Muhen

Ära geht zu Ende: Der Bagger nagt am 70-jährigen Schulhaus

Das 70-jährige Gebäude wird nicht saniert, sondern abgebrochen.

Es ist sehr selten, dass ein Schulhaus abgebrochen wird. Für Herbert Erismann ist es das vierte in seiner 27-jährigen Karriere als Maschinist bei der Uerkner Firma Heiniger. Das Letzte hat er vor zehn Jahren abgerissen. Es stand in Leutwil.

Jetzt ist Muhen dran. In wenigen Wochen wird vom Schulhaus Süd und der alten Turnhalle nichts mehr zu sehen sein. In aufwendiger Handarbeit haben die Abbrüchler letzte Woche mit dem Rückbau von Fenstern, Dachziegeln und Holzverkleidungen begonnen.

Jetzt gehts ans Grobe. Zwar ist der zweite Maschinist, Willy Studer, mit einem Minibagger im Obergeschoss des Schulhauses noch immer dabei, Holzböden, Wandtafeln und Schränke herauszureissen. Draussen macht sich aber schon Herbert Erismann mit seinem mächtigen Greifer ans Werk. Zuerst geht es dem Verbindungstrakt zwischen Schulhaus und Turnhalle an den Kragen.

Schweigt der grosse Bagger für einen Moment, ist aus dem Turnhallenkeller nebenan Pressluftgehämmer zu vernehmen. Eine Spezialfirma ist diese Woche dabei, asbesthaltige Plättli respektive deren Fugenmaterial von den Wänden zu spitzen. Erst wenn das schädliche Material fachgerecht entsorgt ist, legen die Abbrüchler an der Turnhalle Hand an. Läuft alles nach Plan, kann noch in den Sommerferien mit einem Teil der Aushubarbeiten begonnen werden. Via Webcam auf der Homepage der Gemeinde Muhen kann der Abbruch- und Baufortschritt mitverfolgt werden.

Grossprojekt mit Rückhalt

Für total 23 Millionen bauen die Müheler ein neues Schulhaus mit Doppelturnhalle und einen zusätzlichen Doppelkindergarten. Dafür haben sie extra den Steuerfuss von 110 auf 115 Prozent erhöht. Die Bevölkerung steht hinter dem Grossprojekt. Mit überwältigender Mehrheit hat sie vergangenen Herbst dem Kreditbegehren zugestimmt.

Das war schon vor 70 Jahren so. Damals, während der Kriegsjahre, platzte das alte Schulhaus (Baujahr 1899) aus allen Nähten. Es war gleichzeitig Schulhaus, Turnhalle und Gemeindehaus. Fast 300 Schüler waren zu unterrichten. Es war dringend Schulraum nötig. Weil der Zement rationiert war, konnte mit dem Schulhausneubau aber erst nach Kriegsende begonnen werden. Auch damals ein Grossprojekt: 270 000 Franken wurden investiert. Doch die Müheler standen zusammen. Am 7.  September 1947 fand die Einweihung mit Hunderten von Leuten statt.

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