Gontenschwil

Alt Regierungsrat Rainer Huber: «Es fehlte der notwendige Anstand»

Alt Regierungsrat Rainer Huber beantragte, den Einsatz von Solaranlagen zu prüfen.

Alt Regierungsrat Rainer Huber beantragte, den Einsatz von Solaranlagen zu prüfen.

Der ehemalige Aargauer Bildungsdirektor kritisiert, wie mit seinen Anträgen an der Gontenschwiler Gmeind verfahren wurde.

Es kommt selten vor, dass an einer Gemeindeversammlung unter «Verschiedenes» ein alt Regierungsrat das Wort ergreift. An der Gontenschwiler Gmeind vom Freitag geschah genau das.

Rainer Huber, 71, nebst alt Regierungsrat auch ehemaliger Ammann von Berikon, brachte zwei Anträge ein, die nach dem Verlust des Oberstufenstandorts das Image des Dorfs wieder heben sollten. Davon, wie der Gemeinderat darauf reagierte, ist er schwer enttäuscht.

Rainer Huber, was hat Sie dazu motiviert, an der Gemeindeversammlung das Wort zu ergreifen?

Rainer Huber: Die Schweiz hat die Energiestrategie 2050 angenommen und das Klimaschutzabkommen mitunterzeichnet. Unser Dorf soll einen Beitrag zu den erforderlichen Zubauraten bei der Fotovoltaik leisten. Ich nehme die Mitverantwortung für unsere Zukunft ernst.

Haben Sie das am letzten Freitag zum ersten Mal getan, seit Sie nicht mehr Gemeindeammann von Berikon sind?

Ja.

Was möchten Sie in Gontenschwil bewirken?

Der Gemeinderat soll prüfen, wie ein vernünftiger Busbetrieb nach Reinach realisiert werden kann und in welcher Form Gontenschwil einen ersten Schritt in Richtung eines «Solar-Dorfes» machen könnte. Die Bemühungen des Gemeinderates für ein noch besseres Image würden durch derartige Massnahmen unterstützt.

Haben Sie sich am letzten Freitag vom Gemeinderat ernst genommen gefühlt?

Nein, keineswegs. Jede konstruktiv gemeinte Aussage und jede Frage wurde als Kritik, gar als Angriff aufgenommen. Diese Reaktionen waren überraschend.

Also bemängeln Sie Verfahrensfehler?

Jede Gemeindeversammlung sollte eine Plattform sein, an welcher nach demokratischen Regeln Anträge des Gemeinderates und Vorschläge aus der Versammlung heraus anständig und respektvoll diskutiert und darüber entschieden werden soll. Es fehlte der dazu notwendige Anstand.

Ergreifen Sie dagegen irgendwelche Massnahmen oder geben Sie dem Gemeinderat eine Chance, Ihre Anliegen doch noch aufzunehmen?

Massnahmen zu ergreifen, ist nicht notwendig. Der Gemeinderat hat die Anträge entgegengenommen. Er muss dazu Stellung nehmen. Sicherlich wird er auch den vom Gesetz geforderten Aufgaben- und Finanzplan auf mindestens vier Jahre hinaus den Einwohnern zugänglich machen.

War der Auftritt an der Gemeindeversammlung die einzige Möglichkeit, Ihre Anliegen unter die Leute zu bringen?

Unsere Demokratie sieht diesen offenen Weg vor. Eigentlich müsste dieses Instrument vermehrt genutzt werden. Es fördert den offenen Dialog zwischen Behörde und Stimmberechtigten.

Würden Sie sich wünschen, dass die Gontenschwiler für ihr Dorf etwas mehr Mut hätten?

Jeder Einwohner und jede Einwohnerin, besonders solche mit Wohneigentum, haben ein Interesse an einem hohen Image der Gemeinde. Sie sollen sich dafür mit dem notwendigen Mut, freudig und engagiert einsetzen.

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