Es ist eine lauschige Bank, die oben am Juraweg steht, dem «Panoramaweg» Schöftlands. Der Blick geht übers Fussballfeld zu den Schulgebäuden, zwei mächtige Bäume spenden Schatten. «Leider ist das Bänkli für Leute mit Rollator ungeeignet, denn man muss vom Weg her zuerst einen Tritt runtersteigen», sagt Benno Beck. Der 72-Jährige ist Mitglied der Alterskommission, die 2016 gegründet wurde. Morgen wird er mit seinen Kommissionskollegen den ganzen Tag in den Schöftler Zentrumsquartieren unterwegs sein, um herauszufinden, welche Bedürfnisse die dortigen Senioren haben.

Dabei geht es nicht nur darum, an welchen Bänken Verbesserungen angebracht werden müssen. Die Kommissionsmitglieder, unter ihnen auch alt Gemeindeschreiber Ruedi Maurer und Gemeinderätin Anja Gestmann (SP), möchten Anregungen aller Art sammeln, die das Leben der älteren Anwohner vereinfachen könnten. Welche Sorgen sie im Alltag haben, was sie im Quartier vermissen, was sie sich in der Nachbarschaft wünschen. An der Begehung dabei sein werden auch Personen der Kirchen- und der Schulpflege.

Mitspazieren dürfen nicht nur Senioren, «alle Altersgruppen sind willkommen, auch Kinder» sagt Gestmann. So sei, wenn es um die Vereinsamung von älteren Nachbarn gehe, die Hilfe eines jüngeren Quartierbewohners, der ein Besuch oder eine Besorgung macht, sehr willkommen. Vernetzung sei das A und O gegen Vereinsamung.

Begegnungsorte im Quartier

«Die Anzahl Leute im Seniorenalter nehmen zu und wir wollten uns ihren Bedürfnissen annehmen», sagt Kommissionsmitglied Ruedi Maurer über den Anstoss der Gründung der Alterskommission durch die Gemeinde vor zwei Jahren. Der langjährige Schöftler Gemeindeschreiber hat mit seiner Pensionierung Ende letzten Jahres selbst seit kurzem Seniorenstatus. «Es gibt viele Angebote von lokalen Organisationen, die Begegnungen schaffen. Wir wollen dafür sorgen, dass die Senioren diese auch kennen.»

Die Teilnahme an Senioren-Aktivitäten ist das eine. Doch auch im eigenen Quartier sollen sich ältere Bewohner wohlfühlen. «Dazu braucht es Ecken und Plätze im Quartier, wo man zum Schwatz verweilen kann», sagt Gestmann. Im Idealfall würden diese nur wenige Schritte von der Wohnungstür entfernt liegen. «Ältere Personen», so Gestmann, «zögern oft, für Anlässe bis in den Dorfkern zu gehen.» Für viele sei die Hemmschwelle, überhaupt das Haus zu verlassen, bereits zu gross. Treffe man aber schon nahe der Wohnung auf Bekannte, sei die Motivation, rauszugehen, hoffentlich kleiner.»

Suche nach Schlüsselpersonen

Wie aber schafft es die Alterskommission, dass ihre Zielgruppe für die Quartierbegehung die eigenen vier Wände verlässt? «Schon vor einiger Zeit gingen wir auf die Suche nach Schlüsselpersonen in den Quartieren», sagt Gestmann. Leute, die die Senioren in der Nachbarschaft zum Mitspazieren motivieren können. «Wir waren freudig überrascht, dass über die Hälfte der Kontaktierten ins Projekt eingestiegen sind.» Doch zu früh freuen möchte sich die Gemeinderätin nicht: «Das Ganze hört ja morgen noch nicht auf, das ist erst der Anfang.» Denn danach heisst es, Eindrücke und Anregungen auszuwerten und zu entscheiden, welche man weiterverfolgen will. Wenn möglich möchte die Alterskommission die Quartierbegehung alle sechs Monate wiederholen.

Vom Juraweg geht’s runter zu einem anderen Schauplatz, der morgen an der Quartierbegehung besucht wird: Der Birkenweg zwischen Alterszentrums- und Schulareal wird täglich von vielen Senioren und Schülern frequentiert, aber auch von zahlreichen Fahrzeugen. Trottoirs zum Ausweichen gibt es nicht, was vor allem Bewohner des Alterszentrums verunsichert. Und wieder fällt hier eine Sitzbank auf, die zwar auf Schulgelände steht, auf der aber auch die Älteren gerne einen Zwischenhalt machen. Jedoch steht sie nicht ideal und ist schwierig zu erreichen für Rollatornutzer. Vielleicht kriegt die Alterskommission schon morgen einen Verbesserungsvorschlag dazu.