Menziken

Auf Spurensuche nach dem verschwundenen Menziker Dorforiginal Franz

Franz Stampfli aus Menziken drehte diesen Film zum 52. Geburtstag

Franz Stampfli aus Menziken inszenierte sich zum 52.Geburtstag in verschiedenen Metropolen

Seit Heiligabend fehlt vom Menziker Dorforiginal Franz jede Spur. Die Polizei geht davon aus, dass er sich ein Leid angetan hat. Vielleicht hat sich der ehemalige Seemann aber auch auf eine einsame Insel abgesetzt - die Gerüchteküche brodelt.

Tagein, tagaus schlenderte Franz mit seinem Hund Mancho durch Menziken. An gewissen Tagen grüsste er seine Mitmenschen, an anderen Tagen zeigte er jedem seine Faust, der ihn nur anschaute. Sein Hund Mancho war sein bester Freund – vielleicht sogar sein einziger. Denn wer in Menziken nach dem verschwundenen Franz fragt, bekommt meistens die gleiche Antwort: «Ja, der Mann mit dem Hund. Den habe ich oft gesehen, gekannt habe ich ihn nicht.» Seit Heiligabend ist dieser Mann mit dem Hund verschwunden. Und irgendwie fehlt er im Dorf.

Doch wer ist dieser Franz? In der Vermisstenanzeige der Polizei heisst es, dass Francesco Stampfli, wie er mit vollem Namen heisst, ein ungepflegter, schlanker Mann mit langem Bart sei. In Gesprächen mit Menschen, die ihn ein bisschen kannten, zeichnet sich das Bild eines Mannes ab, der am Rand der Gesellschaft lebte. Eines Einzelgängers, gar eines Kauzes. Früher sei er Seemann gewesen. Die Tätowierungen aus dieser Zeit zeigte er gerne, erinnert man sich am Stammtisch der «Eintracht». Der Seebär Franz sei weit herumgekommen, war in Japan, Bangkok und Los Angeles.

Hells-Angels-Fan

Klar ist, dass Franz seit längerer Zeit von der Sozialhilfe lebt und psychische Probleme hat. Darum nahm er auch Medikamente. Diese wollte er immer wieder absetzen. Aber dann seien seine Wahnvorstellungen schlimmer geworden, sagt einer vom Stammtisch. Viele erzählen, dass Franz oft wirre Sachen redete: hauptsächlich von Gott, dem Teufel und Dämonen. Und einmal, da habe er eine grössere Erbschaft gemacht und dann das ganze Geld am Joker-Automaten in der «Eintracht» verspielt. Dass er einmal eine Runde Bier spendierte hätte, daran erinnert sich niemand. Dafür erinnert sich auch niemand daran, dass man Probleme mit Franz, dem Einzelgänger, hatte. Oft sah man Franz, wie er morgens um sieben zum WSB-Bahnhof ging. Er besass ein Generalabonnement – für sich und seinen Hund. Damit bereiste er alle Ecken und Enden der Schweiz.

Aber Franz war auch ein Computerfreak. Er produzierte kurze Videos, die er auf die Internetplattform Youtube lud. Es gibt Videos, wo er sich selber filmt, wie er an der Wyna kifft und Cervelats brätelt. Oder Filme mit Aufnahmen von Lastwagen, die durchs Dorf fahren. Ein Video widmet sich der aktuell 52-jährige Franz selber, und zwar zu seinem letzten Geburtstag. Darin inszeniert er sich in den Metropolen dieser Welt. Besonders viele seiner Filme verherrlichen aber die Hells Angels. Der Wirt vom «Rössli» erzählt, dass Franz ihm sagte, dass er über Facebook mit Mitgliedern amerikanischer Hells Angels in Kontakt gekommen sei. Der Wirt bezweifelt das.

Haushalt aufgelöst

Ein junger Mann, der mit Franz im selben Haus wohnte, erinnert sich, dass man Ende Jahr gemerkt habe, dass Franz seinen Haushalt auflöse. Bevor er verschwand, stellte er den Computer in den Gang. Portemonnaie und Handy liess er zurück – die Wohnungstür verschloss er nicht. Er soll gesagt haben, dass er noch eine Rechnung mit dem obersten Chef offen habe, bevor er verschwand. Seinen Hund Mancho vertraute er Bekannten an.

Die Polizei geht davon aus, dass Franz sich ein Leid angetan hat. Sie suchte in den Wäldern des Stierenbergs nach ihm. Erfolglos. Irgendwann wird ihn wohl ein Pilzler oder ein Wanderer an einem Baum finden, sagt die Polizei. Dass er tot sei, sagen viele. Vor allem, weil er seinen Mancho zurückgelassen habe. Andere glauben, dass der Mann mit dem Hund plötzlich wieder durch Menziken spazieren wird. Die Gerüchteküche brodelt: Er sei auf dem Jakobsweg, sagt jemand. Mehrere vermuten, dass es den Seebären wieder auf die Weltmeere zog. «Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Franz irgendwo auf einer Insel am Strand sitzt», sagt der Wirt vom Burger «Rössli».

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