SRF-Sendung
Alles für ein einziges Znacht: Diese Attelwilerin kocht gegen sechs Landfrauen um den Sieg

Für die TV-Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» hat Christa Strub das halbe Haus umgestellt – das dreckige Geschirr mussten die Helfer aber im Schützenhüüsli abwaschen.

Katja Schlegel
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Christa Strub mit den Wollschweinen. Fotos: Ueli ChristoffeL/SRF

Christa Strub mit den Wollschweinen. Fotos: Ueli ChristoffeL/SRF

Ueli Christoffel

Das Besteck ist nigelnagelneu und die Stube ist frisch gestrichen. Mann Michel weiss jetzt, wie man Wein präsentiert, auch wenn er selber keinen trinkt. Und das alles wegen eines einzigen Nachtessens: Christa Strub hat bewiesen, dass man auch in einer Küche vom Format einer Telefonkabine einen Mehrgänger zaubern kann, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt – wenn man denn wüsste, was serviert wurde.

Aber darüber schweigt die 33-Jährige wie ein Grab. Das Geheimnis wird sie wahren bis zum 28. Oktober. Dann sieht es die ganze Schweiz, zur besten Sendezeit.

Christa Strub aus Attelwil ist eine von sieben Landfrauen aus der ganzen Schweiz, die sich für den Kochwettbewerb von «SRF bi de Lüt» die Schürze umgebunden hat. Zum zehnten Mal strahlt SRF die Erfolgssendung aus, gestartet wird am 23. September.

Acht Fernsehabende stehen auf dem Programm, immer freitags um 20.05 Uhr. Dann, wenn Christa Strub noch voll im Schuss ist, wenn die Kinder ins Bett müssen, wenn die Vorbereitungsarbeiten für den Wochenmarkt in Aarau am Samstagmorgen laufen. Aber Christa Strub, auf jedem Knie ein Kind, auf dem Tisch Apfelschnitzli und Bananenrädli, lächelt und sagt: «Dann nehmen wir die Sendung halt auf.»

Einen Monat Vollgas

Christa Strub ist nicht etwa langweilig, nein. Mit ihren drei Kindern, dem Hof mit Charolais-Rindern, Wollschweinen, Schafen, Geissen, Enten und Hühnern und dem Fleischverkauf am Wochenmarkt in Aarau hat sie schon genug zu tun.

Daneben kocht sie für «Swiss Tavolata», einen Verein, der schweizweit Bäuerinnen und Landfrauen zu Gastgeberinnen macht. Und dann wäre da noch der Gemüsegarten, den sie so gerne hätte. Aber den hat ihr Mann Michel vorsichtshalber verboten, und wenn sie ehrlich ist, ist ihr das auch recht. «Wann sollte ich denn auch noch gärtnern.»

Und doch. Das Landfrauen-Ding hat sich die gelernte Hotelfach- und Servicefachassistentin nicht nehmen lassen. Auch wenn das noch einmal doppelt und dreifach so viel Arbeit mit sich gebracht hat.

Sieben Wochenenden sind mit Dreharbeiten besetzt, dazu kommt die eigene Drehwoche. Dafür hat Christa Strub einen ganzen Monat lang gekrampft. «Vollgas», sagt sie. Letzte Woche war es auf dem Hof in Attelwil, das Filmteam, hat die ganze Woche über gefilmt.

Erfolgssendung: Zweimal Suhrental

Neben Christa Strub ist eine weitere Suhrentalerin bei der «Landfrauenküche» dabei: Rita Kaufmann aus Kulmerau LU. Die anderen Kandidatinnen sind Theresia Hollenstein (Brülisau AI), Béatrice Meier (Lustdorf TG), Sonja Schilt (Iseltwald BE), Christa Krähenbühl (Oberhünigen BE) und Nina Padrun (Lavin GR). An sieben Abenden bekochen und bewerten sich die Landfrauen gegenseitig. Die Siegerin wird in der Finalsendung vom 5. November gekürt. «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» ab 23. September, freitags, 20.05 Uhr, auf SRF 1. (KSC)

16 Stunden Rohmaterial sind zusammengekommen, alles mit dem roten Faden «Vorbereitung». Redaktor Daniel Müller habe das so gewollt. «Die Veränderung der Stube vom chaotischen Familienzimmer in die festlich dekorierte Gaststube, das soll sich durch den ganzen Beitrag ziehen.»

Joghurtlöffeln vor der Kamera

Und so drehte das Team am Montag, als die Strubs das mächtige Ecksofa ins Elternschlafzimmer zügelten und die Kinderspielsachen verstauten. Am Dienstag filmten sie, wie Christa Strub neue Vorhänge nähte, Tafeln zimmerte und mit den Kindern Betonherzli für die Deko goss.

Am Mittwoch hielten sie den Sonnenaufgang fest, filmten, wie Sohn Lee in aller Frühe seinen Joghurt löffelte und Vater Michel den Stall ausmistete. Dann gings für Familie und Filmteam auf die Alp im Melchtal, wo die Schafe der Strubs den Sommer verbringen. Am Donnerstag und Freitag wurden die Interviews aufgenommen, einzeln und zu zweit, zur Liebesgeschichte und so, dazu die Vorbereitungsarbeiten und die verzweifelte Suche nach den Essblumen.

Die Wildfremden am Esstisch
14 Bilder
Der zweijährige Phil liebt die Apfelwähe so sehr, dass er gleich zwei Stück isst.
Die Wollschweine interessieren sich brennend für die Fotokamera.
Das herzige Lämmchen möchte man am liebsten mit nach Hause nehmen.
In der Küche steht das Gemüse bereit.
Totes Tier im Stall - da hatten die Kontrolleure keine Freude und gingen gegen die Bäuerin vor. (Themenbild)
Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Die Wildfremden am Esstisch

Chris Iseli

Dazwischen fuhr Christa Strub in der Gegend herum und sammelte die ausgeliehenen Möbelstücke ein, Esstisch, Stühle, Kommode und Schrank, kaufte letztes Geschirr und gönnte sich das neue Besteck-Set.

Und irgendwann war sie bei der Suche nach dem perfekten Wein so verzweifelt, dass sie Albi von Felten vom «Hirschen» in Erlinsbach um Hilfe bitten musste. «Er hat mich gerettet», seufzt sie und nimmt einen grossen Schluck Kaffee, und sowieso, ohne ihre ganze Helferschar hätte überhaupt nichts geklappt.

Dann kam der Samstag, der Hauptdrehtag. Und Christa Strub war so müde, dass die Aufregung ihr in der Nacht noch nicht einmal mehr den Schlaf zu rauben vermocht hatte. «Der Samstagmorgen war schlimm. Ich war mit den Nerven am Ende», sagt sie und lacht.

Zur ganzen Anspannung kam die Angst vom Probeessen. «Da ist alles in die Hose. Das Fleisch war zu trocken, die Vorspeise angebrannt, die Teller waren kalt und das Dessert eine Katastrophe.» Bei einer solchen Anspannung komme selbst sie an ihre Grenzen, sagt sie und verdreht die Augen.

Aber das ist vergessen. Die Premiere ist gelungen. Auch wenn sich Köchin Christa, Helferin Erika und der Kameramann und der Tontechniker in der engen Küche und zwischen Scheinwerfern und zusätzlichem Backofen aneinander vorbeischieben mussten.

Auch wenn das dreckige Geschirr im Schützenhüüsli oben abgewaschen werden musste, um keinen Platz zu verschwenden. Und auch wenn es so heiss war, dass der Puder auf den Wangen zerfloss. «Mir ist alles gelungen, ich bin zufrieden», sagt Christa Strub. Zögerlich. Denn die Ungewissheit darüber, wie die Konkurrentinnen in der Stube das Essen fanden, treibt sie um. «Du siehst keinen Gesichtsausdruck, bekommst keine direkte Rückmeldung. Das macht mich wahnsinnig.»

«So weit kommts noch»

Jetzt steht das letzte Drehwochenende vor der Tür und dann beginnt die Sendung. Aufgeregt? Christa Strub schüttelt den Kopf. «Es geht mir nicht ums Gewinnen. Ich habe so viele tolle Bekanntschaften gemacht, das ist viel wertvoller.»

Auch von der Aufregung um ihre Person hält sie nichts, sie glaubt noch nicht einmal, dass die Leute im Dorf oder am Wochenmarkt in Aarau gross darauf reagieren werden. Rummel ist nicht ihres. Letzthin habe sie einer nach einem Autogramm gefragt. «So weit kommts noch», sagt sie und schüttelt entgeistert den Kopf.

Und was tut sie mit dem Preisgeld, sollte sie denn gewinnen? Sie lacht breit und lehnt sich im Stuhl zurück. «Dann kaufe ich mir ein zweites Set von diesem wunderschönen Besteck.»