Abwasser im Südwestaargau
Künftig keine kleinen Kläranlagen mehr: Wie stehen die Gemeinden dazu?

Das Abwasser von 30 Gemeinden soll künftig in Aarau gereinigt werden, vier Kläranlagen im Wynen-, Suhren- oder Uerkental würden abgestellt. Neue Verbindungsleitungen wären nötig.

Daniel Vizentini
Merken
Drucken
Teilen
Die Kläranlagen in Kölliken reinigt das Abwasser von sieben Gemeinden.

Die Kläranlagen in Kölliken reinigt das Abwasser von sieben Gemeinden.

Bild: zvg

Bei den Kläranlagen stehen periodisch immer wieder grössere Sanierungsarbeiten an, dazu werden die Anforderungen an die Abwasserreinigung strenger: Betreffend Mikroverunreinigungen etwa fordert das Gewässerschutzgesetz erst seit kurzem, dass auch diese Spuren von Kosmetika oder Medikamenten entfernt werden müssen. Die Kosten für das Aufrüsten können gerade für kleine Gemeinden zu einer grossen Belastung werden.

Stemmt man grosse Projekte gemeinsam mit mehreren Gemeinden, werden die Kosten verringert. Jörg Kaufmann, Präsident vom Abwasserverband Aarau und Umgebung (Avau), sagt: Eine Gesamterneuerung der einzelnen Kläranlagen kostet bis zu 1500 Franken pro Einwohner. Wird aber nur die Kläranlage in Aarau erneuert – für 190 Millionen Franken – und wie geplant 19 Gemeinden aus dem Wynen-, Suhren- oder Uerkental daran angeschlossen, kostet es unter 1000 Franken pro Einwohner.

Vorbild Wildegg:

Heute sind 15 Gemeinden an die ARA Langmatt in Wildegg angeschlossen. Künftig wären es 38.

Heute sind 15 Gemeinden an die ARA Langmatt in Wildegg angeschlossen. Künftig wären es 38.

Chris Iseli (26.10.2016)

184 Millionen Franken, 38 beteiligte Gemeinden

Der Abwasserverband Region Lenzburg plant ein noch grösseres Projekt als das in Aarau: Die ARA Langmatt in Wildegg soll ebenfalls bis 2030 ausgebaut werden für geschätzt 184 Millionen Franken. Zu den heute 15 angeschlossenen Gemeinden von Schinznach bis Seon könnten bis zu 23 weitere hinzustossen. Betroffen wären über 114'000 Einwohner statt heute 54'000.

Aufgehoben würden drei Kläranlagen im Seetal; nebst Seengen auch die in Mosen und Hochdorf (beide LU), über 30 Kilometer weit entfernt. Hallwiler- und Baldeggersee würden entlastet und hätten künftig einen 10 bis 15 Prozent niedrigeren Phosphorgehalt als heute. Angepeilt wird im Projekt auch ein Anschluss der ARA Falkenmatt in Hendschiken und für die Stufe der Mikroverunreinigungen auch ein Teilanschluss der ARA Wohlen.

1971 in Betrieb genommen, wuchs die ARA in Wildegg zuletzt 2016 mit dem Anschluss der ARA aus Rupperswil auf ihre heutige Grösse an.

Pioniergeist in Reinach:

Reinach reinigt das Abwasser von 8 Gemeinden.

Reinach reinigt das Abwasser von 8 Gemeinden.

Michael Küng (12.11.2019)

Die modernste ARA im Kanton

Sie war die erste Kläranlage im Kanton, die auch Mikroverunreinigungen wie Reste von Medikamenten, Chemikalien oder Reinigungsmitteln aus dem Abwasser filtern konnte: die neue ARA Oberwynental in Reinach. Acht Gemeinden mit gemeinsam 28'000 Einwohnern waren beim Ausbau der Anlage involviert. 34,6 Millionen Franken kostete der Bau. Von der Vorstudie bis zur Einweihung vergingen 14 Jahre.

Pioniergeist hatten die Gemeinden im Oberwynental bereits gezeigt, als sie 1934 die erste Kläranlage des Kantons in Betrieb nahmen, 1962 war sie dann kantonsweit die erste zweistufige Reinigungsanlage. Nach dem Bau der neuen ARA entstand auf dem Areal der alten ARA ein Natur- und Erlebnisweiher.

Zuletzt stand zur Diskussion, ein Solardach von 4400 Quadratmetern über der Kläranlage zu spannen. Die Fotovoltaikanlage, die sich in der Nacht automatisch zusammenfaltet, könnte am Tag Strom für 120 Haushalte produzieren.

«Nicht negativ eingestellt, aber noch offene Punkte»

Die Kläranlagen in Attelwil (für zwei Gemeinden), Schöftland (sechs Gemeinden), Mittleres Wynental/Teufenthal (vier Gemeinden, liegt im Gemeindegebiet von Gränichen) und Kölliken (sieben Gemeinden) würden in den nächsten Jahren abgestellt, das Abwasser der Gemeinden zur Reinigung nach Aarau geleitet. Die Machbarkeitsstudie dafür ist erstellt, derzeit gehen Fragebögen an die betroffenen Gemeinden raus.

Für den Schöftler Vizeammann und fürs Abwasserwesen zuständige Gemeinderat Thomas Buchschacher ist es deshalb noch zu früh, um aus Sicht der Gemeinde etwas zum Projekt zu sagen. Noch seien nicht alle Gemeinderäte involviert. Im Idealfall sollen laut Kanton alle betroffenen Gemeinden – mit den 11 des Avau wären es total 30 – eine gemeinsame Absichtserklärung zum weiteren Vorgehen abgeben. Mario Schegner, Gemeindeammann von Kölliken, sagt immerhin:

«Grundsätzlich sind wir dem Projekt gegenüber nicht negativ eingestellt, aber es gibt noch ein paar offene Punkte.»

Es sei schon so, dass die Uerke eigentlich zu klein sei für die gereinigte Wassermenge, die heute in den Bach geleitet wird. Dazu käme ein Anschluss an die Kläranlage in der Aarauer Telli zu einem günstigen Zeitpunkt, da Kölliken bis 2035 sicher grosse Investitionen in ihre eigene ARA tätigen müsste.

Die Sammelkanäle reichen aus, aber neue Verbindungsleitungen wären nötig

Grössere Sammelkanäle für die zusätzliche Abwassermenge, die nach Aarau geleitet würde, seien laut Jörg Kaufmann vom Avau nicht nötig und auch der Gönhard-Stollen sei «sicher ausreichend», zumal der Wasserverbrauch pro Kopf auch dank immer effizienteren Haushaltsgeräten seit Jahren sinke.

Nötig wären aber gewisse Ergänzungsleitungen im Abwassernetz. Konkret braucht es Verbindungen von Reitnau bis nach Schöftland, von Schöftland bis Muhen, von Kölliken bis Oberentfelden und von Teufenthal/Gränichen bis ins Leitungsnetz von Suhr und Buchs.