Ab Anfang August sollen im Hotel-Restaurant «Sternen» in Menziken bis zu 90 Asylbewerber einziehen – obwohl schon 60 Asylsuchende in der 5750-Einwohner-Gemeinde im oberen Wynental untergebracht sind. Die Gemeinde übertrifft ihre Aufnahmepflicht von 12 Flüchtlingen damit bei weitem. 

Nachdem der Gemeinderat selbst und Renate Gautschy, die Präsidentin der Aargauer Gemeindeammänner-Vereinigung scharfe Kritik hatten, doppelt nun auch noch der Gemeindeverband aargauSüd impuls, dem zwölf Gemeinden mit knapp 30'000 Einwohnern angehören, nach: In einem offenen Brief an den Regierungsrat schreiben Präsident Martin Widmer und Geschäftsführer Herbert Huber im Namen des Vorstands, dieser teile die «ablehnende Haltung der Gemeinde Menziken».  

Menziken: 90 Asylbewerber sollen in Hotel einziehen. Das Hotel und Restaurant Sternen im Dorfkern steht kurz vor der Schliessung. Der Kanton hat das Gebäude nun gemietet, um daraus eine Asylunterkunft zu machen. Die Gemeinde ist nicht erfreut.

Menziken: 90 Asylbewerber sollen in Hotel einziehen. Das Hotel und Restaurant Sternen im Dorfkern steht kurz vor der Schliessung. Der Kanton hat das Gebäude nun gemietet, um daraus eine Asylunterkunft zu machen. Die Gemeinde ist nicht erfreut.

Die Kritik entzündet sich an zwei Punkten, an der Zuteilung auf die Aargauer Gemeinden und an der Kommunikation des zuständigen Departements von Regierungsrätin Susanne Hochuli, die selbst im offenen Brief nicht namentlich erwähnt wird.

Es sei störend, dass die eher strukturschwache Gemeinde Menziken mit ihrem hohen Ausländeranteil von 38 Prozent zu den bereits aufgenommenen 60 Personen nochmals 90 Flüchtlinge aufnehmen müsse.

«Wir erwarten von der Regierung und dem zuständigen Departement, dass ein gerechter und solidarischer Verteilschlüssel über den ganzen Kanton angewandt wird, so dass es nicht in den Randregionen des Kantons zu Ballungen von Asylunterkünften kommt.»

Kanton stellt Menziken vor vollendete Tatsachen

Kanton stellt Menziken vor vollendete Tatsachen

In Sachen Kommunikation verlangt der Vorstand einen «offenen und ehrlichen Umgang mit den Gemeindebehörden». Auch um eine emotionale Diskussion, wie sie nun entbrannt ist, zu vermeiden. «Das ist der Sache nicht dienlich, das wollen wir nicht.»

Während Ammann Annette Heuberger das zuständige Departement von Susanne Hochuli kritisierte, mit der Information über die Anmietung des Sternen, die Susanne Hochuli selbst telefonisch vornahm, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein, hielt das Departement fest, sich strikte an den geltenden Kommunikationsleitfaden gehalten zu haben. 

Gegen die Unterbringung von Asylsuchenden an sich stellt sich der Verband nicht. Ihm sei bewusst, dass der Kanton die Aufgabe hat, Unterkünfte für die ihm zugeteilten Flüchtlinge zu suchen und zur Verfügung zu stellen. «Unsere Einwände richten sich auch in keinem Fall gegen die Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden.» (pz)

Balz Bruder spricht im Mai 2015 über die Asylunterkünfte im Kanton

Balz Bruder, Sprecher von Susanne Hochuli, über die Asylunterkünfte im Kanton Aargau