Damals im Aargau

Am 4. September 1963: Als in Dürrenäsch eine brennende Swissair vom Himmel stürzte

Am 4. September 1963 passiert in Dürrenäsch das erste grosse Flugzeugunglück der Schweiz

Im Video: Originalmaterial von der Unglücksstelle, gefilmt für die Tagesschau des Schweizer Fernsehens, teilweise ohne Ton.

Der Absturz der Swissair-Caravelle imSeptember 1963 riss einen Krater in den Ackerboden von Dürrenäsch und ein Loch Bevölkerung von Humlikon im Zürcher Weinland. Im einen Dorf wurden wie durch ein Wunder alle verschont, im anderen wurde fast eine ganze Generation ausgelöscht.

Es war ein Szenario, das sich damals wohl kaum jemand ausmalte. Die Swissair galt als solide, sichere Fluggesellschaft, das Fliegen in den 1960ern als neue Errungenschaft. Und dann riss eine Caravelle der Swissair, die am 4. September 1963 am frühen Morgen in Kloten startete, 80 Menschen in den Tod. 

Auf dem Weg nach Genf stürzte die Maschine in Dürrenäsch in einen Acker. Haarscharf an zwei Bauernhäusern vorbei und mit einer solchen Wucht, dass sich die Flugzeugtrümmer und Leichenteile tief ins Erdreich gruben. 

In Dürrenäsch kam wie durch ein Wunder niemand ums Leben. Aber in einem anderen Dorf nur rund 50 Kilometer nördöstlich fehlte von einem Moment auf den anderen ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung – 43 der 80 Opfer kamen aus Humlikon im Norden von Winterthur.

Sie waren im Rahmen des Jahresausfluges der landwirtschaftlichen Genossenschaft unterwegs, unter ihnen der gesamte Gemeinderat und die Schulpflegemitglieder. 54 Kinder und Jugendliche verloren ihre Eltern, 8 wurden Halbwaisen. Es ist das erste grosse Flugzeugunglück der Schweiz.

In tausend Stücke zerborsten

Brennend sei das Flugzeug vom Himmel gefallen und am Boden dann explodiert, zitiert die Neue Zürcher Zeitung in ihrem Bericht über das Unglück Augenzeugen. «Durch den Aufprall wurde ein riesiger Krater ausgehoben, während das Flugzeug in Tausende von Stücken zerborst», heisst es weiter. «Beim Absturz wurden noch zwei landwirtschaftliche Liegenschaften vom Flugzeug berührt und gerieten in Brand.»

Einen Lärm hätte sie erst gehört, den sie nicht habe einordnen können, erzählt eine Dürrenäscherin in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens (Video oben). «In dem Moment flogen Glasscherben herunter und im Brunnen draussen war alles rot.» Schnell waren Polizei und Feuerwehren vor Ort, bald auch Tausende Schaulustige.

Die Caravelle war nicht mehr steuerbar

Laut der NZZ herrschte in Dürrenäsch an diesem Morgen «dichter Nebel». Dieser spielte auch eine Rolle bei der Suche der Ursache für den Absturz. Denn Nebel hatte es auch auf der Piste der Zürcher Flughafens.

Nicht abschliessend geklärt ist laut dem Dokfilm des Schweizer Fernsehens, der 50 Jahre nach dem Unglück ausgestrahlt worden ist, ob der Pilot vor dem Start das sogenannte «Nebelverblasverfahren» angewendet hatte. Mit dem Hin- und Herrollen auf der Piste, dem Aufwärmen der Triebwerke, versuchten die Piloten damals, den Nebel auf der Piste aufzulösen.

Fakt ist laut dem Schweizer Fernsehen: Ein Rad hatte sich erhitzt und ist bereits vor dem Start gebrochen. Nach dem Einziehen des Fahrwerks hat sich Hydraulikflüssigkeit entzündet, alle Hydrauliksysteme sind ausgefallen, die Caravelle war nicht mehr  steuerbar. Nur wenige Minuten nach dem Start stürzte sie ab.

Das Unglück «von bisher nicht gekanntem Ausmass»

Laut dem Schlussbericht der Eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommission gab es zwischen dem Nebelverblasverfahren und der Überhitzung der Bremsen keinen Zusammenhang. Die Frage, ob die laut dem SRF umstrittene Praxis zur «Nebelauflösung» fahrlässig war, blieb unbeantwortet. Das Gerichtsverfahren wurde eingestellt.

«Eines steht fest», schrieb die NZZ, «dass die Swissair und damit die Schweiz von einem Unglück bisher nicht gekannten Ausmasses betroffen worden ist.»

Meistgesehen

Artboard 1