Mittagessen. Stilecht mit Holztellern und Holzlöffel. Dass die Blumenblüten in der Quarkcreme zu essen waren, dies hat dann doch einige Kinder sehr erstaunt.

Kinder waren begeistert

Die Kinder spielten engagiert mit. Zu erleben, wie Sophia mit Feuerstein und Zunder ein Feuer entfacht, selber Brot backen, das hat gefallen. «Mir gefiel am besten, dass ich ein Huhn auf den Arm nehmen durfte», sagte Svenja. Dass viele beim Spielen am und im Bach ziemlich nass und schmutzig geworden sind, das hat niemanden gestört.

Viele bedauerten gar, dass sie nach vier Stunden den Weg zurück durch die Zeitschleuse gehen mussten. Die Kostüme blieben zurück und die Kinder traten ihren Heimweg in Turnschuhen und mit Dächlikappe an. Und Sophia? Die wartet bestimmt mit ihrer Magd Anne vor der Schleuse auf eine nächste Kinderschar.