Menziken
Aktuelles mit Arthur Honegger in der Volkshochschule Wynental: Umgang mit Trump nach Windel-Prinzip

Arthur Honegger, «10vor10»-Moderator war zu Besuch bei der Volkshochschule Wynental. Der SRF-Journalist erzählte über die USA, über deren Präsidenten und die Wichtigkeit unabhängiger Medien.

Peter Weingartner
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«Es ist leicht, nur das zu hören, was man sowieso glaubt.» Arthur Honegger über die Rolle der Medien.

«Es ist leicht, nur das zu hören, was man sowieso glaubt.» Arthur Honegger über die Rolle der Medien.

Peter Weingartner

Ein feines Näschen oder Zufall? Die Volkshochschule Wynental hat SRF-Journalist Arthur Honegger (8 Jahre USA-Korrespondent, seither «10vor10»-Moderator) eingeladen, über die USA und Trump zu reden, just zur Zeit des Gezerres um den «Shutdown» in den USA und der Anreise Donald Trumps nach Davos. Aktueller gehts kaum.

Das reformierte Kirchgemeindehaus ist voll, und Arthur Honegger enttäuscht sein Publikum nicht. Er weist auf die Wichtigkeit tragender Institutionen hin, die eine Demokratie «alltagsfähig» machen. Da ist der Rechtsstaat. «Niemand steht über dem Recht», sagt er, und da sind die Medien, die einen öffentlichen Diskurs ermöglichen. Diese Pfeiler trete Donald Trump mit gezielten Angriffen mit Füssen: «Die einzige Konstante: Alles, was vorher war, wird attackiert.»

Wer die Abschriften der Präsidenten-Interviews lese, stelle fest, dass die Aussagen oft keinen Sinn ergäben, keine Logik dahinter stecke: «Die Welt dreht sich um seine Person.» Selbstvermarktung ohne Ideen für das Land, ohne Wille zur Gestaltung. Warum wurde er gewählt? «Um mit der Normalität zu brechen», sagt Honegger. Da seien die Amerikaner halt risikofreudiger.

Autoritäre Instinkte

Honegger belegt Trumps «autoritäre Instinkte» mit Entscheiden wie Einreiseverbot für Muslime, Entlassung missliebiger Personen (FBI-Chef) und spricht ihm eine moralische Funktion als Landesvater ab. Er zitiert einen amerikanischen Historiker, der sagt, Trump sei ein Wüterich wie Andrew Johnson, paranoid wie Nixon und hemmungslos wie Clinton. Und ausser der Steuerreform habe er bislang nichts durchgebracht.

Honegger glaubt trotzdem an die starken institutionellen Strukturen des Landes. Auch an die Medien, von Trump als Feinde des amerikanischen Volkes dargestellt: «Guter Journalismus lässt sich von Politikern nicht beirren.» Journalismus wolle nicht geliebt werden; er suche die Fakten, die Wahrheit. «Ich bin optimistisch, dass die USA die Ära Trump gut überstehen werden, aber nicht unbeschädigt», sagt Honegger.

Symbol Sendeturm Beromünster

Auf die Schweiz übertragen: SRG und die privaten Medien seien zwei starke Pfeiler in der Medienlandschaft. «Es ist leicht, nur das zu hören, was man sowieso glaubt», bringt Honegger auf den Punkt, was droht, wenn es kein öffentliches Forum mehr gibt, wo «alle Ansichten abgebildet» werden, sondern nur noch kommerzielle Medien.

Wo der Bürger bloss als Konsument gesehen werde. Der Sendeturm in Beromünster – Honegger hat ihn vor seinem Vortrag in Menziken angeschaut – stehe als Symbol für eine tragende Institution, bewährt im Kampf gegen die Nazi-Propaganda im Zweiten Weltkrieg.

Rege nutzte das Publikum die Diskussion. Droht Gefahr eines Weltkriegs? Nordkorea hält Honegger für unberechenbar, während Trump und Putin «Männerspiele» spielten. Den Grund für die Wahl Trumps sieht er auch in der Experimentierfreude der Amerikaner: «Mal sehen, was passiert.»

Honegger folgt einem Votanten, der meint, man sollte Trump mit Ignoranz strafen und nicht über jeden Tweet berichten: «Es ist wie beim Windelnwechseln», sagt Honegger, der einschlägig erfahrene junge Vater, «bei einem Fürzchen muss man, im Gegensatz zum grossen Geschäft, nichts machen.»

Schliesslich signiert Arthur Honegger noch sein Fotobuch «Ach, Amiland!», das er zusammen mit seiner Frau Henna gestaltet hat.