Unterkulm
Aufgeben kennt sie nicht: «Oma Marita» (80) läuft sogar an Marathons

Marita Schulz ist fitter als viele junge Menschen – 2013 legte sie 900 Kilometer zurück. Das Rennen ist wie eine Sucht, sagt sie. Am nächsten Sonntag ist sie wieder einmal am Start: am 10-Kilometer-Cityrun, der durch Zürich führt.

Barbara Vogt
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«Oma Marita» Schulz am letztjährigen 12-Stunden-Lauf in Basel, wo sie sich an der Schweizer Meisterschaft den dritten Rang holte. zvg

«Oma Marita» Schulz am letztjährigen 12-Stunden-Lauf in Basel, wo sie sich an der Schweizer Meisterschaft den dritten Rang holte. zvg

Marita Schulz (80) kann kaum still sitzen. Am liebsten rennt sie. Über Stock und Stein, dem Hallwilersee entlang, durch ihre Heimatstadt Köln, die ganze Nacht hindurch. 100 Kilometer weit. Alleine im letzten Jahr spulte die wohl älteste Marathon- und Langzeitläuferin der Schweiz über 900 Kilometer ab. Manchmal schwebt sie durch einen Lauf, manchmal verspürt sie Wadenkrämpfe und hin und wieder kämpft sie mit sich. Doch aufgegeben hat sie noch nie. «Das würde mir mein Stolz nie zugeben. Eher krieche ich.»

Wieso tut sich Marita Schulz dies in ihrem hohen Alter an? «Es drängt mich, zu rennen. Es ist wie eine Sucht», sagt sie. Ihr Ehrgeiz sei es, stets unter der Zeit, die sie sich vorgibt, zu rennen. Den 100-Kilometer-Lauf in Biel wollte sie unter 18 Stunden laufen. Vor zwei Jahren schaffte sie es: Sie brauchte 17,21 Stunden. Das Alter ist für Marita Schulz kein Hindernis, vielmehr ein Ansporn: «Ich vergleiche meine Leistungen mit dem letzten Jahr und versuche diese aufrechtzuerhalten.»

Dritte an Schweizer Meisterschaft

Marita Schulz sitzt in ihrer grosszügigen Wohnung nahe beim WSB-Bahnhof in Unterkulm. Sie trinkt Kaffee, auf dem Tisch liegen Ausschreibungen für Marathons, Läufe. Im Gestell stehen unzählige Pokale, fünf Gläser daneben. Diese wurden ihr jeweils an den Sportlerehrungen der Gemeinde Unterkulm verliehen. Gerne betrachtet die Läuferin ihre Pokale: «Sie zeigen mir, dass es sich lohnt zu trainieren.»

Stolz ist die 80-Jährige auf ihre Bronzemedaille, die sie letztes Jahr an der Schweizer Meisterschaft des 12-Stunden-Laufs in Basel holte. 64,268 Kilometer legte sie in den zwölf Stunden zurück. «Ich wollte in die Ränge kommen, verlangte aber auch viel von mir ab», sagt sie.

Lachend erinnert sie sich an ihren ersten Lauf vor zwölf Jahren. Es war der 100-Kilometer-Lauf in Biel. Ihr Sohn füllte damals klangheimlich den Anmeldebogen mit «Oma Marita» Schulz aus. Seither nimmt sie unter diesem Namen an den Läufen teil. Ihr Enkelsohn erzählte in der Schule, dass «Oma Marita» am Lauf teilnehmen wird. «Sie kommt nie an», witzelten seine Schulkollegen. «Darauf wetten wir», entgegnete der Enkelsohn. Der Wetteinsatz betrug fünf Franken, die er nach dem Lauf prompt einsackte.

Gerne erinnert sich Marita Schulz an diesen Lauf: Ihre Söhne seien am Strassenrand gestanden und hätten sie mit Worten angefeuert. Im Zielraum wurde sie vom Volk mit Applaus empfangen. «Das war ein erhabenes Gefühl.»

Von Kölliken nach Köln gewandert

Gerne nimmt Marita Schulz an 100-Kilometer-Läufen teil. Die Läufer starten, wenn andere sich schlafen legen: um 22 Uhr. Marita Schulz rennt gute 35 Kilometer, dann plagen sie die ersten Wadenkrämpfe und sie legt sich an einem Posten zur Massage hing. Regelmässig nimmt sie Isogetränke, Wasser oder Dunkelbier zu sich. Durch die Nacht zu rennen, sei ein spezielles Erlebnis, sagt Marita Schulz. Um sich wach zu halten, singt sie im Geist Kölner Faschingslieder.

Marita Schulz wuchs in Köln auf, schon damals bewegte sie sich gerne und machte Leichtathletik. Viele Jahre später kam sie mit ihrem Ehemann nach Kölliken. Das Paar gründete eine Familie, und an Sport war nicht mehr zu denken. Bis sie mit 60 Jahren das erste Mal mit ihrem Sohn joggen ging. «Du bist aber gut drauf», bemerkte er. Vor Jahren lief «Oma Marita» Schulz in 14 Tagen von Kölliken an den Kölner Fasching.

Regelmässig fährt sie mit dem Velo über den Böhler nach Schöftland, wo sie im Fitnessstudio Kraft und Ausdauer trainiert. Schliesslich will Marita Schulz auch heuer wieder an vielen Läufen teilnehmen, am nächsten Sonntag steht der 10-Kilometer-Cityrun durch Zürich an.