Fusion Kulm
Alt-Gemeindeammann Martin Widmer: «Fusion ist für die nächsten Jahre vom Tisch»

«Wenn die Bevölkerung Nein sagt, dann ist es so, das sind die Regeln der direkten Demokratie.» Das sagt Oberkulms Alt-Gemeindeammann Martin Widmer zur gescheiterten Fusion von Unterkulm und Oberkulm.

Hanny Dorer
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Oberkulms Alt-Gemeindeammann Martin Widmer: «Eine Fusion ist für die nächsten Jahre vom Tisch»

Oberkulms Alt-Gemeindeammann Martin Widmer: «Eine Fusion ist für die nächsten Jahre vom Tisch»

AZ

Als Alt-Gemeindeammann von Oberkulm (Vizeammann ab 2002, Gemeindeammann von 2007 bis 2009) hat Martin Widmer die Entstehungsgeschichte der Fusion von Anfang an miterlebt und sie befürwortet. Die «Schweiz am Sonntag» sprach einen Tag nach der Abstimmung mit ihm.

Herr Widmer, wie fühlen Sie sich nach dem gestrigen Scheitern der Fusionspläne?

Martin Widmer: Ich bin schon etwas enttäuscht, muss den Entscheid aber akzeptieren. Wenn die Bevölkerung Nein sagt, dann ist es so, das sind die Regeln der direkten Demokratie. Dass es nicht einfach würde, hat sich in den letzten Wochen gezeigt, als relativ spät ein Anti-Komitee ins Leben gerufen wurde, das dann massiv mit zum Teil fragwürdigen Begründungen, zum Beispiel aus dem Schulbereich, Werbung gegen die Fusion machte.

Wie haben Sie selber die Entstehung der Fusionspläne erlebt?

Ich kann mich noch gut an das Interview erinnern, das az-Redaktor Peter Siegrist mit dem Unterkulmer Gemeindeammann Roger Müller und mit mir geführt hat und das am 17. August 2007 unter dem Titel «Schritt für Schritt nach Kulm» veröffentlicht wurde. Wir waren damals eigentlich zuversichtlich, dass der Zusammenschluss der beiden Gemeinden, von dem wir uns viel Positives versprachen, gelingen würde.

Weshalb wurde überhaupt eine Fusion angestrebt?

Mit dem Zusammengehen wollten wir das Mittlere Wynental stärken. Das obere Wynental hat dank Reinach und Menziken viel Gewicht. Als Zentrumsgemeinde Kulm hätten wir in Aarau auch politisch mehr Gewicht. Unsere Pro-Argumente kamen jedoch bei den Gegnern offenbar gar nicht richtig an.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe, die zum Scheitern der Fusion geführt haben?

Unterkulm hat der Fusion ja diskussionslos zugestimmt. In Oberkulm dagegen wurde moniert, man sei doch eine gute Gemeinde, man wolle eigenständig bleiben, man habe ja ein sehr gutes, aktives Vereinsleben. Zudem hatten die Leute wohl die Befürchtung, Unterkulm gebe nach der Fusion den Ton an. Auch andere Argumente lösten Unsicherheit aus, etwa dass Unterkulm in diversen Bereichen hohen Sanierungsbedarf habe, an dessen Finanzierung man sich beteiligen müsse. Dabei wurde vergessen, dass auch Oberkulm vor grossen Investitionen steht.

Welche Anstrengungen wurden denn von den Befürwortern unternommen?

Letzten Sommer wurde ein Pro-Komitee gegründet, dem je drei Mitglieder aus Unterkulm und Oberkulm angehörten. 17 Wochen lang wurde jeden Freitag die Aussage einer Person veröffentlicht, weshalb die Fusion beiden Gemeinden Vorteile bringe.

Offensichtlich hat das nicht genügt. Was hätte man anders machen können?

Ich fand es sehr gut, wie der Gemeinderat die Sache aufgegleist hat. Es wurden diverse Gruppen mit Leuten aus allen Bereichen gebildet, Workshops durchgeführt. Auch war die Information durch die Behörde sehr gut, vielleicht sogar an der oberen Grenze. Man hatte manchmal ein Gefühl von «schon wieder».

Wie beurteilen Sie den Ausgang der Abstimmung in Oberkulm?

Ich bin froh, dass es nicht ein knappes Nein gab, sondern die Abstimmung so deutlich ausfiel, dass es nicht einmal ein fakultatives Referendum gibt. Ich bin auch erleichtert, dass der Entscheid jetzt gefallen ist und sich alle wieder entspannen können.

Und die Zukunft?

Das Thema Fusion ist auf jeden Fall für die nächsten Jahre von Tisch, denn auch die Behörden der beiden Gemeinden haben den Entscheid klar akzeptiert. Ich hoffe aber, dass die Zusammenarbeit mit Unterkulm wegen dieser Abstimmung nicht angekratzt wird und dass keine schlechten Gefühle zurückbleiben. Die Gemeinsamkeiten sollen weiter gepflegt werden.