Kölliken
Als Frau Holles Federn durchs ganze Dorf flogen

Paul Hofer und Hanni Bossard, Hauswarte an Bezirksschule und Kindergarten, gehen nach über 30 Jahren in Pension. Rückblickend haben sie einige Geschichten zu erzählen.

Peter Weingartner
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Sie haben nun viel Zeit, ihren eigenen Garten zu pflegen: Paul Hofer und Hanni Bossard.

Sie haben nun viel Zeit, ihren eigenen Garten zu pflegen: Paul Hofer und Hanni Bossard.

Peter Weingartner

Den Begriff Abwart hat Hauswart Paul Hofer nie als abwertend empfunden. Über pseudokorrekte Begriffe wie Lernende statt Schüler kann er nur lachen. Er hat einen gesunden Humor. «Wenn du den nicht hast, überlebst du in diesem Job nicht», sagt er augenzwinkernd.

So schlimm kanns nicht gewesen sein: Am 1. Januar 1983 hat er an der Schule Kölliken angefangen; Ende Mai geht er in Pension. Schlüssel und Geschäftsnatel hat er bereits letzte Woche abgegeben.

Hanni Bossard, die seit 32 Jahren in einem Teilpensum für den Kindergarten zuständig ist, lässt Besen und Putzmittel Ende Juni zurück. Heute Mittag werden die beiden 65-Jährigen von der Gemeinde verabschiedet.

Leidenschaft Fussball

«Man würde mir heute wohl Ritalin geben», sagt Paul Hofer und lacht. Fünf Stunden Turnen und eine Stunde Rechnen, das hätte ihm als Schüler gepasst.

Sport ist seine Leidenschaft: Fussball. Beim FC Aarau hat er in der Nationalliga B gespielt, vor allem aber war er mehr als 30 Jahre lang Juniorentrainer in Kölliken und in Suhr.

Die Lehrer haben ihm zum Abschied letzte Woche zwei Tickets für das Spiel Aarau gegen Basel geschenkt. Ja, das Hochrisikospiel. Auf dem Gabentisch liegt auch ein FCA-Schal. Und er schwärmt vom Stadion des FC Bayern München.

Litteringtechniker

«Früher kamen die Kinder zu Fuss in den Kindergarten», erinnert sich Hanni Bossard. Und heute? «Bring- und Holdienst mit dem Auto», witzelt Hofer.

Vieles habe sich verändert. Und am Boden finde man heute statt Zigarettenstummel Joint-Kippen, von den Eltern fallengelassen, sagt Paul Hofer: «Litteringtechniker sind wir eigentlich auch.»

Er hat jüngst beobachtet, wie ein Mädchen ein Eingeklemmtes mit Bündnerfleisch einfach weggeworfen und am Pausenkiosk ein Schöggeli gekauft habe. Die Krähen und Elstern wirds freuen.

Zu seiner Lebensstelle in Kölliken ist der Möbelschreiner nicht zuletzt aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus gekommen. Die Krise 1973 hatte dem jungen Familienvater zu denken gegeben.

Das handwerkliche Geschick kam ihm als Hauswart ebenso zupass wie beim Ausbau des Eigenheims. Hier hat das Werkstück von der Lehrabschlussprüfung seinen Platz.

Hanni Bossard, gelernte Verkäuferin, hat sich, als ihr jüngstes Kind fünf Jahre alt war, um die Stelle für den Kindergarten beworben. «Ich bekam die Stelle nicht, aber ein halbes Jahr später, als die gewählte Person nicht mehr weitermachen wollte, hat man mir den Arbeitspaltz angeboten», sagt sie.

Gute Erinnerungen überwiegen

«Geduld», das brauche ein Hauswart. Der Spruch «Mer gänd nid uuf!», sei zum Leitsatz von Lehrerschaft und Hauswartteam geworden, sagt Paul Hofer.

Hanni Bossard erinnert sich an ein Frau-Holle-Theater im Kindergarten mit richtigen Federn, die nachher im ganzen Dorf herumgeflogen seien. «Ruhig bleiben» musste Paul Hofer, als eine Primarlehrerin flüssiges Kerzenwachs ins Brünneli gegossen hatte. Und den Dreck darf man nicht persönlich nehmen.

Gerne erinnert Hofer sich an die Schulreisen mit Bezirksschulklassen und die Lager im Tessin. Ja, den Kontakt zu Lehrpersonen und Schülern werde er wohl vermissen. «Es geht extrem schnell und die Schüler kennen einen nicht mehr.»

Es bleiben Erinnerungen an Jugendfeste, wo Kinder ihm als Zuschauer viele Blumen gegeben haben: «Ich hatte am Ende einen verdammten Blumenstrauss im Arm!»

«Eigentlich müsste ich dich verpfeifen», habe er einem Erstklässler gesagt, den er beim Rauchen von Zigaretten, die er seiner Mutter geklaut hatte, erwischte. Doch da jeder eine zweite Chance verdiene, machte er einen Deal: «Ich sehe dich nie mehr rauchen während der ganzen Schulzeit.»

Hofer hat ihn nie mehr rauchen sehen. Am letzten Schultag sei der Schüler zu ihm gekommen und habe gestanden, dass er drei Päckli pro Tag rauche. So sei das halt, wenn zu Hause geraucht wird.

Das Bänklein besuchen

«Als Erstes gehe ich nach der Pensionierung nach Vals, mein Bänklein besuchen», sagt Hanni Bossard. Die passionierte Rätsellöserin hat es in einem Wettbewerb gewonnen.

Es trägt ihren Namen und steht neben einem Wasserfall. Handarbeiten, Töpfern, Walken, mit E-Bike und Ehemann unterwegs sein: So stellt sie sich die Zukunft vor. Jeden Tag geniessen ist ihre Devise.

Und Paul Hofer? Die Uhr abziehen, den Wecker versorgen. «Ich versuche, zeitlos zu leben», sagt er. «Alle paar Wochen fragen sie mich wegen der Männerriege», sagt Paul Hofer. Vielleicht später. Viel lieber geht er mit seinen Grosskindern, eine Enkelin besucht bereits die Bezirksschule, an einen Fussballmatch. Und der grosse Garten braucht auch Pflege.