Die kleinen, gedruckten Andenken an Verstorbene heissen je nach Gegend Sterbebildchen, Totenzettel oder wie im Michelsamt Leidhelgeli. Die Andachtsbilder wurden und werden von den Trauerfamilien verteilt und versandt. Sie trugen einst für die Trauernden eine grosse emotionale Bedeutung. In einer Ausstellung zeigt das Haus zum Dolder in Beromünster über 1000 Leidhelgeli aus der Sammlung von Dr. Edmund Müller.

Aktiv gesammelt hatten die drei Ärzte, die einst im Dolderhaus praktizierten, die Erinnerungsbildchen nicht. Sie waren ihnen vielmehr von den dankbaren Angehörigen ihrer Patienten zugesteckt worden. Die Bildchen sind gewissermassen Begleitobjekte, die von der Anteilnahme der Ärzte gegenüber ihren Patienten zeugen.

«Unsere Leidhelgeli-Sammlung reicht zurück bis in die Wirkungszeit von Dr. Josef Dolder in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts», erklärt Museumsleiterin Helene Büchler-Mattmann. Damals sei der Brauch, dessen Ursprung in Holland liegt, in der Schweiz aufgekommen. «Wir zeigen die Entwicklung auf bis 1976, als der letzte Arzt des Dolderhauses selber verstarb.» Rund 800 der vorgestellten Leidhelgeli kommen aus der Umgebung von Beromünster. Sie stammen von den Hinterbliebenen von Patienten der Ärzte. Die übrigen zeugen von den privaten und gesellschaftlichen Kontakten der Ärztefamilien ausserhalb der Region.

Brauch aus katholischen Landen

Büchler weist darauf hin, dass in der Sammlung nur von jenen Leuten Bildchen vorhanden sind, die in katholischen Stammlanden lebten, im Kanton Luzern, im Freiamt und in der Innerschweiz. Die vielen Patienten aus dem aargauischen Wynental fehlen allerdings, denn in den reformierten Gebieten war und ist dieser Brauch nicht bekannt.

Spiegel des sozialen Netzes

Die präsentierten Leidhelgeli sind im Museum an einer grossen Wand in chronologischer Reihenfolge präsentiert. So erkennt der Besucher sogleich Veränderungen und Entwicklungen in Grafik und Text. Um 1860 setzte die Produktion eigener Sterbebilder ein, statt allgemeiner Kupferstichbildchen wurden Fotos der Verstorbenen aufgeklebt, später aufgedruckt. Die Rückseiten waren mit einem klassischen religiösen Heiligenbild versehen und enthielten häufig nebst den Lebensdaten der Verstorbenen einen Spruch oder ein Gebet. Gelegentlich wurde auch eine Kurzform des Lebenslaufes abgedruckt.

Wandel in Grafik und Inhalt

Die Bildchen – in der Regel 10,5 auf 7,4 Zentimeter – wurden von den Menschen in ihren Mess- oder Gesangsbüchern aufbewahrt. So gedachten die Kirchengänger während des Gottesdienstes wiederholt der Verstorbenen. Denn Text und Bild «dienten klar als Aufforderung zum Gebet für die Armen Seelen im Fegfeuer und für die Abkürzung ihres Sühneleidens», steht in der Broschüre zur Ausstellung. Ab 1930 wurden die Bildchen immer mehr säkularisiert, die religiösen Bilder verschwanden und machten einer grösseren Fotografie der Verstorbenen Platz. Auch der Trauerrand als gestalterisches Element ist immer schmaler geworden und schliesslich ganz weggefallen.

Haus zum Dolder, Beromünster: Vernissage, Freitag, 8. April, 19 Uhr. Bis 2. Juni.