«Schade, wenn die Sonne schiene, flösse mehr Wasser», sagt Spengler Martin Tanner aus Kirchrued am Ostermarkt der Schlossrueder Landfrauen. Neben seinem gedeckten Stand steht ein Brunnen aus einer Milchkanne, deren Deckel so sitzt, als lache einen da ein nasenloses Wesen verschmitzt an. Dieses Wesen brünzelt ungeniert Wasser in eine Wanne. Sonnenkraft hält den Umlauf aufrecht. Martin Tanner ist ein Markt-Urgestein: «Nur einmal habe ich nicht mitgemacht.»

Gross zum Arbeiten kommt Tanner nicht; seine Kupferrose muss warten. Willy Lüscher will fachmännischen Rat. Das ist ganz im Sinne des Handwerkers: «Für mich ist das Werbung; die beste Gelegenheit in Kontakt mit den Kunden zu kommen und sich im Dorf zu zeigen.» Stets macht er für den Markt metallene Objekte, für den Garten zum Beispiel. Schwierig sei es, jedes Jahr etwas Neues zu bringen. Wenn er gerade nicht wegen einer Heizungsreparatur gefragt wird, setzt er sich an seinen Arbeitsplatz und biegt Rosen oder arbeitet an einem Kupfergecko.

Tanner hat nicht nur den aberwitzigen Bränten-Brunnen erfunden (und einen verkauft); er ist einer jener wenigen Dutzend Handwerker in der Schweiz, die Schnapshäfeli restaurieren dürfen. Ein Exemplar steht neben dem Brunnen. «Ich hab solche auch schon für die Brennerei Anker zwäggmacht», sagt er. Derweil Sohn Christian an den Kupferrosen weiter arbeitet.

Professionelle Hobbyarbeiten

Gleich daneben, zwischenzeitlich dem Regen ausgesetzt, arbeitet «Drechslerheinz» Hunziker aus Küttigen. Der gebürtige Schmiedrueder ist zum zweiten Mal am Ostermarkt dabei. Er war Schreiner und Freizeitdrechsler und frönt nun seit zwei Jahren intensiver einem alten Handwerk. «Ich konnte eine Werkstatt kaufen», sagt er. Nussknacker, Kugelschreiber, Pfeffermühlen, Zapfenzieher, Schalen gehören zu seinem Sortiment. Und für den Ostermarkt Eier aus Holz.

Demonstriert wird auch in der Turnhalle. Irène Vogel aus Oberentfelden lädt zum «Show-Filzen» ein. Erstaunlich, welche Bilder aus der ursprünglichen Schafwolle entstehen. Und Markus Merz aus Boniswil erweist sich als Tüftler, wenn es gilt, mit malerischen und kalligrafischen Mitteln neue Effekte zu erzielen. Einst hat er Kurse geleitet; stolz zeigt er seinen Ordner. Auch die Kinder können aktiv werden: beim Natur- und Vogelschutz Nistkästen zusammenschrauben und im Kirchenzelt Brätelstecken schnitzen.

Hanna Hunziker aus Walde zeigt nicht nur Nahrungsmittel aller Art. «Das gibt ein Körbli», sagt sie. Den Boden hat sie bereits geflochten. Nun befeuchtet sie die geschälten Weidenruten und macht sich an den Aufbau des eigentlichen Korbes. In der Turnhalle und in den Gängen kann man dem Glasbläser über die Schulter gucken, aber auch mit der Stickerin oder der Ritzerin ins Gespräch kommen. Und die Schmiedrueder Landfrauen stellen fast im Akkord Bräzeli her.

An die 60 Stände, 45 alleine auf dem Schulhausplatz, suchten am Samstag Kundschaft: Textiles, Hölzernes und Schmuckgegenstände. Und an den Pflanzenständen wurde der Oster- zum Frühlingsmarkt.