Der Sieger am Kantonalschwingfest vom 15. Juni in Unterkulm erhält keinen Pokal. Der OK-Präsident legt ihm nach dem Schlussgang das eine Ende eines Hanfstricks in die Hand. Am andern Ende des Stricks steht dann «Valesco», ein knapp zweijähriger Holstein-Stier. Gespendet von Felix und Karin Stauber aus Zetzwil, kommt «Valesco» vom Hof des Züchters Daniel Stadler. «Valesco» ist von guten Eltern, seine Mutter hört auf den Namen «Glacier Impala» und der Vater auf «Goldwyn Destry».

Geduldig liess sich «Valesco» von Daniel Stadler auf den Taufplatz führen, liess es geschehen, dass ihm der Schwingerkönig von Sitten 1986, Harry Knüsel, mehr denn einen tüchtigen Schluck Champagner über den Kopf schüttete. «Valesco» leckte gar gierig mit der Zunge nach den Champagnertropfen. Da ist einer auf den Geschmack gekommen.

Beim Schwingen sei es Tradition, dass den Siegern Lebendpreise überreicht werden, sagt Knüsel. Die Tiere würden aber von den Schwingern häufig verkauft, denn lange nicht jeder habe zu Hause Platz für einen Muni. «Es ist aber ein schöner Brauch, schöner als etwa die Übergabe von Preisgeld mit einem Check.»

Fünf Lebendpreise stehen am 108. Kantonalschwingfest in Unterkulm für die verschiedenen Kategoriensieger bereit. Alle wurden sie gespendet von Leuten aus der Region, die sich mit dem Schwingsport besonders verbunden fühlen. Nebst «Valesco» wird das Redholstein Rind «Rosalie», gespendet von Yvonne und Alfred Bolliger, Gontenschwil, am Fest einem Sieger übergeben. Die beiden Firmen, Feldschlösschen und Schlör Getränke, Menziken, spenden «Henry», ein Freiberger Fohlen.

Weiter gehört zu der Preisgruppe «Romana», ein Holstein-Rind, welches der Reinacher Hansruedi Fankhauser spendet. Beatrice und Robert Zimmerli aus Unterkulm werden «Sandy» übergeben, ein Red-Holstein-Rind. Noch nicht auf dem Kasernhof stationiert sind die beiden Walliser Schwarznasenschafe, welche Günter Flachsberger aus Unterkulm gespendet hat.

Die Schwinger gehen im Wettkampf zwar hart zur Sache, aber sie verkörpern nebst ihrem Leistungssport immer etwas von Swissness. Volkstum gehört unbedingt zu einem Taufanlass wie gestern auf dem Kasernhof. So umrahmten die Alphornklänge, gespielt vom Alphorn-Trio Trostburg aus Teufenthal bestens zu dem Anlass.

Als Gastschwinger wird in Unterkulm der aktuelle Schwingerkönig Matthias Sempach antreten. Er trifft je nach Einteilung auf zwei starke Aargauer Kranzschwinger: Mario Thürig aus Möriken und Christoph Bieri aus Untersiggenthal. Wer wird wohl wem das Sägemehl vom Rücken klopfen? Der Schwingerkönig könne durchaus auf eine harte Probe gestellt werden, sagte Medienchef Wolfgang Rytz. Und es sind zwei weitere eidgenössische Kranzschwinger angemeldet: Die beiden Solothurner Bruno Gisler und Remo Stalder

Nach der Präsentation stehen die Tiere wieder in ihren Ställen, während ihre künftigen Besitzer in den Schwingkellern emsig trainieren.