Unterkulm

Anschauungsunterricht in freier Natur kurz vor Schulstart

In der Zeisetelgrube war Familientag mit Froschjagd und Cervelats an der Haselrute. Die Badi machte dem Anlass zur Freude der Organisatoren keine Konkurrenz.

«Eine schöne Schar; ich habe nicht so viele erwartet», sagt Hansruedi Schwammberger vom Natur- und Vogelschutzverein Unterkulm. Monika Schoch fürchtet Konkurrenz von der Badi. Zu Unrecht, wie sich herausstellt: Rund 50 Personen nehmen am Familientag der Natur- und Vogelschutzvereine beider Kulm teil.

Bedeutung der «Früherfassung»

Der Familientag in der Zeisetelgrube Unterkulm wird seinem Namen gerecht. Gut die Hälfte der Teilnehmenden sind Kinder oder Grosskinder. Da gehen Schwammbergers mit gutem Beispiel voran: Ihr Enkelkind ist auch dabei. Offenbar ein guter Zeitpunkt, dieser letzte Samstag, bevor die Schule wieder losgeht. Ernst Hofmann, Präsident des Oberkulmer Vereins, der bei der Erstauflage letztes Jahr federführend war, weiss um die Bedeutung der «Früherfassung». Wer als Kind solche Tage in der Natur erlebt hat, verliert das Interesse nicht, auch wenn im frühen Erwachsenenleben andere Themen im Vordergrund stehen werden.

Jagdfieber erwacht

Am Posten von Monika Schoch und Hansruedi Schwammberger kommen auch die grösseren Buben auf ihre Rechnung. Während die Mädchen staunen, lassen sie den Bergmolch über Hand und Arme laufen. Und dann ergreift der Jagdtrieb Besitz von ihnen: Bewegt sich in der grünen Suppe im Teich etwas, greifen sie hinein und fördern einen kleinen Grasfrosch oder eine Geburtshelferkröte zutage. Nach kurzem Asyl im Wasserglas werden sie wieder der Natur übergeben. Man lernt auch Fadenmolch und Gelbbauchunke kennen, und ab Tonband bimmelt der Glögglifrosch, die Geburtshelferkröte. Und keiner geht nach Hause, ohne den Hauptunterschied zwischen Frosch und Kröte zu kennen: Die Kröte mit ihrer warzenartigen Oberfläche ist weniger glitschig.

Pflanzliche Gemeinheiten

Bei Silvia Grossenbacher und Franz Hochstrasser geht es um die Ruderalpflanzen, die sich in der aufgeschütteten Kiesgrube Zeisetel angesiedelt haben. Auch hier geht’s ums Erlebnis: Wonach riecht diese Pflanze? Rüebli! Und Tobias kennt die Rüebliraupe, aus der dann der Schwalbenschwanz wird. Der Name der Pflanze: die Wilde Möhre. Und die Gemeine (also gewöhnliche) Kratzdistel kann mit ihren Stacheln durchaus auch gemein (also bösartig) sein. Franz Hochstrasser weist noch auf die Neophytenplage hin, Pflanzen aus anderen Erdteilen, die hierzulande überhandnehmen. Ausreissen erlaubt, ja erwünscht.

Wurst, Most und Sirup

Bei Elsbeth und Peter Koller wird klar, warum alle eine paar kleine Steine hochtragen mussten. Hier gilt es nämlich, ein Gleichgewicht herzustellen, indem man auf einen dicken Ast, der auf einem Stein liegt, beidseitig Steine stapelt. Da werden auch Mami und Papi wieder zu Kindern. Zum Abschluss des Familientags werden, auf Augenhöhe mit der Liebegg auf der anderen Talseite, Wüste gebraten. Für die Kinder gibt’s Most oder Sirup, derweil die Männer ein kühles Bier zu schätzen wissen. Und nächstes Jahr um die gleiche Zeit werden die Oberkulmer turnusgemäss zum Familientag in der Natur einladen. Badi? Kein Thema.

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