Gemeindehausplatz
«Am Mittag herrscht Verkehrschaos»: So will Menziken Elterntaxis eindämmen

Der Gemeindehausplatz von Menziken soll neugestaltet werden. Dies, nicht nur, um endlich ein ansehnliches Zentrum zu schaffen, sondern auch um einem Problem Herr zu werden.

Melanie Eichenberger
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Ruhe vor dem Sturm: Am Mittag herrscht hier jeweils Hochbetrieb.MEB

Ruhe vor dem Sturm: Am Mittag herrscht hier jeweils Hochbetrieb.MEB

Marina Bertoldi

«Am Mittag herrscht vor dem Gemeindehaus ein Verkehrschaos», sagt Gemeinderat Andreas Mäder (62, SVP). Man könne kaum zuschauen, wenn die Menziker Eltern ihre Kinder von der Schule abholen und gleichzeitig Schüler mit dem Velo oder zu Fuss über den Platz gehen würden. «Ein richtiges Ghetto herrscht hier jeweils», erklärt Mäder anlässlich der Partei- und Presseinformation für die kommende Gmeind. Gemeindeammann Erich Bruderer (46, FDP) bezeichnet den Platz als «Hotspot».

Am 7. November können die Menziker darüber entscheiden, ob der Gemeindehausplatz für 750'000 Franken neu gestaltet werden soll. Ziel des Projekts: Den Fuss- und Fahrverkehr klar trennen, der Gemeinde ein zeitgemässes Erscheinungsbild verleihen und die Nutzbarkeit aufwerten. «Der Gemeindehausplatz soll als zentraler Treffpunkt dienen und für öffentliche Anlässe genutzt werden», steht in der Einladung zur Gemeindeversammlung.

Elterntaxis kanalisieren

Die Zufahrtsstrasse zum Gemeindehaus ist breit, es hat viele Parkplätze und in der Mitte des Platzes ist ein Warnhinweis aufgemalt, der die Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam macht, dass hier Schulbetrieb herrscht. Bei Anlässen oder eben wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zu Schule bringen und wieder abholen, entsteht ein wildes Durcheinander. Täglich komme es zu gefährlichen Situationen, wie die Gemeinde schreibt. Zudem sei der bestehende Teerbelag marod und müsse altershalber ersetzt werden. «Flicken bringt nichts mehr», sagt Andreas Mäder. Nur schon die Erneuerung der Strasse und des Belags würde eine Viertelmillion Franken kosten. «Warum nicht die Gelegenheit nutzen und die Verkehrsführung jetzt klar strukturieren», so Mäder weiter.

Die Fahrbahn wird verkleinert, die Fussgänger erhalten einen eigenen Gehweg und die Parkplätze entlang des Gemeindehauses werden bis auf vier Kurzparkplätze aufgehoben. Die Parkfläche am Standort des ehemaligen «Hedigerhauses» bleibt bestehen. «So können wir die Elterntaxis zwar nicht verhindern, aber immerhin kanalisieren», sagt Gemeinderat Mäder. Somit werde die Sicherheit für die Schüler verbessert. «750 000 Franken sind zwar viel Geld, wir bekommen dafür aber auch viel», ist Gemeindeammann Bruderer überzeugt.

Schöneres Zentrum als Reinach

Nebst dem Sicherheitsaspekt scheint es dem Menziker Gemeinderat wichtig zu sein, dass das Dorf endlich ein richtiges Zentrum erhält. Bäume sollen gepflanzt werden, ein Brunnenplatz soll entstehen und vor der Turnhalle soll die Fläche der aufgehobenen Parkplätze Platz bieten, um nach Veranstaltungen oder Zivilhochzeiten Apéros auszurichten. «Dann haben wir einen schöneren und grüneren Gemeindehausplatz als die Reinacher»,sagt Andreas Mäder und lacht.

Wird dem Traktandum an der kommenden Wintergmeind zugestimmt, ist es nicht die einzige Verschönerung, die Menziken bevorsteht. Mit dem seit Jahren leerstehenden Waag-Hotel und dem dazugehörigen Waag-Areal gebe es neue Pläne. Die Eigentümerin, die Zielbau AG, habe dem Gemeinderat ein Projekt vorgestellt, das unterdessen beim Kanton liege. Bis Ende Jahr soll es zum Baubewilligungsverfahren kommen. Es sei ein tolles Projekt. «Es sind Wohnungen, ein Restaurant und ein schön gestaltetes Areal geplant», verrät Andreas Mäder. Auch der Zugang zum hinteren Schulhaus sei gewährleistet.

Weitere Traktanden: Nächstes Jahr findet ein Jugendfest statt

Die Menziker haben am 7. November über einen weiteren Verpflichtungskredit im Umfang von 272 000 Franken abzustimmen. Weil die Eigentümer des privaten «Primeliwegs» im nächsten Jahr eine Belagserneuerung der rund 200-Meter langen Strasse planen, mache es Sinn, die Wasserleitung aus dem Jahr 1968 zu ersetzen. Für die Leitung sei eine erhöhte Schadenhäufigkeit dokumentiert, schreibt die Gemeinde. Der Ersatz der Kanalisationsleitung ist nicht vorgesehen – diese müsse in den nächsten 20 Jahren nicht saniert werden. Zudem werden die bestehenden Hydranten erneuert und die Hauszuleitungen im Strassenbereich ersetzt.

Bei einem unveränderten Steuerfuss von 120 Prozent stimmt der Souverän auch über das Budget ab. Die Gemeinde verzeichnet ein unverändert tiefes Niveau an Steuereinnahmen. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 1692 Franken (2018: 1640 Franken) liegt Menziken 36 Prozent unter dem Kantonsschnitt. Auch die Ausgaben im sozialen Bereich sind weiterhin steigend. Eindrücklich zeigen dies die Kosten der unbezahlten Krankenkassenprämien, die seit 2018 von den Gemeinden übernommen werden müssen. Mit 320 000 Franken ist Menziken überproportional stark belastet.

Menziken rechnet nach der Sanierung des Hallenbades dank der erhöhten Eintrittsgebühren mit einer Entlastung im Bereich Kultur, Sport und Freizeit. Und im Bereich Bildung sind nebst allgemeinen Unterhaltsarbeiten für 112 000 Franken, 70 000 Franken für den Aufbau der Oberstufen-Kreisschule und 50 000 Franken für das alle vier Jahre stattfindende Jugendfest eingeplant worden. (MEI)