Kirchleerau
Ammann ist offen für den Wandel, aber Bewährtes will er nicht über Bord werfen

Seit Anfang Jahr ist Erich Hunziker Gemeindeammann – er versteht sich als Teamplayer. Eine Fusion mit Moosleerau strebt er nicht an, die Initiative dazu müsste eh von den Stimmbürgern kommen: «Schliesslich wächst die Demokratie von unten nach oben.»

Barbara Vogt
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Erich Hunziker, der neue Gemeindeammann, blickt vom Nackgebiet gerne übers Suhrental.

Erich Hunziker, der neue Gemeindeammann, blickt vom Nackgebiet gerne übers Suhrental.

Annika Bütschi

In einer Waldnische, im Nackgebiet, verzweigen sich die Wege. Erich Hunziker wählt denjenigen, der den schönsten Ausblick übers Dorf und Tal und über die Moränen freigibt. Was er sieht, gefällt ihm: der alte Dorfteil Kirchleeraus, die neu entstehenden Bauten, die noch schneebedeckten Berge. «Als Gemeindeammann braucht man Weitsicht, man muss über den eigenen Horizont hinwegblicken können», sagt er.

Was ihm von seinem Aussichtspunkt aus nicht gefällt, ist die Kantonsstrasse. Der Verkehr sei immens. Da macht sich Hunziker besonders grosse Sorgen über die Sicherheit der Schüler.

Zur Person

Erich Hunziker (43) wuchs bei seinen Grosseltern in Kirchleerau auf. Er lernte in einem Betrieb in der Nachbarsgemeinde Moosleerau Schreiner. Heute arbeitet er zu 80 Prozent bei der Transportabteilung beim Migros-Genossenschaftsbund Zürich. Daneben betreiben er und seine Partnerin Saskia Schmidt die Firma «Hunziker's Fahnenwelt». Erich Hunziker und Saskia Schmidt haben drei Kinder im Alter von 5, 11 und 17 Jahren. In seiner Freizeit fährt der Gemeindeammann Töff oder steht im Schiessstand. Früher nahm er an nationalen und internationalen Wettkämpfen in 300 Meter Schiessen teil. (bA)

Das Waldstück oberhalb der 800-Seelen-Gemeinde kennt Hunziker – ein leicht zugänglicher Typ mit Dreitagebart – seit seiner Kindheit. Früher, so erinnert er sich, habe er in diesem Waldstück gespielt, und sonntags sei er mit seinen Grosseltern hier hochgekommen. «An einem Baum hing ein Windrädchen. Zu sehen, wie es sich im Wind dreht, hat mich fasziniert.»

Doch Hunziker ist kein Fähnchen, das sich nach dem Wind dreht. Er weiss, was er will: «Habe ich mich einmal für eine Sache entschieden, führe ich sie zu Ende.» Er verfolge seine Linie, ohne stur zu sein, beschreibt ihn seine Vorgängerin, Alt-Gemeindeammann Walburga Müller. «Er verfügt über Fachkompetenz, ist zuvorkommend und kommunikativ.»

Kommunikation ist denn auch ein Thema für den neuen Gemeinderat. An einer kürzlichen Klausurtagung am Hallwilersee erarbeitete er ein Konzept, um die Kommunikation mit den Einwohnern zu verbessern. Hunziker greift, ungeachtet von Handy und E-Mail, am liebsten zur altbewährten Methode: zum Gespräch. «Dies ist persönlicher und klärt vieles auf.» Die direkte Kommunikation habe auch etwas mit Wertschätzung zu tun, «man zeigt seinem Gegenüber, dass man sein Anliegen ernst nimmt.»

So versucht der Gemeinderat vermehrt mit Neuzuzügern in Kontakt zu kommen und lädt sie künftig zu einem Neuzuzügerapéro ein. Die Bautätigkeit im Dorf sei rege, sagt Hunziker. Das Wohngebiet Biel wächst durch neue Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser und auch am Römerweg entstehen neue Bauten.

Trotz Neuzuzügern hofft Hunziker, dass Kirchleerau lebendig bleibt und zu keiner Schlafgemeinde verkommt. Er wünscht sich Einwohner, die im Dorf aktiv sind. Die Feuerwehr und Vereine seien für Neuzuzüger Organisationen, um sich ins Gemeindeleben einzugliedern. Mit Stolz sagt er: «Die Feuerwehr Leerau war die erste fusionierte Feuerwehr im Kanton.»

Fusion muss vom Volk kommen

Von einer Fusion zwischen Kirchleerau und Moosleerau – jenen zwei Gemeinden, die sich über die Gartenhecke hinweg necken – will Hunziker jedoch reichlich wenig wissen. «Bei einem Zusammenschluss muss ein Benefiz rausschauen, bei zwei kleinen Gemeinden ist das nicht der Fall.» Die Bevölkerung und nicht die Behörde müsse die Initialzündung für eine Fusion geben. «Schliesslich wächst die Demokratie von unten nach oben.»

Erich Hunziker, ein SVP-Mann, versteht, wieso in Kirchleerau derart viele Stimmbürger für die Masseneinwanderungs-Initiative waren: Die Leute fürchten sich davor, ihre eigene Kultur zu verlieren. Er weiss sehr wohl, wann er Tradition und Moderne trennen muss: «Alles ist im Wandel und man sollte offen sein für Neues. Bewährtes darf man aber nicht einfach über Bord werfen.»

Der Gemeindeammann sieht sich als Dienstleister für seine Gemeinde, aber nicht als Verwalter. Er will, dass sich die Gemeinde zusammen mit der Bevölkerung weiterentwickeln kann. «Ich bin ein Teamplayer.» Von seinen Ratskolleginnen und Kollegen erwartet Hunziker Ehrlichkeit und Engagement. «Durch Engagement erwächst Kompetenz.»

Ein Projekt, das der Gemeindeammann und seine Kollegen in nächster Zeit angehen, ist die Sanierung des Schulhauses. Dabei geht es auch um die Erneuerung der Heizung. Ideen dafür sind vorhanden. Welche schliesslich verwirklicht wird, hänge von den finanziellen Mitteln («wir haben es nicht an den Haufen») und dem Souverän ab, sagt Hunziker: «Diesen Entscheid setzen wir um. Das ist Demokratie.»

Wenn ihm die Politik zu kompliziert erscheint, steigt Erich Hunziker zu seinem Aussichtspunkt im Nack hoch. Von dort blickt er dann wieder über den eigenen Horizont hinweg.