Die Gemeinde Oberkulm ist finanziell alles andere als auf Rosen gebettet. Zehn Millionen Franken Schulden drücken schwer, trotz Steuerfuss von bereits 122 Prozent ist in naher Zukunft nicht mit einer finanziellen Entlastung zu rechnen. Im Gegenteil: Wie andernorts steigen die Kosten für Bildung und Soziale Wohlfahrt stark an.

Ein neues Projekt soll jetzt helfen, die Kosten im Sozialbereich zu senken. Neben einem Beschäftigungsprogramm für Männer, das schon seit Frühling läuft, hat der Gemeinderat nun auch ein Arbeitsprojekt für Frauen ins Leben gerufen.

In Zusammenarbeit mit der Drehpunkt Personal GmbH in Muhen bietet die Gemeinde einen Hausreinigungsdienst an. Das bedeutet: Frauen ohne Arbeit können sich bei der Gemeinde melden und werden in private Haushalte vermittelt. Familien und Singles, die einer Frau die Gelegenheit geben wollen, in ihrem Haushalt ein paar wenige Stunden in der Woche mit anpacken zu können, wenden sich ebenfalls an die Gemeinde. Die Personaladministration wird durch die externe Firma erledigt. Das Projekt steht noch ganz am Anfang. Die ersten beiden Arbeitsverträge wurden abgeschlossen.

Projekt soll Türöffner sein

«Es geht nicht nur ums Geld», sagt Gemeinderätin Verena Brändli, die dem Ressort Soziales vorsteht und das Arbeitsprojekt initiiert hat. «Es ist natürlich sehr positiv, wenn die effektiven Sozialhilfeausgaben der Gemeinde sinken, wenn eine Person auch nur einen halben Tag pro Woche etwas dazuverdienen kann.»

Der positive Effekt des Programms sei vielfältiger: «Für eine spätere Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt – aber auch für die körperliche und seelische Gesundheit – ist es wichtig, dass die Arbeitslosen einer Beschäftigung nachgehen können.» In dem Sinne solle dieses Projekt auch «ein Türöffner sein.» Denn Arbeitszeugnisse seien eine Grundvoraussetzung dafür, dass jemand überhaupt vermittlungsfähig sei. «Ausserdem motiviert es die Menschen einfach, gebraucht zu werden, und das setzt enorme Kräfte frei.»

Die beiden Projekte wurden auf Gemeindeebene ins Leben gerufen, weil das Angebot an niederschwelligen Arbeitsplätzen in der Region gering ist. Im Haushaltreinigungsdienst sieht Verena Brändli die Chance jedes Einzelnen in der Bevölkerung, etwas zum Allgemeinwohl beizutragen. «Je mehr Leute mithelfen, die Schwachen zu stärken, desto stärker wird die Gemeinschaft.»