Leimbach

Ammann-Rücktritt nach 17 Jahren: «Früher setzte man sich eher an den Tisch»

Ammann Janine Murers Rücktritt ist der erste von mehreren aus dem Gemeinderatsgremium.

Ammann Janine Murers Rücktritt ist der erste von mehreren aus dem Gemeinderatsgremium.

Gemeindeammann Janine Murer aus Leimbach tritt nach 17 Jahren während der Amtsperiode zurück. Sie hat sich auch beruflich neu orientiert.

Sie ist also die Erste. Janine Murer, Amman von Leimbach, gibt ihr Amt ab. Die Erste deshalb, weil gleich mehrere Gemeinderäte Ende dieser Amtsperiode (2018/21) demissionieren werden. Letzteres hat die Leimbacher Bevölkerung am 29. November erfahren. Zumindest diejenigen, die an der Gemeindeversammlung präsent waren. «Im Gremium haben wir beschlossen, dass es keine gute Idee wäre, wenn alle von uns, die nicht mehr antreten wollen, auf einen Schlag per 2021 das Amt abgeben», sagt Janine Murer (50, parteilos) im Gespräch mit der AZ. Deshalb hätten sie entschieden, gestaffelt auszuscheiden – während der laufenden Amtsperiode. Sie habe, so die Mitteilung der Gemeinde, als Amtsälteste als Erste ihren Rücktritt eingereicht. Murer ist seit 2002 im Gemeinderat, seit 2006 Ammann. Die Ersatzwahl findet am 27. September statt.

Zögern bereits bei Gesamterneuerungswahlen

«Das Departement Volkswirtschaft und Inneres hat meinem Gesuch zur Demission auf den Zeitpunkt der Ersetzung stattgegeben», sagt Murer. Heisst, sobald eine neue Gemeinderätin, ein neuer Gemeinderat gewählt ist, darf sie sich zurückziehen. Gemeinderätin sei ein sehr schönes Amt. Immer wieder habe sie während ihrer Amtszeit Erfolgserlebnisse haben dürfen. «Ausserdem lernt man viel. Sachen, die man sonst nie lernen würde. Etwa, woher wir unser Wasser haben und was dazu nötig ist.» Ja, aber es sei auch aufwendig.

Überlegt hat sie diesen Schritt reiflich. Bereits als es 2017 an die Gesamterneuerungswahlen ging, war sie nicht sicher, ob sie nochmals antreten will. Das Barometer der Pflegefachfrau, die damals das Ambulatorium im Spital Menziken leitete, war auf «eher nein». «Gemeindeammann zu sein, ist ein zeitintensives Hobby.» Neben Familie – sie ist verheiratet und hat eine inzwischen erwachsene Tochter – und Beruf bleibe da nicht viel Freizeit», sagte sie der AZ damals.

Ein Kandidat sollte gleich Ammann werden wollen

Dann aber trat sie doch an. Es habe sich kein Ammann-Nachfolger abgezeichnet. Also hätten sie sowie ihre Gemeinderatskollegen sich zusammengerauft und seinen in der bisherigen Konstellation nochmals angetreten, sagt sie heute über diesen Entscheid.

Dies, obwohl sie damals schon der Meinung gewesen sei, sie habe ihren Dienst für die Öffentlichkeit nun geleistet. Auch heute macht Murer keine grosse Hoffnung, dass nach ihrem Austritt einer der Bisherigen Ammann werden möchte: «Es wäre sicher von Vorteil, wenn Kandidaten für die Wahl am 27. September auch Interesse haben, Gemeindeammann zu sein.»

Mehr Entschädigung wäre keine Lösung

Auch viele Nachbargemeinden haben derzeit Mühe, Nachfolger für den Gemeinderat zu finden. Könnte ein höherer Entschädigungsansatz, wie er in gewissen Gemeinden schon eingeführt wurde, dem Abhilfe schaffen? «Im Falle von Leimbach denke ich das nicht, schon, weil wir als kleines Dorf gar nicht so viel Geld haben», sagt Murer.

Eine hohe finanzielle Entschädigung sei die falsche Motivation. Wichtiger seien das Herzblut für seine Wohngemeinde und der Wille, sich dafür einzusetzen und etwas zu bewegen. Auch sonst denke sie nicht, dass mehr Entschädigung auch mehr Kandidaten anziehe.

«Heute werden Anwälte beschäftigt»

Ist der Job der Gemeindepolitikerin über 17 Jahre hinweg anstrengender geworden? «Etwas schon», sagt sie. «Früher ist man eher an den Tisch gesessen und hat diskutiert, wenn ein Problem aufgetreten ist. Heute werden Anwälte beschäftigt.» Trotzdem betont sie: «Leimbach ist ein gäbiges Dorf.» Da es klein sei, sei die Situation zum Glück nicht so extrem wie in grösseren Gemeinden. «Man geht hier noch aufeinander zu.»

Der Wegfall des politischen Amts ist nicht die einzige Veränderung in Murers Leben. Vor einem Jahr hat sie mit 49 Jahren von der Gesundheits- in die Verlagsbranche gewechselt. Für das «Dorfheftli» erstellt sie Werbekonzepte für die Region Wynental. Damals habe sie sich gesagt: «Wenn ich beruflich noch einmal etwas ganz anderes machen möchte, dann jetzt.»

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