Menziken
An der Hauptstrasse 74 eröffnet bald ein «Bed and Breakfast»

Sie verwirklichen ihren Traum: Zwei Familien bauen ein altes Gebäude zu einem «Bed and Breakfast» mit Kulturbühne und Besenbeiz um. Seitdem die Behörden nach längerem Hin und Her ihr Einverständnis gegeben haben werden die Pläne umgesetzt. Bis zur Eröffnung ist noch einiges zu tun.

Peter Siegrist
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Familie Härri und Matthias über den Plänen: Felix Matthias, Max Härri, Coni Härri, Ursi Matthias (v.l.).

Familie Härri und Matthias über den Plänen: Felix Matthias, Max Härri, Coni Härri, Ursi Matthias (v.l.).

AZ

Das Haus mit Baujahr 1849 beherbergte einst eine Tuchfärberei und später einen Transportunternehmer. Im scheunenähnlichen Hausteil war ein Pferdestall untergebracht. Das Haus mit seiner eindrücklichen Charakteristik, der Zweiteilung von Wohnen und Arbeiten untersteht heute dem «substanziellen Objektschutz» des Kantons. Es ist als erhaltenswert fürs Menziker Ortsbild eingestuft worden. Was das konkret bedeutet, sollten die neuen Besitzer, die Menziker Felix und Ursi Matthias, während des Bewilligungsverfahrens für Umbau und Umnutzung erfahren.
Treffpunkt für Jung und Alt
Familie Matthias hat das Gebäude erstanden, weil sie gemeinsam mit der Familie Max und Coni Härri einen Traum verwirklichen wollen. Die zwei Ehepaare planen hier an der Hauptstrasse 74 in Menziken die Eröffnung eines «Bed and Breakfast»-Hauses (B&B). Und nicht nur das, das Haus soll zum unbeschwerten Treffpunkt werden für Jung und Alt.
Nebst acht Doppelzimmern im Obergeschoss werden im Erdgeschoss eine Besenbeiz und eine Weinstube entstehen. Im Keller kann man Feste feiern und tanzen, und künftig können kleinere Kulturanlässe auf dem «Heuboden» mit kleiner Bühne durchgeführt werden.
«Und in der warmen Jahreszeit lädt der schöne Garten geradezu als Gartenwirtschaft zum Verweilen ein», erklärt Coni Härri. Sie ist gemeinsam mit Ursi Matthias die treibende Kraft, wenn es ums Einrichten der Gästezimmer und das Führen der Besenbeiz geht. Im Obergeschoss werden die beiden Frauen Themenzimmer einrichten, mit Mobiliar und Dekors aus verschiedenen Epochen. «Die Gäste sollen sich in unserem Haus mit dem besonderen Ambiente wohlfühlen».

«Es soll etwas im Kleinen entstehen und viele Leute ansprechen», sagt Felix Matthias. Abklärungen hätten längst ergeben, dass die Nachfrage nach Zimmern im Preissegment unter 100 Franken gross sei. So hätten sie bereits Anfragen gehabt von Servicemonteuren, die im Wynental für ein paar Tage zur Arbeit absteigen. «Unsere Region hat auch für Feriengäste etwas zu bieten», sind die Vier überzeugt. Wandern, Velofahren, Baden am See, Besuche in den naheliegenden Städten. Dank der guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr sei Vieles möglich.

Gekauft haben Matthias’ das Haus im Mai 2015. Sofort wurden ihre Ideen von einem Architekten in konkrete Pläne umgesetzt. «Unser Ziel war es, das besondere Cachet des Hauses soweit als möglich im Innern und aussen zu erhalten», sagt Felix Matthias.
Langes Bewilligungsverfahren
Der Wunsch, rasch umzubauen und im Frühjahr 2016 zu eröffnen, wurde nicht erfüllt. Das Baubewilligungsverfahren zog sich hin, erklären die Vier, statt der erwarteten acht bis zwölf Wochen, dauerte es acht Monate, bis die Bewilligung vorlag. «Die Gemeinde hat uns zwar vorbildlich unterstützt und das Verfahren rasch vorangetrieben», erklärt Matthias.
Aber nachher geriet die Sache bei den Verwaltungsabteilungen des Kantons ins Stocken. Weil das Gebäude unter Objektschutz steht, hatte der Denkmalschutz bestimmte Forderungen gestellt. «Das Meiste kam uns entgegen, wir wollten ja möglichst nichts verändern», sagt Felix Matthias. Aber da hatten die Bauherren die Rechnung ohne die Vorgaben der Brandschutzgesetzgebung gemacht.
So kam es, dass sich Denkmalpflege und Brandschutzverantwortliche in die Haare gerieten. Ein Beispiel: Der Denkmalschutz verlangte, dass die alten Holztüren inklusive Eingangstür erhalten bleiben. Und der Brandschutz verlangte den Einbau von modernen Brandschutztüren. Da brauchte es viele Verhandlungsrunden, bis alles unter einen Hut gebracht werden konnten.
Eröffnung im Spätsommer
Doch jetzt geht es vorwärts, seit fünf Wochen sind die Handwerker an der Arbeit. Die Pläne für Gästezimmer, Gastroräume und Kulturbühne werden umgesetzt. Im August/September wollen Härris und Matthias’ eröffnen. Der Einstieg soll sanft sein, betont Ursi Matthias. So wird das B&B «Haus74.ch» zwar sieben Tage in der Woche Gäste empfangen, die Besenbeiz hingegen ist jeweils donnerstags, freitags und am letzten Samstag des Monats offen, die Weinstube vorerst einmal wöchentlich.
Die beiden Familien haben eine Betriebs-GmbH gegründet und werden alles selber führen. Allerdings dürfen sie bereits auf freiwillige Helfer zählen. Bis zur Eröffnung ist noch viel zu tun. Doch die Vier gehen mit viel Eigeninitiative und Herzblut ans Werk, immer das Ziel der Eröffnung vor Augen.