Die Asylunterkünfte im Aargau platzen aus allen Nähten, allein im Juni bekam er vom Bund 300 neue Asylsuchende zugewiesen. Es ist nicht nur verständlich, sondern unumgänglich, dass der Kanton in dieser Situation jede sich bietende Gelegenheit zur Schaffung zusätzlicher Plätze ergreift und sich durch den Widerstand in den Standortgemeinden nicht von seinen Plänen abbringen lässt.

Ihre Juristen sind davon überzeugt, dass das nicht nötig ist: Darum kann es sich die für das Asyldossier verantwortliche Regierungsrätin Susanne Hochuli schlicht nicht leisten, in Menziken die Behandlung eines Umnutzungsgesuchs für ein ehemaliges Hotel abzuwarten und sich dann auf den Instanzenweg zu begeben, wenn die Gemeinde dieses Gesuch ablehnt.

Susanne Hochuli nimmt die Unterschriften von der Menziker Delegation entgegen. Rechts Ammann Annette Heuberger.

Susanne Hochuli nimmt die Unterschriften von der Menziker Delegation entgegen. Rechts Ammann Annette Heuberger.

Aber warum um Himmels willen scheint es Susanne Hochuli immer wieder geradezu auf eine Eskalation der Situation abgesehen zu haben?

Ihre Beschwerde gegen die Verfügung der Gemeinde (das erwähnte Umnutzungsgesuch zu verlangen) hat aufschiebende Wirkung, die Asylunterkunft hätte wie vorgesehen ab Mitte August belegt werden können. Aber nein, das Departement Gesundheit und Soziales teilt mit, die ersten Asylbewerber seien gestern in den «Sternen» eingezogen.

Die ohnehin am kürzeren Hebel sitzende Gemeinde so zu überrumpeln, lässt sich auch mit der zusätzlich verschärften Platznot nicht rechtfertigen. In Menziken sprach man von «Wortbruch» und gar einer «klar illegalen Aktion». Letzteres ist wohl etwas dick aufgetragen, aber auf jeden Fall ist jeder Rest des Vertrauens verspielt. Damit ist auch keinem Asylsuchenden gedient.

Das Boot ist voll! Die Menziker machen am Info-Anlass Ende Juni 2015 ihrem Ärger Luft.

Das Boot ist voll! Die Menziker machen am Info-Anlass Ende Juni 2015 ihrem Ärger Luft.