Grossratswahlen

Auf Plakaten ist sie nicht zu finden: Eine Politikerin ohne Wahlkampf

Helena Rupp in ihrem Garten in Hallwil. Gemüse kauft die Familie keines, alles stammt aus Eigenanbau.

Helena Rupp in ihrem Garten in Hallwil. Gemüse kauft die Familie keines, alles stammt aus Eigenanbau.

Wegen der Klimakrise entschied sich Helena Rupp (34, Grüne) aus Hallwil für eine Kandidatur. Sie ist aber keine typische Politikerin. Rupp verzichtet auf Wahlplakate.

Zum Termin für das Gespräch kommt Helena Rupp ein wenig verspätet. Als Treffpunkt hat sie das Mehrfamilienhaus an einem Hügel in Hallwil vorgeschlagen, in dem sie mit ihrem Mann, den beiden Kindern, den Schwiegereltern und ihrer Schwägerin sowie einem Mieterpaar wohnt. Helena Rupp kommt mit ihren beiden Kindern direkt von einer Veranstaltung der Grünen in Lenzburg. Sie stösst den Anhänger geübt den steilen Hügel hin­auf. Für sie eine Alltagssituation.

Auf ein Auto verzichtet die Familie bewusst. Rupp entschuldigt sich: «Ich habe für die Veranstaltung einen Baum bestellt, aber gesagt, dass ich ihn mit dem Zug zu mir nach Hause transportieren muss. Das hätte nie geklappt, er wird jetzt aber per Traktor gebracht.»

Nur Gemüse aus dem eigenen Garten

Rund um das Holzhaus ist Garten. Die Familie kauft kein Gemüse. Alles, was sie konsumiert, stammt von hier. «So weiss ich, dass die Sachen nicht gespritzt wurden. Zudem lernt man die Produkte mehr zu schätzen, wenn man weiss, wie viel Arbeit dahinter steckt», sagt Rupp. Auch die gepflästerten Wege hat die 34-Jährige selbst angelegt.

Im grossen Holzhaus steckt viel Arbeit der Familie: «Hier wurde nichts verklebt, die verschiedenen Teile wurden gedübelt, damit sie wiederverwendet werden können», erklärt sie. «Wir wollten das Haus so ökologisch wie nur möglich erstellen.» Darum stammt auch das gesamte Holz aus der Schweiz.

Das sind alle Grossratskandidaten aus dem Bezirk Lenzburg:

Zeit gesellschaftlich und ökologisch sinnvoller investieren

Helena Rupp ist keine typische Politikerin, auf Wahlplakaten ist sie nicht zu finden. «Ich denke nicht, dass sich dadurch die Wahlchancen stark vergrössern, und so ist es einfach nur viel Plastik und Müll, der sich vermeiden lässt», sagt sie.

Gleiches gelte auch für die Flyer: «Die werden doch meistens sowieso gleich in den nächsten Abfall geworfen.» Sie sei nicht so der Typ für den personenbezogenen Wahlkampf sagt Rupp: «Wenn ich über die gesamte investierte Zeit aller Kandidierenden nachdenke, finde ich, dass die Zeit, welche nun von jeder für den Wahlkampf eingesetzt wird, gesellschaftlich und ökologisch sinnvoller investiert werden könnte.»

Klimakrise zuoberst auf der Prioritätenliste

In die Politik möchte Rupp trotzdem gerne – um etwas zu ändern, wie sie sagt. «Ich hatte Anfang des Jahres eine Krise wegen der Umweltsituation. Ich habe das Gefühl, dass wir den Kipppunkt erreicht haben, an dem es nur noch schlimmer wird. Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas ändern möchte.» Um das zu Bewirken, möchte Rupp in den Grossen Rat.

«Viel in der Politik wird auf die Wirtschaft ausgelegt, ich finde aber, es sollte mehr um die Menschen gehen.» Rupp hat bereits vor einigen Jahren für die SP in Lenzburg für den Einwohnerrat kandidiert. Die Partei habe sie aus einem Grund gewechselt: «Für mich ist die Klimakrise das grösste und dringendste Problem, und ich denke, bei den Grünen steht sie zuoberst auf der Prioritätenliste.»

«Die Lohnungleichheit ist einfach lächerlich»

Bei einer allfälligen Wahl in den Grossen Rat würde sich die mehrfache Mutter deswegen auch für die Förderung des Langsamverkehrs einsetzen. «Es braucht definitiv noch mehr Velowege», sagt sie. Auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist Rupp ein grosses Anliegen. «Die Lohnungleichheit ist einfach lächerlich.» Zudem störe es sie, dass immer noch angenommen werde, dass die Frau ihr Arbeitspensum drastisch minimiere. «Auch Männer müssen die Möglichkeit haben, in tiefprozentigen Stellenpensen zu arbeiten.» Über ihre Wahlchancen denkt Rupp derweil nicht gross nach: «Wenn ich gewählt werde, freut mich das sehr. Wenn nicht, geht irgendwo eine andere Türe auf.»

Mittlerweile geht die Sonne hinter dem Wald unter, die letzten Sonnenstrahlen beleuchten das Hallwiler Schulhaus. Der Traktor mit dem Baum ist angekommen. Ein Kollege von den Grünen hat ihn mit dem Gefährt eines Mitkandidaten nach Hallwil transportiert.

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