Kirchleerau/Moosleerau
Alle Kirchenpfleger treten zurück: «David Mägli ist zutiefst enttäuscht und getroffen»

Nach dem überraschenden Resultat der Pfarrwahl hat die Kirchenpflege Leerau eine ausserordentliche Sitzung einberufen. Das Resultat: Alle Kirchenpfleger nehmen die Wahl nicht an.

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Die Stimmberechtigten entzogen David Mägli das Vertrauen.

Die Stimmberechtigten entzogen David Mägli das Vertrauen.

Jiri Reiner

Auch wenn man offiziell noch immer nicht genau weiss warum, Pfarrer David Mägli (36, vier Kinder) polarisiert in der Reformierten Kirchgemeinde Leerau extrem. Am Wochenende hat das Volk mit 143 zu 92 Stimmen klar zum Ausdruck gebracht, dass er nicht mehr erwünscht ist – und dies nach nur drei Jahren im Amt. Die Abwahl geschah sehr zum Missfallen der Kirchenpflege. Diese hat an einer Krisensitzung am Montag beschlossen, in corpore zurückzutreten.

Sie alle treten zurück

Aktuell im Amt sind:
Präsidentin ad interim der Kirchenpflege: Heidi Scherrer

Kirchenpflege: Daniel Hunziker-Müller, Marianne Sigrist, Nicole Karrer-Rosset, Fabienne Magnin Bär, Claudia Kasper-Hochuli

Am Sonntag wurden gewählt für die Amtsperiode 2019/22:
Präsidentin der Kirchenpflege: Claudia Kasper-Hochuli (neu, seit 2017 Mitglied).

Kirchenpflege: Fabienne Magnin Bär (bisher), Markus Schneiter (neu), Claudia Kasper-Hochuli (bisher), Marianne Sigrist (bisher), Martial Scherrer (neu).

«Die aktuelle Kirchenpflege, welche das uneingeschränkte Vertrauen in Pfarrer David Mägli hat, fühlt sich nicht mehr in der Lage im Auftrag der Mitglieder wirken zu können», schreibt die Kirchenpflegepräsidentin ad interim Heidi Scherrer gestern in einer Stellungnahme. Trotzdem werde die Kirchenpflege ihr Amt bis zum Ende der laufenden Amtsperiode am 31. Dezember weiterausüben. Aber: «Alle für die kommende Amtsperiode gewählten Kirchenpflegemitglieder haben gemeinsam beschlossen, die Wahl nicht anzunehmen», heisst es im Communiqué weiter.

Die Abwahl kam überraschend

«Die Kirchenmitglieder, welche sich bei mir gemeldet haben, waren bestürzt», beschreibt Heidi Scherrer die Reaktionen, die seit Sonntag Mittag an sie herangetragen wurden. Auch die Kirchenpflege selbst sei zutiefst betroffen.
Pfarrer Mägli (36) vertritt ein konservatives Kirchenbild und er soll die Gemeinde sehr Pfarrer-zentriert geführt haben, was offensichtlich Missmut schürte unter den Reformierten in Kirch- und Moosleerau. Das Resultat der Pfarrerwahl sei jedoch für alle überraschend gewesen, so Heidi Scherrer.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Mägli wurde erst 2014 mit 206 Ja- gegen 5 Nein-Stimmen in sein Amt gewählt. Er folgte auf die langjährige Pfarrerin Ruth Zimmermann. Der junge Familienvater kam damals frisch ab Studium und hatte gezielt ein Einzelpfarramt in einer ländlichen Gemeinde gesucht. Nach dem Stellenantritt im Januar 2015 bezog er mit seiner Ehefrau und seinen Kindern die Wohnung im Kirchleerber Pfarrhaus. Motiviert führte er als eines seiner ersten Projekte die Sonntagsschule der Kirchgemeinde wieder ein. Seine eigenen Sonntagsschulbesuche als Kind haben dazu beigetragen, dass Mägli Pfarrer geworden ist. «Damals wurde die Saat ins Herz gesät, heute ist sie aufgegangen», sagte er im 2015.

Abwahl bedeutet Kündigung

Die Abwahl von David Mägli kommt jetzt einer Kündigung gleich. Er bleibt noch bis Ende Jahr im Amt, danach erlöscht sein Anstellungsverhältnis automatisch. Dann müsste er eigentlich auch das Pfarrhaus verlassen. Bei der ausserordentlichen Sitzung der Kirchenpflege war David Mägli nicht dabei. Erst nach dem getroffenen Entscheid der Kirchenpflege, habe sie ihn dazu gebeten.

«Pfarrer David Mägli ist zutiefst enttäuscht und getroffen», sagt Heidi Scherrer. Wie geht es nun nach dem Scherbenhaufen weiter? «Die Kirchenpflege wird die Mitglieder der Kirchgemeinde in den nächsten Wochen zu einem Informationsabend einladen», heisst es in der Medienmitteilung. Klar ist: Die Kirchgemeinde Leerau sucht dringend einen neuen Pfarrer und baldmöglichst sechs Mitglieder für die Kirchenpflege.