Er ist erst zwölf Jahre alt, ist Preisträger mehrere Wettbewerbe und glänzt mit einem schönen Ton und verblüffender Virtuosität: der Klarinettist Julian Remund. In der Mitte des ersten Programmteils begeisterte er das Publikum, das die reformierte Kirche bis auf den letzten Platz füllte, mit dem ersten Satz des B-Dur-Klarinettenkonzerts des Mozart- und Schubert-Zeitgenossen Anton Dimler. Schön, dass die Veranstalter des Adventskonzertes dem jungen Musiker Platz eingeräumt haben, es hat sich gelohnt, und es wird interessant sein, seinen weiteren künstlerischen Weg zu verfolgen.

Bewährtes und Wohlbekanntes

In seiner Begrüssungsansprache wies Regierungsrat Urs Hofmann auf das für die Entwicklung sozialer Kompetenzen wichtige Musizieren hin. «Ein besseres Musikgehör würde Politikern gut tun. Die Lautesten nicht immer die Besten,» so der Vertreter der Aargauer Regierung.

Offensichtlich wollte man im Konzertprogramm, das dem eines Radio-Wunschkonzertes alle Ehre gemacht hätte, allen etwas bieten, was dazu führte, dass 25 Stücke zu hören waren, zuzüglich zwei Zugaben: des Guten zu viel, dauerte doch das Konzert über zwei Stunden!

Im ersten Teil erklangen Melodien aus Klassik und Romantik. Während zu Beginn gewisse Intonationsprobleme der Solisten unüberhörbar waren, fanden sich die Sopranistin und der Tenor immer besser zurecht. Zu den Höhepunkten gehörten zweifelsohne die Arie aus Mendelssohns Oratorium «Elias», das Mozarts Motette «Exsultate jubilate» abschliessendes «Alleluja» (beide exzellent vorgetragen von Barbara Buhofer), César Francks Tenor-Arie «Panis angelicus»Andres Johos Klavierbegleitung befriedigte nur zum Teil, konnte die originalen Begleitinstrumente nicht valabel ersetzen und war meist zu laut.

Mit dem Duett «Cantique de Noël» von Adolphe Adam klang der erste Teil des Konzertes aus. Und das hätte durchaus der Schluss sein können. Warum nur hat Barbara Buhofer nicht die ganze Motette von Mozart interpretiert und vielleicht ein Streichquartett dazu engagiert? Schade.

Amerikanisches im zweiten Teil

Sicher, Komponisten wie Leroy Anderson, Billi Hayes oder Irving Berlin nehmen in der Kultur einen wichtigen Platz ein. Dennoch sorgte der zweite Konzertteil zu einem (zu) gewagten Stilbruch. Die beiden Sänger, der Pianist und der Gitarrist taten alles, um die elf Stücke werkgerecht nachzuempfinden, und es gab auch etliche Höhepunkte, so, um zwei Beispiele zu nennen, Andersons «Sleigh ride» (Tenor) oder Mel Tormes Lied über Kastanien, die am offenen Feuer geröstet werden (Sopran).

Das Publikum verliess die Kirche trotz der erwähnten Vorbehalte dankbar und festlich eingestimmt auf die kommende Adventszeit.