Bald ist die Rebe nicht mehr nur in Wilibergs Gemeindewappen präsent, sondern gehört auch real zum Dorfbild. Den Weg ins Wappen fand die Traube wegen eines Weinleser-Geschlechts. Reben wurden im Dorf aber offenbar nie im grossen Stil angepflanzt.

Das wird sich nun ändern: Die Familie Müller aus Staffelbach konnte auf den 1. Januar dieses Jahres ein Stück Land an steilster Lage in Wiliberg kaufen. «Wir haben zuvor lange studiert, was wir mit diesem Landstück machen könnten», sagt Ruedi Müller.

Er bewirtschaftet zusammen mit seinem Sohn Michael in einer Generationengemeinschaft einen Hof auf dem Kalt. Sie betreiben eine Schweinezucht, eine Schreinerei und eine Pferdepension. Auch Ruedi Müllers Frau Margreth und seine Schwiegertochter Chantal helfen tatkräftig mit.

«Im Schlaf kam ich plötzlich auf die Idee, an diesem steilen Hang Reben anzupflanzen», erzählt Ruedi Müller weiter. Langsam reifte die Idee zu einem Projekt mit Hand und Fuss. Die Rebbaukommission des Kantons machte einen Augenschein vor Ort.

Schnell stellte sich heraus, dass aufgrund des steilen Hanges eine Bewirtschaftung von längs angelegten Reben-Reihen zu schwierig wird. Deshalb hat sich die Familie Müller entschieden, Terrassen anzulegen. Zehn an der Zahl.

«Weil dadurch aber ziemlich grosse Erdverschiebungen anfallen, mussten wir noch ein Bodenschutzkonzept erarbeiten lassen», sagt Margreth Müller. Dieses regelt den sorgfältigen Umgang mit dem Boden und garantiert, dass die Fruchtbarkeit erhalten bleibt.

Ideales Mikroklima

Mittlerweile liegt die Baubewilligung für den 50 Aren grossen Rebberg in Wiliberg vor. Und dies obwohl ein wichtiges Kriterium nicht erfüllt ist: Der Anbau von Reben wird im Aargau in der Regel bis auf 500 Meter über Meer genehmigt, der geplante Weinberg in Wiliberg liegt höher.

Doch die Reben kommen laut Peter Rey, Rebbau-Kommissär, an einem Ort zu stehen, wo das Mikroklima ideal ist. Der Standort befindet sich in einem Kessel mit starker Sonneneinstrahlung und ist gegen Süden exponiert. «Der Hang ist zudem extrem steil. Je steiler der Hang, desto intensiver die Sonneneinstrahlung und desto besser für den Reifeprozess der Trauben», sagt er.

Seit Anfang Woche gräbt ein Baggerfahrer nun die Erde um. Terrasse um Terrasse wird entstehen. Jeweils 220 Meter lang. Danach wird eine Winterbegrünung angesät, deren Wurzeln den Boden zusammenhalten.

Die Traubensorten haben die Müllers nach dem Ausschlussverfahren ausgewählt. Weil der Rebberg rund 600 Meter über Meer liegt, braucht es eine Sorte, die früh reift – und sich für den biologischen Anbau eignet. «Zehn Höhenmeter machen jeweils einen Tag Reifeverzögerung aus», weiss Ruedi Müller.

Im Juni werden die Reben der weissen Sorten Solaris und Souvignier gris gepflanzt. Zwei pilzwiderstandsfähige Weissweinsorten, die sich für die Produktion von Bio-Wein eignen. «Wir wollen einen Bio-Wein produzieren, weil wir die Reben nicht chemisch behandeln und ein Nischenprodukt herstellen möchten», sagt Margreth Müller. Ein Jahr später werden dann auch die Rotweintrauben angepflanzt: Divico und Maréchal Foch, ebenfalls zwei pilzresistente Sorten.

Frauen kümmern sich um Reben

Die beiden Frauen der Familie werden sich künftig um die Reben kümmern. «Wir werden einen Rebbaukurs auf der Liebegg besuchen», sagt Margreth Müller. Sie freut sich auf ihre neue Aufgabe in den Reben.

Ein neuer Betriebszweig, den sich die Familie etwas kosten lässt: 150 000 Franken sind budgetiert. Für die Bepflanzung und Terrassierung des Rebbergs rechnet sie rund 60 000 Franken, weitere 60 000 Franken kommen für die Spezialfahrzeuge und die rebbaulichen Geräte hinzu. Für unvorhergesehene Massnahmen wurden weitere 30 000 Franken budgetiert.

«Wenn alles gut läuft, können wir im Jahr 2020 zum ersten Mal unseren eigenen Tropfen verkaufen», sagt Margreth Müller und lacht. «Nervös bin ich überhaupt nicht, wir haben unser Rüstzeug», ergänzt Ruedi Müller. Einzig das Wetter könne er nicht beeinflussen. «Aber wir sind Landwirte, dieses Risiko sind wir uns gewohnt», sagt er.

Auch Peter Rey ist zuversichtlich: «Das kommt auf jeden Fall gut. Die Familie Müller wird eine kleine Nische bewirtschaften, denn die Region Suhrental war bis jetzt auf der Weinbaukarte ein weisser Fleck.» Deshalb ist er sich sicher, dass die Familie den Wein später auch im Direktverkauf unter die Leute bringen kann.

Noch ist offen, wo die Familie ihre Reben keltern wird. Rund 4000 Flaschen könnten bei optimalen Bedingungen pro Jahr abgefüllt werden. Jetzt müssen die Müllers nur noch einen Namen für ihren Wein finden, dafür lässt sie sich noch Zeit. Klar ist aber der Name des Rebberges: «Wyliberg».