Unterkulm

Auch der raue Cowboy lässt sich verwöhnen

Am Old West lebte es sich drei Tage lang wie im Wilden Westen, für den gepflegten Herrn gab es ein besonderes Angebot.

Im mittleren Wynental wunderte sich am Wochenende niemand, der einen Cowboy mit Colt, Chaps und Stiefeln traf. Ebenso wenig wurde die Bardame mit Federschmuck und Korsett schräg angeschaut. In Unterkulm wurde nämlich das Rad in die Zeit des alten Wilden Westens zurückgedreht: Am Dorfrand war die Westernstadt «Dove Town» aufgebaut worden. Wildwest-Authentiker aus der ganzen Schweiz vergnügten sich zusammen mit den Besuchern aus der Umgebung drei Tage lang am Old West.

Bereits zum fünften Mal verwandelte sich die Wiese hinter dem Bauernhof von Beat Häfeli in eine Stadt wie aus einem Westernfilm. An den Holzfassaden der Zelte hingen Tafeln mit Benimmregeln für die Cowboys: So sollten sie sich vor Betreten des Saloons den Dreck von den Stiefeln wischen. Dies taten sie gerne, sonst wären die glänzenden Sporen gar nicht zur Geltung gekommen. Auch Colts und Gewehre wurden zur Schau gestellt, dies allerdings nur tagsüber. Um die Ruhe in Dove Town zu gewährleisten, war am Abend das Tragen von Waffen jeglicher Art verboten.

Old West in Unterkulm

Old West in Unterkulm

Cowboy-Hut genügt vielen nicht

Verschiedene Shops boten das passende Outfit an. Cowboy-Hüte standen auf der Wunschliste der meisten Besucher. Für die sogenannten Reenactors, die Leute, welche das Leben im Wilden Westen möglichst authentisch nachstellen, reicht ein Hut jedoch nicht. Sie traten in Indianerkostümen, mit Gehrock, gestreifter Hose und Melone oder im gestuften Reifrock mit Korsage auf und verbrachten das Wochenende im Tipi.

Rasur nach alter Tradition

Ein Besuch beim Barbier war für den gepflegten Herrn Pflicht. Coiffeur Peter bot in seinem Barber Shop Rasuren nach alter Väter Sitte an. Die Stühle, auf welche sich die Kunden setzten, waren rund 100 Jahre alt, eine Papierrolle an der Nackenstütze sorgte für hygienisch frische Verhältnisse für jeden neuen Besucher. Nach einer wärmenden Kompresse wurde das Gesicht eingeseift und der Barbier schabte den Bart mit dem Messer ab. «Die wenigsten Männer sind es sich gewohnt, dass jemand anderer die Klinge führt», erklärte Barbier Dale Gaupp. «Am Anfang merkt man, dass sie etwas Angst haben und den Kopf wegdrehen.» Doch rasch spürten die Herren, dass sie in fähigen Händen waren, und genossen die Behandlung, die mit dem Einreiben einer Gesichtslotion endete. Auch Hanspeter Wydler aus Oberengstringen war nach der Rasur begeistert. «Man kann fast einschlafen dabei», erzählte er. «Ich hatte keine Angst und man spürt, dass sehr sauber geschnitten wird.»

Urs Peter, der ehemalige Inhaber von Coiffure Peter, beherrscht sogar noch die Kunst der Rasur mit der blanken Klinge und demonstrierte dies mit einem rund 90 Jahre alten Messer. Er hat den Barber Shop am Old West eingeführt, seine Nachfolgerin Michèle Hennig führte die Tradition weiter.

Viel Arbeit für den Blacksmith

Auch weitere Waren und Dienstleistungen, die in der Zeit des Wilden Westens unverzichtbar waren, wurden angeboten. Im General Store konnte man sich mit Lebensmitteln und Werkzeug eindecken, Schürfer durften sogar mit Goldstaub bezahlen. Der Sattler bot Felle und Lederwaren zum Kauf an und der Hufschmied, Blacksmith genannt, nagelte Pferden neue Hufeisen auf. Und nach einem anstrengenden Tag in der Westernstadt vergnügten sich Cowboys und Indianerinnen gemeinsam mit den Wynentalern beim Line Dance zu Countrymusik im grossen Zelt.

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