Burg
Alle wollen das Handynetz - die Strahlung aber keinesfalls

Mehr Handys erfordern mehr Mobilfunkantennen. Eigentlich eine einfache und logische Rechnung. Doch grosse Teile der Bevölkerung scheuen sich vor der zusätzlichen Strahlenbelastung und argumentieren mit der Abwertung des Ortsbildes.

Sebastian Wendel
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Mobilfunktantenne

Mobilfunktantenne

Aargauer Zeitung

Auch in der Gemeinde Burg möchte die Firma Alcatel-Lucent im Auftrag des Telefonanbieters Sunrise eine Antenne aufstellen. «Auf der Burg gibt es noch keine Grundabdeckung des Handynetzes. Dies hat zu mehreren Reklamationen vonseiten der Kunden geführt», sagt Ralph Meier von der Alcatel-Lucent Schweiz. Im letzten November hat das Unternehmen die Behörden informiert. An einer Informationsveranstaltung gingen die Emotionen hoch. Die Diskussionen in der Bevölkerung bewegen sich seither zwischen fundamentaler Ablehnung gegenüber der Antenne bis hin zur Bereitschaft, das eigene Hausdach als Standort zur Verfügung zu stellen.

Strahlung unter Antenne gering

Direkt nach Bekanntwerden des Bauvorhabens hat sich in Burg die «Arbeitsgruppe für einen fairen Antennenstandort» gebildet. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass von den öffentlichen Gebäuden das Schulhaus und die Turnhalle den grössten Nutzen bringen. Das heisst geringster Emissionswert und eine nur minimale Beeinträchtigung des Ortsbildes», sagt Werner Schneider, Vorsitzender der Arbeitsgruppe. Messungen würden beweisen, dass direkt unter der Antenne die Strahlungswerte am geringsten sind. «Aber erklären Sie das einmal der Bevölkerung», so Schneider.

Der Gemeinderat sichert in einer Mitteilung zu, dass man regelmässig und offen über das Thema informieren werde. An der Gemeindeversammlung vom 17. Juni wurde erneut deutlich, dass Ablehnung und Ängste im Dorf weiter stark vorhanden sind.

Strahlenwerte unter Grenzwert

Aber es geht letztlich nur darum, ob die Antenne auf ein öffentliches oder ein privates Gebäude kommt. Denn verweigern die Burger die Aufrichtung auf dem Schulhaus oder der Turnhalle, weicht die Alcaltel-Lucent auf private Liegenschaftsbesitzer aus. Erste Kontaktaufnahmen sind laut Ralph Meier bereits passiert. Um eine Antenne bauen zu dürfen, müssen Richtlinien wie zum Beispiel über die Strahlenemissionen erfüllt werden.

Ob diese erfüllt sind, entscheidet der Kanton. Im Fall Burg gibt es laut Felicitas Siebert von der Baubewilligungskommission nichts zu bemängeln. «Uns ist bekannt, dass Firmen wie die Alcatel-Lucent Geldbeträge locker machen, um Privatpersonen für eine Antenne auf deren Dach zu gewinnen», sagt Siebert. Ralph Meier relativiert: «Wir zahlen kein Handgeld, sondern einen Mietzins, der sich im Bereich einer Einzimmerwohnung bewegt.»

Arbeitsgruppe für die Katz?

Im Herbst will die Alcatel-Lucent das Baugesuch einreichen. Meier hofft, dass bis anhin einer der zwei von der Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Standorte eine Befürwortung erhält. «Das ist unser Wunschszenario. Wenn nicht, wäre das sehr schade. Denn wir und die Arbeitsgruppe haben etliche Stunden in konstruktive Gespräche investiert», sagt Meier. Wenn nicht, würde sich der Prozess um einige verzögern.

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