Schon als Funda Yilmaz‘ Einbürgerungsgesuch abgelehnt wurde, sind die Kommentarspalten der Online-Medien regelrecht explodiert. Auch zur Ankündigung, dass Mignogna-Yilmaz für den Nationalrat kandidiert, tun viele Leute ihre Meinung kund.

Auf der AZ-Webseite sind innerhalb weniger Stunden etwa 70 Kommentare eingegangen und auf Facebook über 80. Die Meinungen reichen von Unterstützung bis zu völligem Unverständnis und Empörung. Die Diskussionen werden teils auch emotional geführt.

Kontra: fehlende Qualifikation

Ein verbreiteter Vorwurf, der der SP gemacht wird, ist, dass sie Mignogna-Yilmaz vor allem wegen ihrer Bekanntheit aufstellt und nicht wegen ihrer Qualifikationen. Die junge Frau wäre zu unerfahren und es gäbe geeignetere Kandidaten, die in den Nationalrat gehören.

Auf der AZ-Webseite kommentiert eine Leserin beispielsweise: «Ich hoffte immer, dass dafür erst Ausbildung und Erfahrung nötig ist. Heute genügt es, ein paar Mal in der Zeitung gestanden zu haben, um sich fürs "Volk" einsetzen zu können. Einmal mehr, das Amt wird zu gut bezahlt und das zieht viele an, (die in der freien Wirtschaft nicht mal die Hälfte verdienen könnten) wie Fliegen das Licht. Und egal ob links oder rechts.»

«Faire Einbürgerung und Gleichstellung von Migranten»: Zwei Jahre nach der Einbürgerung will Funda Yilmaz will Nationalrätin werden

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Ein anderer Nutzer schreibt auf Facebook: «Das nächste Vorzeigepferdchen wird durch die Politmanege getrieben. Hauptsache man ist in den Schlagzeilen. Wohin das führt? Siehe Äusserungen von T. Glauser.»

Was auffällt: Der Name Glauser fällt in diesem Zusammenhang nicht selten. Tamy Glauser, bekannt geworden als Model und Freundin von Ex-Miss-Schweiz Dominique Rinderknecht, wird ebenfalls vorgeworfen, lediglich wegen ihrer medialen Bekanntheit den Listen-Platz bei den Grünen bekommen zu haben.

Andere finden die Kandidatur von Mignonga-Yilmaz legitim: «Sie wissen doch hoffentlich, dass diese Person erst demokratisch gewählt werden muss. Also wenn sie unfähig sein sollte, wie Sie dies behaupten, dann wird sie auch vom Volk nicht gewählt. Wenn doch, dann gibt es eine genügende Anzahl von Stimmen, die ihre Meinung nicht teilen und ausserdem, wo liegt jetzt Ihr Grund, sich darüber zu ärgern. Die SP lässt ihr die Chance, sich vor der aargauischen Bevölkerung zu behaupten. Man kann sich nur behaupten und gewählt werden, wenn man auch auf einer Liste steht.»

Andere heissen die Kandidatur von Mignogna-Yilmaz gut und loben das Engagement: «Frau Yilmaz engagiert sich politisch und gibt so der Bevölkerung etwas zurück.»

Zum Medienhype wird kommentiert: «Etwas Radau gehört zur Politik wie Klappern zum Handwerk. Das machen auch andere Parteien und Politiker zur Genüge.» Kandidaten mit einer gewissen medialen Bekanntheit würden nicht erst seit Funda Mignogna-Yilmaz und Tamy Glauser von Parteien gefördert werden: «Vorher war's Karin Bertschi, und auch Maximilian Reimann war ziemlich regelmässig in den Schlagzeilen...»

Polarisierung an Grundsatzfragen

Bei den Kommentaren stehen jedoch nicht nur die Qualifikationen Mignognas im Zentrum. Vor allem ihr Migrationshintergrund wird häufig zum Thema und Anlass für Diskussionen.

Die Kandidaten auf der Migrantenliste vertreten die SP-Positionen, setzen jedoch zusätzlich noch eigene Schwerpunkte. Ein zentrales Anliegen ist es, «in der Schweiz wohnhaften Personen mit Migrationshintergrund innerhalb und ausserhalb der Partei zu einer besseren Partizipation und politischen Repräsentation zu verhelfen». Wer sich die Diskussionen, die in den Kommentarspalten geführt werden, anschaut, wird merken, dass an der Nationalratskandidatur Mignognas nicht selten Grundsatzdiskussionen entfachen. Die Frage, ob Frau Mignogna eine geeignete Kandidatin für den Nationalrat ist, kann schnell zur Frage nach nationaler Identität und politischer Repräsentation werden. 

Einige Leser finden es generell problematisch, Personen mit Migrationshintergrund in politische Ämter zu wählen. Einer argumentiert: «Wir leben hier in der Schweiz, da brauchen wir keine Vertretung von ausländischen Minderheiten in der Politik.»

Ein anderer spitzt die Position noch weiter zu: «Es kann doch nicht sein, dass wir in der Schweiz Ausländer in die Regierung wählen. Es reicht ja schon, dass wir einen Bundesrat haben, der ein Papierschweizer ist.»

Andere Leser halten dagegen und finden, die Herkunft sollte keine Rolle spielen: «Und warum nicht? Wenn sie die Fähigkeiten dazu haben! Seit wann ist die Herkunft ein Kriterium? Oder dürfen das Ihrer Meinung nach nur „echte Helvetier“ werden?

«Ein grosser Teil der Bevölkerung ist ja auch jung, eingebürgert und mit solchen Problemen konfrontiert. Sollen alle 200 Plätze für alte Männer reserviert sein?», lautet ein anderer Kommentar.

Die Kommentare machen deutlich, in den Diskussionen geht es häufig nicht länger allein um die Person und Kandidatur von Mignogna-Yilmaz. Vielmehr wird sie zum Aufhänger für tiefergreifende Fragen der politischen Repräsentation und Identität. Es geht dabei darum, auf welche Weise sich die Zusammensetzung der Bevölkerung in einem gewählten politischen Gremium abbilden sollte.