Schöftland
Auf den Wiesen von Königreich Noseland trifft Kunst auf Wissenschaft

Das Königreich Noseland wird ein Jahr lang vermessen. Das Königreich ist ein Kunstprojekt von Autor Bruno Schlatter. Dieser findet die Vermessung «schwierig, aber auch spannend.» Die Künstler suchen nun ihre eigenen Ansätze.

Sibylle Haltiner
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Die Performance-Künstlerin Sibylle Ettengruber aus Linz hat zu Beginn des Jahresprojekts Vermessungen durchgeführt.

Die Performance-Künstlerin Sibylle Ettengruber aus Linz hat zu Beginn des Jahresprojekts Vermessungen durchgeführt.

Zur Verfügung gestellt

Auch – oder gerade – ein Herrscher weiss gerne, wie gross sein Reich ist. So auch Bruno Schlatter, seines Zeichens König Bruno I. von Noseland. Das Königreich ist ein kunstpolitisches Werk des Aarauer Schriftstellers.

Ausgerufen hat er seinen eigenen Staat, der sich auf einer Wiese in Schöftland befindet, vor sechs Jahren. Seither finden dort unterschiedliche Kunstprojekte statt. Zum ersten Mal inszeniert Schlatter nun einen ganzen Jahreszyklus: Er hat das 1. internationale Vermessungsjahr auf Noseland initiiert.

«Die Künstler, die ich angefragt habe, fanden das Thema zuerst schwierig, aber auch spannend», sagt Schlatter. Vermessungen fänden ja vor allem in der Welt von Wirtschaft, Kartografie und Militär statt.

«Für Künstler reicht dieser Ansatz jedoch nicht.» So sollen die Mitwirkenden beispielsweise lyrische oder malerische Vermessungen durchführen oder sich mit den verschiedenen Wortbedeutungen von «vermessen» auseinandersetzen. Neben der Tätigkeit des Ausmessens könne es ja auch «anmassend, dreist» bedeuten.

Spuren hinterlassen

Begonnen hat der Jahreszyklus bereits Anfang August. Sibylle Ettengruber, Performance-Künstlerin aus Linz, hat auf der Noseland-Wiese Spuren gelegt, Mario Purkathofer mit einem Quadrocopter Flugaufnahmen des Königreichs erstellt, die weiterverarbeitet und später in der Heuboden-Galerie in Schlatters Bauernhaus in Schöftland gezeigt werden. Auf seinem Blog wird Schlatter selbst regelmässig Beiträge veröffentlichen.

Als Nächstes folgt vom 8. bis 22. November eine Land-Art-Ausstellung zum Thema «Meridiane und Schlendriane». Auch der Sport soll im Vermessungsjahr im Königreich Einzug halten: Im März 2016 werden nationale und internationale Orientierungslaufmeisterschaften durchgeführt.

Schlatters Bruder Markus wird dazu die Karten mit der erforderlichen Genauigkeit gestalten. Weitere Anlässe wie eine Gruppenausstellung oder das 5. internationale Performancefestival im Juni 2016 ergänzten das Jahresprojekt, das mit einer Echtzeit-Vermessung von Marc Lee im Juli 2016 zu Ende gehen wird.

Im Zusammenhang mit seinem Projekt hat sich Schlatter intensiv mit der Geschichte der Kartografie wie auch mit dem technischen Aspekt der Vermessungen beschäftigt. So stellt sich ihm nun die Frage, wie gross genau sein Königreich Noseland ist.

«Auf dem Plan ist eine Grösse von etwa 70 mal 30 Meter ausgewiesen, dabei handelt es sich aber wohl um die Luftlinie», sagt Schlatter. Da die Wiese jedoch in einer Senke liege, werde die tatsächliche Fläche wohl etwas grösser sein. Diese genau auszurechnen könne eine spannende Aufgabe für die Lehrlinge des Bezirksgeometers sein, findet Schlatter. Hierbei würden Kunst und Wissenschaft ihren Schnittpunkt finden.

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